Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter

schweiler ordnen wollten111. Diese Nachricht paßt zu dem Inhalt des einzigen für 
Wörschweiler erhaltenen Visitationsprotokolls, das Abt Jakob von Weiler-Bettnach 
1473 anfertigte und aus dem hervorgeht, daß vieles schon lange nicht mehr mit den 
Ordensprinzipien in Einklang stand112. Von der Vielzahl an Kritikpunkten seien 
nur die wichtigsten herausgegriffen. Da mittlerweile hohe Schulden auf Wör¬ 
schweiler lasteten, bedurfte es bei Ausgaben, die 50 Gulden überstiegen, fortan der 
Genehmigung des Vaterabtes. Die mangelhafte Rechnungsführung wurde als das 
Hauptmanko angeprangert. Sie sollte verständlicher und genauer sein und jeweils 
den Zinstag, die Höhe des Zinses und den Namen des Schuldners angeben. Inner¬ 
halb des Konvents herrschte Streit, dem Abt leistete man keinen unbedingten Ge¬ 
horsam. Strafandrohungen erfolgten für den Besuch des Gasthauses an der Kloster¬ 
pforte durch Mönche, für das Umherstreifen außerhalb des Klosters, für den Kon¬ 
takt mit mulieres suspectae und die contagio carnis oder für das Streben nach Pri¬ 
vateigentum113. Das Konstatieren von Mißständen ist eine Sache, deren Beseiti¬ 
gung jedoch eine andere. Betrachtet man den Umfang dieses Katalogs, so war es 
praktisch aussichtslos, den Konvent wieder auf die Ordensnorm einzuschwören. 
Die Mahnung, die Beschlüsse des Generalkapitels zu beachten, dürfte ebensowenig 
Erfolg gehabt haben wie die Anordnung Abt Jakobs von Weiler-Bettnach, die ge¬ 
fällten Entscheidungen viermal im Jahr dem Konvent vorzulesen. Noch zweimal 
erhielten die Äbte von Weiler-Bettnach und Wörschweiler gemeinsame Mandate 
des Generalkapitels. Mit dem Abt von Himmerod schlichteten sie einen Streit zwi¬ 
schen den Klöstern Otterberg und Ramsen einerseits und Rosenthal andererseits114. 
Bei letzterem entstanden offenbar auch Diskrepanzen zwischen den zunächst ver¬ 
bündeten Klöstern, die zu bereinigen zwar erneut die Äbte von Weiler-Bettnach 
und Himmerod, nicht aber ihr Amtskollege aus Wörschweiler aufgefordert waren. 
An seine Stelle trat der Abt von Maulbronn115. Im gleichen Jahr schickte das Gene¬ 
ralkapitel den Abt von Morimond ins Elsaß, um Frieden zwischen den Klöstern 
Neuburg und Baumgarten zu stiften. Die Äbte von Weiler-Bettnach und Wörsch¬ 
weiler sollten ihn begleiten, doch blieb die Möglichkeit offen, sie durch andere 
Äbte zu ersetzen, so daß unklar ist, ob sie tatsächlich dieser Verpflichtung nachka¬ 
men116. 
111 NEUBAUER, S. 353 Nr. 959. 
119 
Lateinische Ausfertigung: ADM 7 F 697 [1473 IV 2; Datum in prefato monasterio de Werneviile- 
rio]\ KAISER: Visitationsprotokoll. 
113 
Mit dem Vorwurf der contagio carnis ergänzt sich ein fünf Jahre zuvor durch das Generalkapitel 
getroffener Beschluß, wonach der Mönch Heinrich Flade, dieses Vergehens überführt, Wiederauf¬ 
nahme in seinem Heimatkloster Wörschweiler fand [CANIVEZ V, S. 232 (1468,51)]. Ungeachtet 
einer solchen Verfehlung blieb die Möglichkeit des Aufstiegs in der Klosterhierarchie erhalten. Es 
handelt sich bei ihm um den späteren Prior der Abtei und Neubegründer der Wörschweiler 
"Bruderschaft des Sakraments der Eucharistie unseres Herrn Jesus Christus" 1487. 
114 CANIVEZ V, S. 475 (1484,23). 
115 CANIVEZ V, S. 502 (1485,30). 
116 CANIVEZ V, S. 507 (1485,41). 
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