Title:
Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum
Creator:
Hudemann, Rainer Wittenbrock, Rolf
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-228755
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-229417
weitert oder torähnlich verengt und zur Wohnstraße wird. Die Straßen verlaufen nicht 
alle geradlinig, sondern im Bogen oder dem Gelände entsprechend. 
Zwei größere Arbeitersiedlungen (insgesamt ca. 250 Häuser "Auf der Acht" und an 
der "Ehleringer Straße", vgl. Abb. 6) sind zwischen 1910 und 1913 nach diesem 
Muster von der Gelsenkirchener Gesellschaft ausgeführt worden (vgl. Abb. 4). Die 
Häuser sind ein- bis zweigeschossige schiefergedeckte Putzbauten mit rustiziertem 
Sockel und haben ein steiles, z.T. tief ansetzendes Mansarddach, z.T. Zwischendächer, 
die Erdgeschoß und erstes Obergeschoß voneinander trennen und die Horizontale der 
Häusergruppen betonen. Als vertikale Elemente treten große Giebelfronten auf, die 
das charakteristische Erscheinungsbild der Siedlung markieren. Raumabschließende 
Eckgebäude fungieren als eine Art Torbauten. Zu diesen Grundschemata gibt es Va¬ 
rianten im Detail, etwa die Ausformung des Hauseingangs als Loggia oder mit Über¬ 
dach.15 Die Häuser haben z.T. Vorgärten. In der Regel befindet sich eine Stube und 
eine Küche im Erdgeschoß, zwei Schlafzimmer im ersten Obergeschoß, dazu Keller 
und Speicher. Hinter dem Haus liegt ein Garten und ein Anbau mit Stall (Abb. 7). Es 
gibt auch größere Wohnungen mit einem zusätzlichen Raum pro Geschoß. Die 
Zimmer liegen hintereinander mit seitlichem Treppenhaus oder nebeneinander mit 
seitlicher oder zentraler Treppe. Die Küche ist z.T. etwas größer als die Stube und 
wird zuweilen als "Wohnküche" bezeichnet. Die Größe der Küche bewegt sich um 17 
bis 18 qm, die der Stube um 12 bis 18 qm. Der Abort befindet sich in der Regel 
außerhalb der Wohnung neben dem Stall. 
Die Häuser sind massive Konstruktionen, die im Verhältnis zur allgemeinen Wohnsi- 
tuation der Arbeiterschaft zu Beginn des Jahrhunderts einen größeren Wohnkomfort 
bieten und folglich begehrte Objekte sind. Die Vermietung der Häuser unterliegt 
jedoch einer strengen Aufsicht, die mittels der "Hausordnung und Mietbestimmungen 
für die Wohnungen der Gelsenkirchener Bergwerks-Akt.-Gesellschaft" in Form von 
34 Artikeln geregelt wird. Wie bei Werkswohnungen damals üblich, sind neben 
Sicherheitsvorkehrungen und Instandhaltungsregelungen die Anbindung der Arbeiter 
an das Werk über die Arbeitszeit hinaus und die Kontrolle über ihre Familie und ihr 
Haus festgelegt: "Jeder Hausbewohner hat den Anordnungen der Angestellten, welche 
für die Befolgung der nachstehenden Vorschriften zu sorgen haben, unweigerlich 
nachzukommen. Diesen Beamten, welche einen Ausweis über die Zuständigkeit auf 
Verlangen vorzuzeigen haben, ist der Zutritt zu den Wohnungen zu gestatten. [...] 
Untervermietungen an Familien sowie das Halten von Kost- und Schlafgängern, wel¬ 
che bei der Gelsenkirchener Bergwerks-A.G. beschäftigt sind, ist nur mit Genehmi¬ 
gung der Häuserverwaltung gestattet. [...] Ruhestörungen, sowie Zusammenrottungen 
auf Straßen und Plätzen sind verboten." 
Auch auf das äußere Erscheinungsbild der Siedlung ist zu achten: "Alle von der Gel¬ 
senkirchener Bergwerks-A.-G. angelegten Anpflanzungen (auch Straßenanpflanzun¬ 
gen) sind auf das sorgfältigste zu pflegen, und während trockener, heißer Jahreszeit 
sind die Anlagen genügend mit Wasser zu besprengen (morgens vor Sonnenaufgang 
15 Eine Typologie der Bauten wird nach der Vervollständigung des Planmaterials zu erstellen 
sein. 
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