Title:
Zwischen Saar und Mosel
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-111761
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-115899
Dieter Wolfanger 
JOSEF BÜRCKEL UND GUSTAV SIMON. 
Zwei Gauleiter der nsdap und ihr Streit um die „westmark' 
Jede regionalgeschichtliche Studie über die NS-Zeit im Saarland hat zu berücksich¬ 
tigen, daß an dem Territorium des heutigen Bundeslandes zwei Gaue der NSDAP 
ihren Anteil besaßen; der größte Teil, das ehemalige Saargebiet, unterstand 
Gauleiter Josef Bürckel, während die nördlichen Gemeinden, die erst nach dem 2. 
Weltkrieg saarländisch wurden, zum Gaugebiet Gustav Simons gehörten. Da 
sowohl Bürckel als auch Simon weiterreichende Ambitionen besaßen und sich in 
ihren Interessen ständig wechselseitig beeinträchtigt sahen, steigerte sich die 
Rivalität der beiden Gauleiter zu einer Feindseligkeit, die bei jeder sich bietenden 
Gelegenheit zutage trat. 
Dieser innerparteiliche Konflikt zwischen Bürckel und Simon enthüllt jedoch nicht 
nur individuelle Charakterzüge der Kontrahenten, sondern reicht ins Grundsätzli¬ 
che; auch für sie gilt der Satz: „Die Protagonisten der Bewegung, deren Führer den 
,Kampf ums Dasein4 zum Kernsatz seiner Weltanschauung erhoben hatte, erreich¬ 
ten in ihrer Aktivistenmentalität eine so starke Verinnerlichung dieses Lebensprin¬ 
zips ihrer Partei, daß sich ihre Aggressivität bis zur selbstzerstörerischen Grenze 
gegen die eigenen Kampfgenossen richtete“1. Die polykratischen Elemente in der 
Herrschaftsstruktur des Dritten Reiches sind auch vor diesem Hintergrund zu 
sehen. 
Josef Bürckel 
■Josef Bürckel2 wurde am 30. März 1895 in Lingenfeld (Kreis Germersheim) als 
jüngstes Kind des Bäckers Michael Bürckel und dessen Ehefrau Magdalene geb. 
Zoller geboren. Im Jahre 1909 bestand der junge Bürckel die Aufnahmeprüfung an 
der katholischen Lehrerbildungsanstalt in Speyer. Die Abschlußklasse des Lehrer¬ 
seminars verließ er vorzeitig im November 1914, um sich als Kriegsfreiwilliger zu 
melden. Als nicht mehr kriegsverwendungsfähig wurde er jedoch im April 1916 
aus dem Heer entlassen, so daß er anschließend seine Lehrerausbildung als 
1 D. Rebentisch, Persönlichkeitsprofi] und Karriere verlauf der nationalsozialistischen Führungskader 
in Hessen 1928-1945, in: HessJahrLandesG 33 (1983), S. 293-331, hier S. 330. 
2 Der Quellennachweis im folgenden Kapitel beschränkt sich auf die Zitate; die übrigen Belege bei D. 
Wolfanger, Populist und Machtpolitiker. Josef Bürckel: Vom Gauleiter der Pfalz zum Chef der 
Zivilverwaltung in Lothringen, in: G. NESTLER/H. ZIEGLER (Hg.), Die Pfalz unterm Hakenkreuz. Eine 
deutsche Provinz während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft, Landau 1993, S. 63-86. 
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