Title:
Die alte Diözese Metz
Creator:
Herrmann, Hans-Walter
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-200257
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-202562
In seinem Schreiben an Graf Gustav Adolf vom 5. Mai 16692f!, in dem er unter direk¬ 
tem Bezug auf dessen konfessionelle Bedrückungen24 in Bübingen seine baldige Visi¬ 
tation ankündigte, nannte D'Aubusson als Rechtsgrundlage, Kaiser und Reich hätten 
dem König im Frieden von Münster alle Rechte der Oberherrlichkeit in dieser Diözes 
und ohn einigen Reservat übergeben. Dann fügte er die Drohung an, der König werde 
den armen Leuten, gemeint waren die Bübinger Katholiken, seine Hilfe gewiß nicht 
versagen. 
Der Bischof berief sich auf jenen bekannten Paragraphen 70 des Friedens von Mün¬ 
ster, der die Souveränität über die Drei Bistümer Frankreich übertragen hatte28 30 31. 
Dabei war der Begriff districtus von französischer Seite bewußt unklar gelassen wor¬ 
den. Er konnte sowohl auf den geistlichen wie weltlichen Bereich der drei lothringi¬ 
schen Bistümer bezogen werden. D'Aubusson legte ihn also extrem aus, indem er 
alle Territorien seines geistlichen Bereichs zu Frankreich zählte, ob nun von Metz 
lehnsabhängig oder nicht. Im Grundsatz ist es bei dieser Auffassung geblieben. 
Die Berufung des Trierer Erzbischofs auf seine Metropolitanrechte hatte einen aktu¬ 
ellen Hintergrund. Sie waren im Westfälischen Frieden im Zusammenhang mit der 
Abtretung der Drei Bistümer in dem gen. Artikel 70 zwar ausdrücklich anerkannt 
worden, doch hat Frankreich ihre Ausübung in der Folgezeit zunächst verhindert und 
in Verhandlungen versucht, die Kurie zu einer Aufhebung der trierischen Rechte zu 
bewegen. Das ist im Zusammenhang mit den bekannten, bereits angesprochenen 
nationalkirchlichen Tendenzen Ludwigs zu sehen, die keine Art ausländischen Ein¬ 
flusses duldeten11. Auf der anderen Seite waren die Trierer Metropolitanrechte für 
Frankreich verschiedentlich Verhandlungsmasse gewesen; so im Vorfeld der Kaiser¬ 
wahl von 1658, als um die Stimme Kurtriers gegen Habsburg und für Ludwig XIV. 
geworben wurde; ferner bei den späteren Bemühungen um den Beitritt Kurtriers 
zum Rheinbund von 1658, dem Trier erst nach langem Zögern am 3. Januar 1662 
28 LA Sbr., NSbr. fl 2268, S. 259 f.; hier auch das Antwortkonzept. Eine zeitgenössische deut¬ 
sche Übersetzung des bischöflichen Schreibens (aus der hier zitiert wird) Waal 2307/15. Vgl, 
auch Ruppersberg II S. 130 f., wo die Visitationsreise allerdings nur knapp erwähnt wird; 
vgl. ferner R. Her ly, Les rois de France et le catholicisme en Sarre, in; Bull, de la Soc. des 
amis de la Sarre 1,1923/24, S. 17 ff. 
29 Sie seien durch Zeugenaussagen belegt, die ihm der Trierer Erzbischof übersandt habe. 
Damit kann nur das Verhör gemeint sein, das Gustav Adolf am 23.4.1669 mit Bübinger 
Katholiken angestellt hatte (vgl. Bübingen S. 149). 
30 Vgl. Karlies Abmeier, Der Trierer Kurfürst Philipp Christoph von Sötern und der Westfä¬ 
lische Friede, Münster 1986, S, 85 ff.; Hermann Kaufmann, Die Reunionskammer zu 
Metz, Metz 1899, S. 53 ff. Schildert eingehend die Vorgeschichte und das Zustandekommen 
des Art. 70 des Westfälischen Friedens (Wortlaut S. 59), auch die späteren Auseinanderset¬ 
zungen zwischen Reich und Frankreich. - Auf umfassenderer Quellenbasis baut auf Marie- 
Odile Piquet-Marchal, La Chambre de réunion de Metz, Paris 1969 (Travaux et re¬ 
cherches de la faculté de droit et des sciences économiques de Paris. Sér. Sciences historiques 
17). - Vgl. auch Geschichtl. Landeskde. des Saarlandes, Bd. I, hg. v. K. Hoppstädter u. 
H.W. Herrmann, Saarbrücken 1960, S. 253 ff., ferner Bd. II, S. 444 f.; lat. Text abgedruckt 
in Anm, 24, S. 445. 
31 Duchhardt S. 40. 
231
        

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