Title:
Bildungspolitik im Saarland
Creator:
Küppers, Heinrich
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-183442
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-183680
A. 
Bedingungen und Voraussetzungen für bildungspolitisches 
Handeln im Saarland am Ende des Zweiten Weltkrieges 
1. Wirtschaftliche Strukturen 
Das Saarland zwischen dem Hunsrück im Norden und dem Westrich im Süden gelegen 
und mit 2 567 km2 1 Gebietsumfang nur geringfügig von der Größe Luxemburgs (2 586 
km1 2) abweichend, bildet geographisch gesehen keine Einheit. Die starke Differenziertheit 
der natürlichen Gegebenheiten2 spiegelt sich auch in der unterschiedlichen wirtschaftli¬ 
chen und sozialen Struktur dieses Raumes wider. Aus ökonomischer Sicht bildet ohne 
Zweifel das Kohlenrevier im Bereich der mittleren Saar, im Sulzbach-, Fischbach- und im 
unteren Köllerbachtal das Herz des Saarlandes. Hier entwickelte sich im Laufe des 19. 
und 20. Jahrhunderts eine Schwerindustrie, die im Jahre 19543 mit beachtlichen Produk¬ 
tionszahlen aufwarten konnte. Damals förderte der saarländische Bergbau rund 17 Mil¬ 
lionen t Steinkohle (zum Vergleich: Bundesrepublik Deutschland 128 Mill. t; Frankreich 
54,4 Mill. t; Großbritannien 227,4 Mill. t) und bereitete 3,7 Mill. t Koks auf (Bundesre¬ 
publik Deutschland 34,9; Frankreich 9,5; Großbritannien 30,6). Im gleichen Wirt¬ 
schaftsjahr konnte die Eisen- und Stahlindustrie des Saarlandes mit 2,5 Mill. t Roheisen 
(Bundesrepublik Deutschland 12,5; Frankreich 8,8; Großbritannien 12,1) und 2,8 Mill. 
t Rohstahl (Bundesrepublik Deutschland 17,4; Frankreich 10,6; Großbritannien 18,8) 
ihre Leistungsfähigkeit ebenfalls unter Beweis stellen4. Im Gegensatz zu diesen beeindruk- 
kenden Zahlen der Schwerindustrie, die noch durch die beachtlichen Produktionsziffern 
des Maschinenbaus, der chemischen und der keramischen Industrie zu ergänzen wären, 
nimmt sich die Leistungsfähigkeit der saarländischen Landwirtschaft bescheiden aus. 
Weniger günstige Klimaverhältnisse, karger Boden und hinderliche Betriebsstrukturen5 
sind die Ursachen dafür, daß die saarländische Agrarwirtschaft den Eigenbedarf des 
Landes auch in den fünziger Jahren nicht decken konnte. Etwa 66 % des Brotgetreides, 
40 % des Gemüses, 25 % der Milch und rund 75 % des benötigten Fleisches mußten da¬ 
mals als landwirtschaftliche Verbrauchsgüter eingeführt werden6. Zwischen der äußerst 
leistungsstarken Industrie und der wenig ertragreichen Landwirtschaft konnte, allerdings 
abnehmend von den stark urbanisierten Zonen des Südens zu den überwiegend agrarisch 
strukturierten Gebieten des Nordens (Hunsrückvorland) und den Schwemmlandböden 
des Bliestals und des Bliesgaus, der gewerbliche Mittelstand eine beachtliche soziale und 
1 Heutiger Gebietsstand, der seit dem 23. 4. 1949 gültig ist. 
2 Vgl. hierzu K. Matthias, insbesondere S. 33 — 66. 
1 Das Stichjahr 1954 wurde deswegen gewählt, weil seine Daten einen besseren Vergleich zulassen 
als irgendein Jahr des Zweiten Weltkrieges oder danach. 
4 Zahlenwerte nach Statistischem Handbuch (Saarland 1955), S. 118 ff. 
5 Im Jahre 1948 zählte man im Saarland rund 39 000 landwirtschaftliche Betriebe. Von diesen 
wiesen nur rund 7 000 eine Betriebsgröße von mehr als 5 ha aus. Die Struktur der saarländischen 
Landwirtschaft wird maßgeblich bestimmt durch den nebenberuflich tätigen Landwirt. 1948 
zählte man hierzu 28 073 Bauern. 
6 Statistisches Handbuch (Saarland 1955), S. 86 ff. 
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