Title:
Zwischen Saar und Mosel
Creator:
Haubrichs, Wolfgang
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-111761
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-113172
bereits die Gewölbe, aus denen die drei Schlußsteine mit dem Marienzyklus 
stammten. Der weitere Ausbau des Klosters erfolgte zwischen 1378 und 1410. Der 
Typus der Hallenkirche ist bekanntlich ein von den Parlern bervorzugter Raumkör¬ 
per. Die ziemlich kurzen Bauzeiten lassen sich nur mit erheblichen Mitteln zur 
zügigen Ausführung erklären. Gab es ein Zusammenwirken von Patriziat, Bischof 
und etwa des Kaisers? Nur Urkunden könnten diese Vermutung erhärten. 
Kaiser Karl IV. kannte natürlich die Zölestinerkirche in Paris, die sein Schwager 
König Karl V. von Frankreich 1365 gegründet und mit reichen Stiftungen versah8 
und für deren skulpturale Ausstattung er bedeutende Aufträge vergab. Besondere 
Aufmerksamkeit widmete der französische König der Ausführung der Statuen für 
das Westportal. Ein heute weniger bekannter aber höchst bedeutender Bildhauer, 
Jean de Thoiry, hatte die (verlorene) Trumeaufigur des Titelheiligen St. Celestin zu 
meißeln und vielleicht schuf er auch die berühmten Standbilder des Königpaares 
für die Seitengewände, Karl V. und Königin Jeanne de Bourbon, die bei der Weihe 
der Coelestinerkirche 1370 fertiggestellt waren und sich seit dem Abriß der 
Klosterkirche im Louvre befinden9. Es fällt auf, daß nur ein Jahr nach der Weihe 
der Coelestinerkirche in Paris der Neubau der Coelestinerkirche in Metz begonnen 
wurde. Es wäre hilfreich, von Historikern zu erfahren, welche Bewandtnis es mit 
der Förderung der Coelestiner durch die beiden Herrscher hatte. - Karl IV. gründete 
auch eine Coelestinerkirche in Oybin, in der für seine Territorialpolitik wichtigen 
Lausitz (als Ruine erhalten). Für die Niederlassung ließ er Coelestinermönche aus 
Avignon kommen. 
2. Das Grabmal des Bischofs Dietrich / Thierry Bayer (Baier) von Boppard 
Sehr naheliegend ist die Vermutung, daß auch das Grabmal Bischof Dietrich 
Bayers von Boppard in der Metzer Kathedrale zu den Skulpturen gehört, die durch 
„parlerisch“ orientierte Bildhauer ausgeführt wurde. Der Kirchenfürst starb 1384 
(Februar, 15). Nach mehrfacher Versetzung von seinem ursprünglichen Standort 
und erheblichen Beschädigungen, sind die Teile der Liegefigur von ca. 2,30 m 
Länge auf einem neu aufgemauerten Tumbablock im nördlichen Seitenschiff der 
Metzer Kathedrale vor etlichen Jahren wieder allgemein zugänglich und würdig 
gelagert worden. Ältere Abbildungen dokumentieren den Aufbau des Wandgrabs 
(Abb. 5); wie es einst in der Domkrypta errichtet war. Davon haben sich offenbar 
keine Reste erhalten. Die Tumba mit der Liegefigur schmückten auf der Hauptseite 
sechs Blendarkaden mit eingestellten Statuetten. Über dem Gisant zog sich an der 
Rückwand noch ein Arkadenstreifen entlang, in dessen sieben Dreipaßblenden 
ebenfalls Statuetten standen. In der mittleren war die Gruppe einer thronenden 
Madonna mit dem Jesuskind im Schoß dargestellt, in den seitlichen Arkaden 
befanden sich jeweils Apostelpaare. Über dem Abschlußgesims dieser Arkadenzo¬ 
ne ragte in der Mittelachse eine größere Statuette auf (der Evangelist Johannes ?). 
8 Françoise ISAAC: Les Célestins de Paris. Etude historique et archéologique. Position des 
thèses . . École nationale de Chartres, Paris 1965, S. 43-50. 
9 Alain Erlande-BrandenburG: Jean de Thoiry, sculpteur de Charles V. In: Journal des Savants, 
Paris 1972, S. 210-227. 
125
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.