Title:
Lotharingia
Creator:
Herrmann, Hans-Walter
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-91559
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-93410
Sprache durch Romanen dienten, aus Fulda und Sens (südlich von Paris),14 oder wie in ganz 
wenigen - wenn ich richtig sehe - bisher auch in der Romanistik noch nicht systematisch 
gewürdigten romanischen Glossen, die sich zwischen althochdeutschen und altsächsischen 
Glossen zu Schultexten finden lassen,15 die aber nicht einmal in einem nennenswerten 
Prozentsatz an die etwa 1000 althochdeutsch glossierten Handschriften des 8. bis 11. Jahr¬ 
hunderts heranreichen.16 
II. 
Will man nun die oben formulierten grundsätzlichen Einsichten auf den lotharingischen 
nach 843 entstandenen Raum anwenden, so muß man sich zunächst die sprachliche Situa¬ 
tion des Sprachgrenzlandes Lotharingien vergegenwärtigen. Die spätere germanisch-roma¬ 
nische Sprachgrenze durchzog das 843 entstandene Mittelreich von der Nordsee bis zu den 
Alpen (vgl. Tafel 19).17 Doch hatten die Großen und die Könige, die das Reich teilten, kei- 
14 Zu den der Bibliotheksprovenienz nach aus Fulda, der Handschrift (9. Jh1. Viertel) nach jedoch aus 
Bayern stammenden, aber kopiale Überlieferung repräsentierenden 'Kasseler Glossen' vgl. Wendelin 
Foerster / Eduard Koschwitz, Altfranzösisches Übungsbuch. Leipzig 61921, S. 37-44; Elias von 
Steinmeyer / Eduard Sievers (Hgg.), Die althochdeutschen Glossen. Bd. 3. Dublin/Zürich 1969, 
S. 9-13; Werner Schröder, 'Glossae Casselanae'. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasser¬ 
lexikon. Bd. 3. 1981 Sp. 61-63; ferner: Herbert Penzl, 'Stulti sunt Romani'. In: Wirkendes Wort 35. 
1985 S. 240-248. Zu den der Handschrift nach aus Zentralfrankreich, wahrscheinlich aus der Region 
Sens (9. Jh. Ende oder Beginn 10. Jh.) stammenden 'Pariser (Altdeutschen) Gesprächen' vgl. zuletzt 
Haubrichs / Pfister (wie Anm. 3). 
15 Vgl. z.B. die Hinweise bei Rolf Bergmann, Mittelfränkische Glossen. Studien zu ihrer Ermittlung und 
sprachgeographischen Einordnung. Rheinisches Archiv 61. Bonn 1966, S. 280ff. (zu Cod. Paris B.N. lat. 
2685); Adolf Holtzmann, Die alten Glossare, ln: Germania 8. 1863, S. 385ff (zu Cod. Paris B.N. lat. 
2685). 
16 Rolf Bergmann, Verzeichnis der althochdeutschen und altsächsischen Giossenhandschriften. Mit 
Bibliographie der Glosseneditionen, der Handschriftenbeschreibungen und der Dialektbestimmungen. 
Arbeiten zur Frühmittelalterforschung 6. Berlin/New York 1973; Nachträge bibliographisch zu erfassen 
über: Rudolf Schützeichel, Addenda und Corrigenda (III) zum althochdeutschen Wortschatz. Göttin¬ 
gen 1 991 [Lit.]; Haubrichs (wie Anm. 2), S. 228ff. 447 (Lit.) [2. Aufl. S. 1 85ff. 374]. 
17 Zur Sprachgrenze und ihrem Werden vgl. von Norden nach Süden: Maurits Gysseling, La genèse de 
la frontière linguistique dans le Nord de la Gaule. In: Revue du Nord 44. 1962 S. 5-37; Ders., Aken - 
Vaals, Romaans taaleiland. In: Handlingen van de Zuidnederlandse Maatschappij voor Taal- en Letter¬ 
kunde en Geschiedenis 12. 1958 S. 107-109; L. van Durme, De vroege Germaans-Romaanse taal- 
grens in België en Noord-Frankrijk. In: Bulletin de la Commission Royale de Toponymie et Dialectolo¬ 
gie 57. 1983, S. 190-247; Franz Petri, Die fränkische Landnahme und die Entstehung der 
germanisch-romanischen Sprachgrenze in der interdisziplinären Diskussion. Darmstadt 1977; Hans 
Witte, Das deutsche Sprachgebiet Lothringens und seine Wandlungen von der Feststellung der 
Sprachgrenze bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts. Stuttgart 1894; Maurice Toussaint, La frontière 
linguistique en Moselle. Paris 1955; Wolfgang Haubrichs /Hans Ramge (Hgg.), Zwischen den Spra¬ 
chen. Siedlungs- und Flurnamen in germanisch-romanischen Grenzgebieten. Beiträge zur Sprache im 
Saarland 4. Saarbrücken 1983; Haubrichs, Warndtkorridor und Metzer Romanenring. Überlegungen 
zur siedlungsgeschichtlichen und sprachgeschichtlichen Bedeutung der Doppelnamen und des 
Namenwechsels in Lothringen. In: Rudolf Schützeichel (Hg.), Namenwechsel. Heidelberg 1986, 
S. 264-300; Monika Buchmü I ler-Pfaff, Namen im Grenzland. Methoden, Aspekte und Zielsetzung 
in der Erforschung der lothringisch-saarländischen Toponomastik. In: Francia 18,1. 1991 
S. 165-194; Wolfgang Kleiber / Max Pfister, Aspekte und Probleme der römisch-germanischen 
Kontinuität. Sprachkontinuität an Mosel, Mittel- und Oberrhein sowie im Schwarzwald. Stuttgart 1992; 
Paul Lévy, Histoire linguistique d'Alsace et de Lorraine. 2 Bde. Strasbourg 1929; Stefan 
Sonderegger, Die Ausbildung der deutsch-romanischen Sprachgrenze in der Schweiz im Mittelalter. 
184
        

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