Title:
Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum
Creator:
Hudemann, Rainer Wittenbrock, Rolf
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-228755
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-231387
Ute Schneider 
Armenfürsorge in Alt-Saarbrücken, St. Johann und 
Malstatt-Burbach (1880-1909) 
Die Entstehung der modernen Industriegesellschaft war an den Lebensraum Stadt 
gebunden. Die gesellschaftlichen Veränderungen, die die Industrialisierung im 19. 
Jahrhundert mit sich brachte, fanden ihren stärksten Niederschlag in den Städten. Sie 
waren gezwungen als "moderne Interventionsstädte" selbst aktiv zu werden, d.h. ein 
umfassendes System "öffentlicher Daseinsvorsorge" aufzubauen. Dazu gehörten, neben 
dem Ausbau der städtischen Infrastruktur mit den Versorgungssystemen Gas, Wasser, 
Abwasser und Elektrizität, Maßnahmen auf städtebaulichem Gebiet und die Förde¬ 
rung der kommunalen Sozialpolitik in den Bereichen Armenfürsorge und Kranken¬ 
hauswesen.1 
Ziel der vorliegenden Arbeit ist, zum einen zu untersuchen, wie die Städte Alt-Saar¬ 
brücken, St. Johann und Malstatt-Burbach im Bereich der Armenfürsorge auf die 
Herausforderungen ihrer Zeit reagierten, wie sie die kommunale Armenfürsorge 
organisierten, und welche Maßnahmen sie gegen Armut und Verelendung ergriffen. 
Da die drei Städte Alt-Saarbrücken, St. Johann und Malstatt-Burbach, die 1909 zur 
Großstadt Saarbrücken vereinigt wurden, fast gleichzeitig seit der Mitte des 19. 
Jahrhunderts einen demographischen Aufschwung erlebten, bietet sich zum anderen 
die interessante Möglichkeit, kommunale Armenfürsorge in drei verschiedenen 
Stadttypen zu untersuchen und miteinander zu vergleichen: Alt-Saarbrücken war 
Verwaltungsmetropole, Wohn- und Villenstadt, St. Johann Handels- und Einkaufs¬ 
stadt und Malstatt-Burbach Industriestadt mit einseitiger Sozialstruktur, in der die 
Arbeiterschaft überrepräsentiert war.2 Der Nutzen einer komparativen Studie am 
Beispiel der Saarstädte liegt darin, daß festgestellt werden kann, inwiefern Unter¬ 
schiede oder Übereinstimmungen vorhanden waren und wie die Städte auf etwa 
gleichartige Herausforderungen reagierten. 
1 Dieter Schott u. Hanni Skroblies, Die ursprüngliche Vernetzung. Die Industrialisierung der 
Städte durch Infrastrukturtechnologien und ihre Auswirkungen auf Stadtentwicklung und 
Städtebau. Eine Forschungsskizze, in: Die alte Stadt, 1(1987), S. 79-98. Wolfgang R. Krabbe, 
Kommunalpolitik und Industrialisierung. Die Entfaltung der städtischen Leistungsverwaltung 
im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Fallstudien zu Dortmund und Münster, Stuttgart u.a. 1985, 
S. 14-17 u. 309-317. 
2 Hanns Klein, Saarbrücken - Territoriales und wirtschaftliches Zentrum der Saar, in: Blätter 
für deutsche Landesgeschichte 111(1975), S.153f. Klaus Fehn, Saarbrücken - Großstadtbüdung 
im grenznahen Bergbau- und Industriegebiet, in: Stadt und Stadtraum, Hannover 1974, S. 
109-111. Um Verwechslungen mit der späteren Großstadt Saarbrücken auszuschließen, wurde 
für die links der Saar gelegene Stadt Saarbrücken durchgängig die Bezeichnung Alt-Saar¬ 
brücken gewählt. 
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