Title:
"Deutsch die Saar, immerdar!"
Creator:
Becker, Frank G.
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-175661
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-175800
in den sechziger und siebziger Jahren zunächst als Tabuthema, was zur Folge hatte, 
daß die historische Interpretation durch die aktuelle Tagespolitik überlagert und die 
Forschung zur ersten Saarabstimmung durch die Frontstellungen des zweiten Refe¬ 
rendums beeinflußt wurde. 
Jubiläen fördern die öffentliche Erinnerung an historische Ereignisse und Prozesse. 
Angesichts der Flut an Publikationen und Untersuchungen, die anläßlich des 50. 
Jahrestages der ersten Saarabstimmung vom 13. Januar 1935 erschienen, ist es 
nachvollziehbar, daß dieses Kapitel deutsch-saarländischer Geschichte als weit¬ 
gehend aufgearbeitet galt'. Mochte dieser Eindruck für den engen Zeitraum zwischen 
1933 und 1935 zutreffen3 4, so zeigt ein Blick in die Bibliotheken, daß die dem Plebis¬ 
zit vorangehende Periode deutscher, französischer und saarländischer Geschichte 
noch keineswegs hinlänglich erforscht ist. Keine Frage: Die saarländische Parteien¬ 
landschaft in den Jahren der Völkerbundsregierung wurde schon früh aus unter¬ 
schiedlichen Perspektiven beleuchtet5. Dank eines mehrjährigen umfangreichen 
Forschungsprojektes konnte das Alltagsleben der Saarländer nach der Rückglie¬ 
derung facettenreich aufgearbeitet werden6. Auch die politische Kultur und die Frage 
nach dem regionalen Sonderbewußtsein der Saarländer stand mit größerem zeitlichen 
Abstand im Mittelpunkt des historischen Interesses7. 
Während die zweite Besatzungszeit nach 1945 in den letzten beiden Jahrzehnten 
eingehend erforscht wurde, fehlen aber noch immer grundlegende Einzel studien über 
die französischen Besatzungsmonate an der Saar, wie sie beispielsweise über Rhein¬ 
hessen vorliegen8. Ungeachtet der schwierigen Quellenlage wäre diese Zeit ein 
lohnendes Untersuchungsobjekt, da Darstellungen aus den zwanziger und dreißiger 
Jahren entlang der nationalen und ideologischen Fronten erfolgten und die Forschung 
der Nachkriegszeit diese Periode bislang eher stiefmütterlich behandelte. Beispiels¬ 
weise wäre das Bild der allgemeinen Ablehnung Frankreichs durch die Saarländer, 
welches Lempert nur kursorisch anreißt, kritisch zu hinterfragen. Mit Antritt der 
Regierungskommission waren die Weichen für die weitere Entwicklung im Prinzip 
jedoch schon gestellt, da sich Frankreich potentielle Sympathien bereits in den 
Monaten der Besatzung verspielt hatte9. 
3 Vgl. Mallmann: Neue Bücher zu einem schwierigen Jubiläum. 
4 Vgl. Jacoby; von zur Mühlen: Schlagt Hitler: Paul: Deutsche Mutter: Wambaugh. Anläßlich des 
70. Jahrestages erschien: LlNSMAYER: Der 13. Januar. 
5 Vgl. BlES: Klassenkampf; Gestier; KUNKEL; Paul: Die NSDAP des Saargebietes; ZENNER: Parteien 
und Politik. 
6 Vgl. Mallmann/ Paul: Das zersplitterte Nein: Dies.: Herrschaft und Alltag; Dies.: Milieus und 
Widerstand. Siehe hierzu ebenfalls: MUSKALLA. 
7 Vgl. Flender: Vom Saargebiet zum Saarland; KREWER/ Momper/ Fxkensberger; Linsmayer: 
Politische Kultur. 
8 Vgl. SÜSS. 
9 Vgl. VON DER Kall: Das Saargebiet in der Politik der Gegenwart, S. 486. Vgl. ebenso aus heutiger 
Perspektive: HERRMANN: 1919 - Schicksalsjahr für die Saar. 
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