Title:
Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum
Creator:
Hudemann, Rainer Wittenbrock, Rolf
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-228755
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-229612
betragen" und teils als offener, teils als halboffener Reihenbau angelegt werden.38 
Diese von Stübben propagierte Hierarchisierung ist im Wohnungsbau von Esch/Al- 
zette deutlich zu sehen. 
Das Geschäftszentrum von Esch/Alzette 
Während die deutsche Bergwerksgesellschaft ihr Bauprogramm in Esch/Alzette durch¬ 
führt, schreitet auch der Bau der Hauptgeschäftsstraße fort. Bemerkenswert ist in un¬ 
serem Zusammenhang das 1910 auf Nummer 64 errichtete Haus mit großem Giebel, 
das sich formal eng an die Vorbilder der Arbeiter- und Beamtenhäuser anlehnt. Die 
Häuserzeile besteht aus einer Reihe historistischer Einfamilienhäuser sowie Geschäfts¬ 
und Mietshäuser als Eckbauten des Baublocks. Sie erinnern an französische und bel¬ 
gische Vorbilder. Gegenüber dem aufwendigen Dekor, der diese Wohn- und Ge¬ 
schäftshäuser auszeichnet, erscheint das "deutsche" Haus vergleichsweise "nüchtern", 
was die Fassadenbehandlung angeht. Daß dieser Baustil im Geschäftszentrum von 
Esch/Alzette ohne Nachfolge bleibt, ist kaum verwunderlich. Die architektonische In¬ 
szenierung der Geschäftsleute ist gebunden an die Wahrung eines gewissen Images, 
das sowohl der Selbstdarstellung der Eigentümer gerecht werden als auch Aushänge¬ 
schild für ihre Produktwerbung sein muß. Repräsentativ ist in diesem Sinne in der 
Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und vielfach auch noch danach nur der historistische 
Formenapparat. Eine deutliche soziale Trennungslinie manifestiert sich auf diese 
Weise durch eine bewußte oder unbewußte Ablehnung der "sachlicheren" Formen¬ 
sprache der deutschen Architekturmodelle, die zunächst nur mit der Industrie und der 
Arbeiterschaft gleichgesetzt werden. Noch heute, da der Verkauf dieser Häuser er¬ 
folgt, ist es in manchen Kreisen verpönt, in eine Arbeitersiedlung zu ziehen. 
Die deutsche Gartenstadtbewegung und ihre Bedeutung für Luxemburg 
Angeregt durch das englische Vorbild der durch Ebenezer Howards Schrift "Garden 
Cities of To-morrow" (1898) populär gewordenen Gartenstadtidee, entsteht 1902 die 
deutsche Gartenstadtgesellschaft. Sie tritt dafür ein, im Vorfeld großer Städte neue, 
durchgrünte Trabantenstädte mit autonomer industrieller Grundlage und Arbeiter¬ 
wohnsiedlungen zu gründen, und sie wirbt im Sinne einer bürgerlichen Lebensreform 
für eine Verbesserung der Wohnsituation der Arbeiter und für fortschrittliche politi¬ 
sche Verhältnisse: "Unter einer Gartenstadt versteht man nicht eine beliebige Stadt 
mit ein paar Gärten in ihren Mauern. (Findige Spekulanten bezeichnen ihre nichts 
weniger als gemeinnützigen Gründungen neuerdings mit Vorliebe als Gartenstädte.) 
Eine Gartenstadt ist eine planmäßig gestaltete Siedlung auf wohlfeilem Gelände, das 
dauernd im Obereigentum der Gemeinschaft erhalten wird, derart, daß jede Spekula¬ 
tion mit dem Grund und Boden dauernd unmöglich ist und der Wertzuwachs der 
Gesamteinwohnerschaft erhalten bleibt. Sie ist ein neuer Stadttypus, der eine durch¬ 
38 J. Stübben, Stadtbauplan für Esch AD. Azette im Grossherzogt. Luxemburg, in: Stadtbau¬ 
kunst Ater und Neuer Zeit, Jg.VIII, Nr. 7 (1927), S. 128 u. 129. 
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