Title:
"Deutsch die Saar, immerdar!"
Creator:
Becker, Frank G.
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-175661
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-175817
Obwohl schon vor längerer Zeit angemahnt, fehlt es noch immer an eingehenden 
Untersuchungen über die Rolle des Saargebiets im deutschlandpolitischen Konzept 
des Quai d’Orsay zu Ende des Ersten Weltkrieges10. Bislang konzentrierte sich die 
historische Forschung zumeist auf die allgemeinen deutsch-französischen Beziehun¬ 
gen oder auf die linksrheinischen Pläne Frankreichs, häufig ohne dabei zwischen dem 
Rheinland und dem Gebiet an der mittleren Saar zu differenzieren bzw. dieses in die 
Untersuchung einzubeziehen11. Als eigenständiges Forschungsobjekt wurde die Saar 
vor der heißen Phase des Abstimmungskampfes nicht hinreichend gewürdigt; weder 
über die französische noch über die deutsche Saarpolitik liegen einschlägige Darstel¬ 
lungen vor. 
Zahlreiche zeitgenössische juristische Abhandlungen analysierten die Saarpolitik des 
Völkerbundes, doch fand das bis dahin einmalige Experiment einer internationalen 
Verwaltung für ein eigenstaatlich nicht lebensfähiges Gebiet nach dem Zweiten 
Weltkrieg nicht mehr die ihm gebührende Beachtung12. Infolgedessen stehen Völker¬ 
bund und Saarregierung noch vielfach unter dem Verdikt der deutschen Propaganda, 
während ihrer 15jährigen Tätigkeit unzureichend für „das Wohlergehen der Bevölke¬ 
rung des Saargebietes“13 gesorgt zu haben. Ein vorurteilsfreies Herangehen an die 
Arbeit der fünfköpfigen Regierungskommission wäre notwendig, um die nationali¬ 
stisch gefärbten Darstellungen der Zwischenkriegszeit zu hinterfragen und gegebe¬ 
nenfalls zu revidieren14. Die hier aufgezeigten Defizite lassen erkennen, daß noch 
immer keine geschlossene Darstellung der saarländischen Zwischenkriegszeit 
vorliegt15. 
Bestehen bereits Forschungslücken im Bereich der internationalen Politik, so wurde 
die staatlich protegierte und schließlich nationalsozialistisch instrumentalisierte 
private Saarpropaganda, die hier am Beispiels ihres Prototyps untersucht wird, noch 
weit weniger thematisiert. Die bislang einzige Gesamtdarstellung des „Bundes der 
Saarvereine“ ist der von Theodor Vogel herausgegebene „Saar-Befreiungskampf1, 
10 Vgl. BariÉTY: Die Französische Besatzungspolitik. In seinem umfangreichen „Inventar von Quellen zur 
deutschen Geschichte in Pariser Archiven und Bibliotheken“ (unveröffentlicht im Bestand des LA 
Saarbrücken und LHA Koblenz) hat Frank WITTENDORFER gezeigt, daß sich dieses Defizit keineswegs 
aus einer schmalen Quellenbasis heraus erklären läßt. Vgl. ebenfalls: WlLKENS, S. 15-44 und S. 47-85. 
" Vgl. u.a. BariÉTY: Les relations franco-allemandes sowie den Abschnitt von BariÉTY („Vom Ersten 
zum Zweiten Weltkrieg“) in: POIDEVIN/ DERS., S. 293—422; SOUTOU: L’or et le sang. 
12 Lediglich die Berichte der Reko an den Völkerbund (im „Journal Officiel“) sowie die Akten des 
Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes (in den Serie B und C der „Akten zur Deutschen Aus¬ 
wärtigen Politik“) wurden bislang fragmentarisch publiziert. „Das Saargebiet unter der Herrschaft des 
Waffenstillstandsabkommens und des Vertrages von Versailles, Berlin 1921“, als apologetisches 
Weißbuch der Reichsregierung herausgegeben, spiegelt nur den Zeitraum bis April 1921 wider. 
13 Zitiert aus den Instruktionen des Völkerbundsrats für die Reko vom 13.02.20, in: JO 2 (1920), S. 50. 
14 Siehe hierzu das Kapitel „Die Bilanz der internationalen Saarregierung“ (S. 65-91), in: HIRSCH: Die 
Saar von Genf sowie RUSSELL: The international Government of the Saar (1926!). 
15 Einen ersten Versuch hierzu unternahm Cowan (S. 121-170) fünf Jahre nach Kriegsende. Vgl. ebenso 
die komprimierten Überblicke von Herrmann/ SANTE, S. 31^11 und S. 63-67 sowie Zenner: Das 
Saargebiet, S. 588-595. 
13
        

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