Title:
Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter
Creator:
Trapp, Thomas
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-193139
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-195152
VIII. Ausgewählte Schwerpunkte der klösterlichen 
Ökonomie 
1. Erzverarbeitung 
Das besondere Interesse der Zisterzienser an der Gewinnung von Bodenschätzen 
und der Errichtung vorindustrieller Betriebe ist allgemein bekannt und für viele 
Klöster zu belegen1. Für die Ausbeutung von Eisenerz scheinen vorrangig französi¬ 
sche Abteien ein gewisses Knowhow entwickelt zu haben. So verarbeitete Clair¬ 
vaux in beträchtlichen Mengen Erz zu Eisen2, die Gründung der lothringischen Zis- 
terze Clairlieu erfolgte vermutlich mit der Blickrichtung auf Erzvorkommen in der 
Umgebung3, und im polnischen Kloster Wachock, dem Zentrum der Metallverar¬ 
beitung in Kleinpolen, schufen französische Mönche - und wohl auch Konversen - 
die Grundlagen eines zukunftsträchtigen Industriezweigs4 *, um nur einige Beispiele 
zu nennen. Das herausragende Zentrum der Verhüttung im östlichen Lothringen lag 
im Tal der Fensch-\ das im 13. Jh. zwischen den Grafen von Luxemburg und Bar 
umstritten blieb. 1240 gestattete Philipp von Florange {Florenges) dem Kloster 
Weiler-Bettnach, ubicumque in terra mea minam de qua ferrura fieri solet invenire 
potuerint ex ea quando et quantum voluerint sine omni contradictione accipianfi. 
Die nur vage angedeuteten Erzvorkommen wird man zweifellos im Tal der Fensch 
zwischen Florange und Hayange zu suchen haben. Es handelt sich hier um die erste 
Urkunde, die von der mittelalterlichen Erzgewinnung spricht, nachdem bereits in 
der Antike um Hayange nach dem Mineral gegraben wurde7. Ob Weiler-Bettnach 
tatsächlich die erforderlichen Anlagen errichtete, bleibt fraglich, da der Beleg iso¬ 
liert steht, weiterer Güterbesitz in Florange oder in unmittelbarer Nähe dazu nicht 
überliefert ist und nirgendwo ein Niederschlag einer solchen Tätigkeit erfolgte. Ge¬ 
rade letzteres spricht gegen eine Nutzung der Schenkung, da die immer wieder an¬ 
fallenden Kosten und Einnahmen zumindest vereinzelt verzeichnet sein müßten. 
A. Weyhmann verwies darauf, die 1624 von Weiler-Bettnach veräußerte Gustal- 
Mühle, über deren Erwerb keine Angaben vorliegen, habe möglicherweise dazu 
gedient, ein Hammerwerk anzutreiben, das bei der 1240 geschenkten Mine errichtet 
worden sei8. Allerdings lag die Mühle in der Gemarkung Fontoy und damit im 
1 Zum allgemeinen Überblick SCH1CH, ROTH. 
■^FOSSIER: Activité; CHAUVIN; GIRARDOT; GILLE, mit Hinweis auf ein Chartular von Clair¬ 
vaux (AD Aube 3 H 33), das ausschließlich Urkundentexte zu den eisenverarbeitenden Einrichtun¬ 
gen der Abtei enthält (S. 109); WEYHMANN. 
3 SCH1CH, S. 230. 
4 Ebd. 
5YANTE. S. 140f., mit Karte 
^ ADM H 1714, fol. 154r-v [1240, Metz]; gedruckt bei WEYHMANN, S. 19. 
7 Y ANTE, S. 139. 
8 WEYHMANN, S. 119f.; REL II, S. 375. 
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