Title:
NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel
Creator:
Muskalla, Dieter
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-237389
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-241498
Siebtes Kapitel 
Die NS-Politik unter dem Gesichtspunkt des 
EMIGRATIONSPROBLEMS, DER GARANTIEN UND DER AUFSICHT DURCH 
den Obersten Abstimmungsgerichtshof 
1. Sonderbereiche der saarländischen Emigration nach der Saarab¬ 
stimmung 
Die folgenden Ausführungen betreffen vornehmlich die Flüchtlinge aus dem Saar¬ 
gebiet; dabei ist grundsätzlich zwischen emigrierten Saarländern und aus dem 
Saargebiet weiter geflüchteten Reichsemigranten zu unterscheiden. Es muß jedoch 
festgehalten werden, daß in dem vorhandenen Aktenmaterial diese Unterscheidung 
nicht immer klar zum Ausdruck kommt und daß viele Maßnahmen und Ereignisse 
beide Gruppierungen betrafen bzw. erst nach dem Abstimmungstag für rein saar¬ 
ländische Emigranten stärker zum Tragen kamen. Um also die vorhandenen 
Quellen nicht von vornherein einzuengen, soll zwar grundsätzlich die Problematik 
für die letztgenannte Gruppe erörtert werden, jedoch auch Bereiche für Reichs¬ 
emigranten insoweit untersucht werden, als Auswirkungen auf die Emigration von 
Saareinwohnem festzustellen sind1. 
Die Unterdrückungsmaßnahmen des NS-Regimes hatten vor dem 13. Januar 1935 
dem Saargebiet eine Flut von Emigranten beschert, darunter vor allem Sozialisten, 
Kommunisten und Juden; damit wurde die Emigration zu einem Maßstab für eine 
Nicht-Konformität des einzelnen mit dem NS-Regime. Und so wie die Saar unter 
dem Schutz des Völkerbundes und der Reko zu einer Zufluchtsstätte bzw. Zwi¬ 
schenstation für die Weiterreise ins benachbarte Ausland geworden war, zeigten 
allmählich die Fluchtwellen von der Saar aus den wachsenden Zugriff des natio¬ 
nalsozialistischen Machtapparates auf diese letzte Bastion. Umgekehrt verdeutli¬ 
chen die Maßnahmen des Reiches in der zweiten Amtszeit des Obersten Abstim¬ 
mungsgerichtshofes aufgrund der Garantien die Beschränkungen im Gleichschal¬ 
tungsprozess der Saar und belegen Entscheidungen der Französischen Regierung 
im April 1936 die nun völlig anerkannte Hoheit des Reiches über die Saar2. Die 
1 Vgl. H.-W. Herrmann, Beiträge, S. 357-412 mit zahlreichen weiteren Quellenangaben. D. M. 
Schneider, Saarpolitik und Exil 1933-1955, S. 467-545. W. Röder, Quellen, in: Jahrb. f. Intern. 
Germanistik 7, 1976, H. 2, S. 142ff. Ders., "Vorbemerkungen" zu D. M. Schneider, Saarpolitik und 
Exil, S. 467-470. R. Schock, "Denk ich an Deutschland in der Nacht ...", S. 172-177. Kl.-M. Mall- 
mann u. G. Paul, Herrschaft und Alltag, S. 26-32. Zu den reichsdeutschen Emigranten im Saargebiet: 
K. Retzlaw, Spartakus, S. 378ff. P. Siegmann, Vor vierzig Jahren, S. 224-325. H.-W. Herrmann, Das 
Schicksal der Juden, S. 269. F. Jacoby, Herrschaftsübemahme, S. 181-184. 
2 
Siehe unten z.B. die Auflösung der Beratungsstelle in Forbach am 30.4.1936 auf Anordnung der fran¬ 
zösischen Behörden. 
411
        

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