Title:
Lotharingia
Creator:
Herrmann, Hans-Walter
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-91559
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-92186
Besitz in Ammerschweier und in Schlettstadt zu eigen gibt, welchen damals ein Ercengarius 
puer als Lehen innehatte. Wenn man in diesem Erchanger einen Verwandten, vielleicht 
Sohn des gleichnamigen Vaters von Richgardis sehen darf, dann ließe sich hier eine ding¬ 
liche Spur jener vom alten Erchanger von seiten Lothars I. geforderten fidelitas fassen.88 
Das Elsaß war damals aber nicht nur den Interessen des ostfränkischen Königs Ludwig aus¬ 
gesetzt, der für seinen im Südwesten als Teilnachfolger vorgesehenen Sohn Karl aktiv war, 
sondern auch der westfränkische Herrscher Karl der Kahle schaltete sich im Elsaß ein: Nach 
dem Tod Lothars II. am 8.August 869 beanspruchte er Lotharingien und ließ sich bereits 
einen Monat später in Metz unter Leitung EHincmars von Reims zum König krönen, um 
damit die successio regni Hlotharii anzutreten.89 Von Condreville aus begab er sich Ende 
November, von der Information über das angebliche nahe Ende seines Bruders Ludwig 
geleitet, in Elisacias partes, um sich von zwei Großen des Landes, Hugo, Sohn Liutfrids, 
einem Etichonen, und Bernhard, Sohn Bernhards, huldigen zu lassen.90 In diesen Zusam¬ 
menhang dürfte auch die von Karl Schmid erst jüngst wieder herausgearbeitete Orientierung 
eines Teils des Konvents von Remiremont an Karl dem Kahlen gehören, wie sie sich im 
Herrscherdiptychon des Liber memorialis zu Beginn der 860er Jahre spiegelt.91 Lothars II. 
Angst vor Karl, die ihn 860 in die Arme Ludwigs des Deutschen trieb, war gewiß nicht 
unbegründet. 
Der Vertrag von Meerssen zwischen Karl und Ludwig im August 870 schuf dann Klarheit 
und klare Grenzen;92 allerdings drückt sich in der gerade für den Raum Vogesen und 
Burgundische Pforte „gemischten" Lösung das beiderseitige Interesse an diesem Raum sehr 
deutlich aus; es hatte seinen Grund vor allem im Bestreben der beiden Herrscher, einen 
Zugang zum Großen St. Bernhard zu haben. So fielen das Bistum Toul und die Grafschaft 
Karl zu, Remiremont, Moyenmoutier und St. Die hingegen Ludwig, während das Kloster 
Senones, obwohl dem an Ludwig gegangenen Bistum Metz gehörig, zu Karls Bereich zählte. 
Das Elsaß hingegen mit dem Bischofssitz Straßburg, mit den hier erstmals genannten zwei 
Grafschaften93 und mit der Hoheit über die zahlreichen Klöster wurde unstrittiger Herr¬ 
schaftsbereich Ludwigs des Deutschen. Auffälligerweise hat dieser sich aber, wie schon 
Heinrich Büttner festgestellt hat,94 in den letzten Jahren seiner Regierung um das Elsaß kaum 
88 MGH DLo II 34. Regesta Alsatiae (wie Anm. 1) Nr. 580. 
89 Zitat aus der Datierung der Metzer Urkunde Karls des Kahlen vom 9. September 869. Recueil des actes 
de Charles II le Chauve 2. Ed. G. Tessier. 1952 Nr. 328 S. 226. Zur Krönung Karls des Kahlen in Metz 
vgl. W. Schlesinger, Zur Erhebung Karls des Kahlen zum König von Lothringen 869 in Metz, in: Aus¬ 
gewählte Aufsätze von Walter Schlesinger 1965-1979. Hg. von H. Patze und F. Schwind (Vortrr- 
Forsch 34) 1987 S. 1 73-198 und Encyclopédie (wie Anm. 1 ) S. 64. 
90 Annales Bertiniani a. 869. Annales (wie Anm. 36) S. 168. Regesta Alsatiae (wie Anm. 1) Nr. 581. In 
Bernhard sieht die Forschung einen Sohn des Bruders Graf Erchangars. Vgl. Büttner, Elsaß (wie 
Anm. 1) S. 135 und Borgolte, Grafengewalt (wie Anm. 14) S. 33. In Gondreville urkundete Karl am 
24. November 869. Recueil (wie Anm. 89) Nr. 330 S. 228 ff. 
91 Schmid, Erschließung (wie Anm. 33) S. 79 ff. 
92 Regesta Alsatiae (wie Anm. 1) Nr. 583. Vgl. B. Schneidmüller, Meerssen, in: Lexikon des Mittelalters 
6. 1993 Sp. 466 und Büttner, Elsaß (wie Anm. 1 ) S. 135 f. 
93 Dazu Borgolte, Grafengewalt (wie Anm. 14) S. 33 f. Borgolte sieht in dieser Angabe noch nicht die 
Verfassungswirklichkeit gespiegelt. Er schreibt die Teilung des Elsaß in die Nordgau- und Sundgaugraf¬ 
schaft erst der Initiative König Arnulfs zu (S. 40). 
94 Büttner, Elsaß (wie Anm. 1) S. 136 f. 
61
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.