Full text: Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum

ungefeiert lassen, weil wir unsere ’französischen Waffenbrüder’ damit vor den Kopf 
stoßen”.56 Erst unter dem militärischen Ausnahmezustand von 1915 wurde der Se¬ 
danstag zum nationalen Feiertag erklärt.57 
Diese Auseinandersetzung um den Sedanstag in Metz zeigt die Diskrepanz zwischen 
ziviler, eher zurückhaltend agierender Verwaltung und dem fordernden Einfluß des 
Militärs. Konnte infolge abwägender Rücksichtnahme - gegen das Militär und die 
Agitation in deutschen Zeitungen - des Sedanstages nicht mit einer großartigen Feier 
gedacht werden, so übernahm seit 1889 der 15. August, die große Gedenkfeier der 
deutschen Bevölkerung in Gravelotte, eine Ersatzfunktion. Während der französische 
Erinnerungskult, bedingt durch äußere Faktoren, sehr schnell eine feste und homoge¬ 
ne Organisationsform gefunden hatte, blieb auf deutscher Seite die Konkurrenz des 
Turn- und Kriegervereins in der Trägerschaft der Gedenkfeiern bestehen, öffentliche 
Kritik an dieser organisatorischen Zersplitterung wurde erst 1888 laut.58 Erst jetzt, 
als das Gefühl einer eigenen deutschen Identität im annektierten Metz, bedingt durch 
die hohe Anzahl der eingewanderten Altdeutschen, stärker werden konnte, wollte 
man in Einheit dem neuen beglückenden Nationalgefühl Ausdruck geben. 1889 fand 
zunächst probeweise die erste, allgemeine deutsche Gedenkfeier statt.59 Der seit 
1880 amtierende erste altdeutsche Bürgermeister Halm konnte für die Gedenkrede 
gewonnen werden, denn gerade er sollte dem Fest "das Gepräge einer allgemeinen 
Feier der deutschen Bürgerschaft von Metz" 60 geben. Im Mittelpunkt seiner Ge¬ 
denkrede stand dann auch die Mahnung der Toten, "den Vorpostendienst, den auch 
wir für das Deutschtum an der westlichen Reichsgrenze zu leisten haben, im bürgerli¬ 
chen Leben würdevoll zu üben, einig, d.h. ’echt deutsch’ zu sein."61 Ein Extrazug 
mit Fahrpreisermäßigungen hatte Hunderte von Teilnehmern aus der Stadt zur Feier 
gebracht.62 
Schon bei dieser Generalprobe zeichnete sich der formale Rahmen ab, in dem sich 
die Feier bis 1913 jedes Jahr am 15. August bewegen würde. Abgesehen von 1891, als 
man in St. Privat feierte, wählte man als Veranstaltungsort die Höhe von Gravelotte 
mit ihren Denkmalsanlagen, die für den Besucherandrang geeignet waren.63 Durch 
die Teilnahme der verschiedenen Gamisonskapellen, Kirchenchöre und des Metzer 
56 Metzer Zeitung v. 30. Aug. 1900. 
57 Metzer Zeitung v. 3. Sept. 1915. 
58 Metzer Zeitung v. 8. Aug. u. 10. Aug. 1888. 
59 Metzer Zeitung v. 2. Aug. 1889. 
60 Metzer Zeitung v. 4. Aug. 1889. 
61 Metzer Zeitung v. 17. Aug. 1889. 
62 Ebd. u. Metzer Zeitung v. 13. Aug. 1889. 
63 In Frage kamen das Denkmal des I.R. Nr. 67, eine stufenförmige Anlage, das Denkmal des 
Jägerbataillons Nr. 8, das in einer terrassenförmigen Anlage die Schlucht von Gravelotte 
überragte, und das Denkmal des I.R. Nr. 42, auf freiem Feld gelegen. Ab 1911 wurde die 
Feier in der Gedenkhalle von Gravelotte abgehalten. 
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