Title:
Zwischen Saar und Mosel
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-111761
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-116031
Franz-Josef Heyen 
.. .ZUM FÜHRER FAHREN ... 
zwei Frauen aus Lauterbach auf dem Obersalzberg. März 1937 
Im zweiten Band der von Hans-Walter Herrmann herausgegebenen Veröffentli¬ 
chung „Widerstand und Verweigerung im Saarland 1935-1945“ haben Klaus- 
Michael Mallmann und Gerhard Paul auch über „Die Grenzgänger-Demonstration 
im Warndt 1937. Zur Anatomie eines sozialen Konfliktes“ berichtet1. Insbesondere 
für nichtsaarländische Leser dieser Festschrift sei der Vorgang kurz dargestellt. 
Ausgelöst waren die Demonstrationen durch eine Änderung der Bestimmungen 
über die Transferierung der Löhne deutscher Arbeiter im Ausland in einer 
Verordnung der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung, über die die Saarbrücker 
Zeitung am 20.Dezember 1936 berichtet hatte2. Bisher war es den Grenzgängern 
freigestellt, ihren Lohn im Ausland zu dort üblichen Kursen in Reichsmark 
umzutauschen und diese einzuführen. Für die rund 6 000 in Frankreich beschäftig¬ 
ten Saarländer, meist Bergarbeiter in lothringischen Gruben der Grenzregion mit 
Wohnort in Deutschland und Arbeitsplatz in Frankreich, bedeutete dies, daß sie zu 
einem erheblich günstigeren Kurs ihren in französischen Francs bar ausgezahlten 
Lohn in Reichsmark wechselten, damals aktuell für fünf Francs eine Reichsmark 
bei einem Kurs in Deutschland von 8,60 Francs3. Dies sollte nun nach der neuen 
Verordnung ab 1. Februar 1937 nicht mehr - zumindest nicht mehr in voller Höhe - 
möglich sein. Vielmehr sollten zwei Drittel des Lohns nach Deutschland gebracht 
und dort zu dem ungünstigeren deutschen Kurs in Reichsmark gewechselt werden. 
Das Motiv dieser Verordnung war natürlich die Beschaffung der dringend benötig¬ 
ten Devisen, offensichtlich ohne Beachtung der erheblichen Nachteile zu Lasten der 
Arbeiter. 
Es versteht sich, daß dies unter den Grenzgängern und deren Familien große 
Erregung hervorrief. Exilgruppen von KPD und SPD namentlich in Forbach und 
1 K.-M. Mallmann u. G. PAUL, Herrschaft und Alltag. Ein Industrierevier im Dritten Reich, 
Widerstand und Verweigerung im Saarland 1935-1945 Bd 2 (hg. v. H.-W. HERRMANN), Bonn 1991, 
S. 370-378. Ebenso in: Zehn statt tausend Jahre. Die Zeit des Nationalsozialismus an der Saar 
(1935-1945). Katalog zur Ausstellung., im Saarbrücker Schloss 1988, S. 150-157. Ferner K,-M. 
Mallmann und H. Steffens, Lohn der Mühen. Geschichte der Bergarbeiter an der Saar. München 
1989, S. 219-223. 
2 Verordnung zur Devisenbewirtschaftung vom 19.12.1936. RGBl I, 1936, S. 1021-1068 (ohne 
konkrete Aussage) in Verbindung mit Saarbrücker Zeitung nach Mallmann paul (wie Anm. 1). 
3 So Mallmann-Steffens (wie Anm. 1) S. 219. 
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