Title:
"Deutsch die Saar, immerdar!"
Creator:
Becker, Frank G.
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-175661
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-175797
Einleitung 
„Der Saar-Verein will und muß das Gewissen sein, das das deutsche Volk in all seinen Gliedern 
und behördlichen Instanzen immer und immer wieder daran erinnert, daß die von der Entente in 
Versailles geschaffene Saarfrage noch keineswegs einer Lösung zugeführt worden ist, die dem 
Selbstbestimmungsrecht, dem geschichtlichen Recht, dem allgemeinen Völkerrecht entspräche.“1 
Als die Berliner Geschäftsstelle „Saar-Verein“ im Spätsommer 1927 mit diesen Wor¬ 
ten ihre eigene Rolle in dem 15jährigen Ringen um die nationale Zukunft des Indu¬ 
striereviers an der westlichen Peripherie des Reiches charakterisierte, erfreute sich 
das deutsch-französische Verhältnis einer kurzen relativen Stabilität. Ihre Aus¬ 
wirkungen waren auch an der Saar zu spüren. Der Höhepunkt der vehement ausge- 
fochtenen Auseinandersetzungen zwischen der Saarbevölkerung und der international 
besetzten fünfköpfigen Regierungskommission um die Einführung des französischen 
Francs, um die Schulpolitik und um weitere umstrittene administrative Maßnahmen 
war bereits überschritten. Aus Sicht der „prodeutsch“ orientierten Kräfte stand zwar 
längst nicht mehr zu befürchten, daß die Saarländer mehrheitlich zu Parteigängern 
Frankreichs wurden, wohl aber, daß sie Gefallen am gegenwärtigen Zustand finden 
könnten. Schließlich genossen die Saarländer dank einiger Zusatzartikel des Versail¬ 
ler Vertrages Privilegien, die den Deutschen jenseits der neuen Grenzen verwehrt 
blieben, und wer machte sich schon ernsthaft darüber Gedanken, welches Staats¬ 
wappen auf die Kasse geprägt war, die ihm Lohn oder Rente auszahlte? 
Ebenso wie ein intaktes Gewissen helfen kann, die jeweils moralisch „richtige“ 
Alternative zu wählen, verursachen reflektierte Fehlentscheidungen Gewissensbisse. 
Beide Funktionen hatte sich der Bund der Saarvereine, eine 1919/20 gegründete 
private Saarhilfsorganisation, auf die Fahne geschrieben: Er wollte zugleich die 
Saarpolitik der Reichs- und Länderregierungen konstruktiv beeinflussen, wie er auch 
bemüht war, vermeintlich falsche Entwicklungen und Missstände aufzuzeigen, 
anzuprangern und aufzuhalten. Seine Berliner Zentrale argumentierte über die 
vereinsinterne Halbmonatsschrift „Saar-Freund“ meist mit moralischem Impetus; sie 
appellierte bei den Behörden und Verbänden ebenso wie gegenüber einzelnen 
Persönlichkeiten und gegenüber der breiten Öffentlichkeit an die Ehre und das 
Pflichtbewußtsein, wenn es galt, die erforderliche finanzielle oder moralische Unter¬ 
stützung für eine Kampagne zu mobilisieren2. 
* * * 
Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Saarkampfes von 1934/35 ließ lange Jahre 
auf sich warten. Teilweise erklärt sich dies aus den besonderen Verhältnissen an der 
Saar nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Befürworter des „Status quo“ von 1935 
ähnlich wie zwanzig Jahre später die „Ja“-Sager nach dem zweiten Saarreferendum 
ins politische und publizistische Abseits gerieten. Beide Abstimmungskämpfe galten 
1 SF 8 (1927) 16, S. 260. Vgl. ebenso: VOGEL: Geschäftsstelle „Saar-Verein“, S. 226. 
: Vgl. Rundschreiben derGSV an Städte und Gemeinden (Februar 1925), in: StA Bonn, Pr 10/325. 
11
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.