Title:
Zwischen Saar und Mosel
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-111761
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-112613
Bar, bestätigt hatte. In die Gegenbewegung gegen diese staufische Direktkontrolle 
über (Nieder-)Lotharingiert gehörte dann auch die dritte Eheschließung Graf 
Theobalds von Bar, nunmehr mit der jungen Ermesinde im Herbst 1 19727, - 
vielleicht nach dafür eigens herbeigeführter Scheidung von seiner zweiten Frau 
Isabella-Ermesinde von Bar-sur-Seine28! 
Im Zusammenhang mit jener Eheschließung schildert Alberich von Trois-Fontaines 
zu 1193 folgendes: Graf Theobald von Bar habe Ermesinde geheiratet, um durch 
sie zu erben, obgleich doch im (römisch-deutschen) Kaiserreich Töchter nicht zu 
erben pflegten. Drei Burgen mit Zubehör, die vom Kaiser dem alemannischen 
Grafen Otto von Burgund verliehen worden seien, habe der Graf von Bar von 
diesem Grafen Otto zurückgekauft. Auf diese Weise habe er sie zusammen mit 
seiner Ehefrau besessen, nämlich Luxemburg, Durbuy und Laroche in den 
Ardennen29. Dieser Teil des Erbes war damit anscheinend zurückgewonnen. 
Welcher Aussagewert kommt diesen Mitteilungen zu? 
Die zugrundeliegende Weltchronik ist zwar nur in einer Fassung überliefert, die 
„bald nach 1252“ in dem Kanonikerstift Neufmoustier nördlich vor Huy30, das nach 
der sogenannten31 „Ordnung des heiligen Augustin“ lebte32, um lokale Nachrichten 
angereichert wurde33; aber sie wird als Geschichtsquelle geschätzt, und zwar 
vornehmlich „für die zeitgenössischen Vorgänge und wegen des sorgfältig zusam¬ 
mengetragenen genealogischen Materials“34. Für eine Nachricht über Vorgänge 
noch des 12. Jahrhunderts ist dies allerdings nur eine eingeschränkte Empfehlung; 
denn die Sammlungen sollen erst seit I22735 oder um 1232 begonnen worden sein, 
um dann in ein Werk bis ins Berichtsjahr 1241 einzugehen. Alberich war 
Zisterzienser und starb erst nach dem 25. Januar 1252. Sein Kloster Trois-Fontaines 
in der Diözese Chälons-sur-Marne lag 8 km nördlich von Saint-Dizier und damit 
gar nicht so weit von jenem Citeaux entfernt, zu dem alljährlich Vertreter der 
einzelnen Zisterzen für das Generalkapitel im September anreisten. Da konnten 
27 Margue (wie Anm. 6), S. 147, Sp. 2, 
28 Parisse (wie Anm. 26), S. 59f. 
29 Theobaldus, comes Barrensis, . . . duxerat in uxorem . . . Ermensendem, per quam hereditäre volebat, 
quamvis filie non solebant in imperio hereditäre. Tria tamen castra cum appendiciis, ab imperatore 
data comiti Alemanno Ottoni de Burgundia, comes Barri ab ipso comite Ottone redemit, et ita cum 
uxore ea habuit, videlicet Lusceleburch (Lesart Lusceburch), Drebuium et Rupem in Ardenna . ..; 
UQB. 1 (wie Anm. 22), S. 770, Nr. 546 zu 1197 nach MGH SS 23 (1874), S. 870. 
30 Nicht zu verwechseln mit der zentral gelegenen Kollegiatkirche Notre-Dame; vgl. Gilberte ROSSOM- 
me-Lauwens, Belgique [et] Luxembourg (Les guides bleus), Paris 1979, S. 569 [Parc de 
Neufmoustier] mit S. 565ff. [Notre-Dame]. - Vgl. Monasticon beige 2 III, Lüttich 1955, S. 286 zum 
1. Prior Johannes (f 1146). 
31 Vgl. Tarsicius J. VAN BAVEL, Augustinusregel, in: LThK 1 (31993), Sp. 1250L 
32 Ordo sancti Augustini; Monasticon beige 2 III, 1955, S. 286. 
33 Zur „Chronica Albrici monachi Trium Fontium, a monacho [!] Novi Monasterii Hoiensis interpolata“, 
wie der Editor P. Scheffer-Boichorst seinen Druck in MGH SS 23 (1874), S. 631-950 
überschrieben hat, vgl. Jan Prelog, Alberich von Troisfontaines, in: Lex. des MA.l II (München 
1978), Sp. 282 mit Matthias WERNER, Alberich von Trois-Fontaines, in: LThK 1 (31993), Sp. 328 
[Zitat], 
34 Prelog (wie Anm. 33), Sp. 282. 
35 So Werner (wie Anm. 33), Sp. 328. 
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