Title:
Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt
Creator:
Herrmann, Hans-Walter
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-187100
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-187308
Edith Ennert 
Die Festungsstadt als Forschungsgegenstand — die Heraus¬ 
bildung der Festungs- und Garnisons Stadt als Stadttyp 
Unser Colloquium bestrebt sich, die Festungsstadt Saarlouis aus Anlaß ihres Jubi¬ 
läums als Beispiel eines besonderen frühneuzeitlichen Stadttyps in einen gesamteuro¬ 
päischen Zusammenhang einzuordnen. Die Voraussetzung, von der wir dabei aus¬ 
gehen, daß die frühneuzeitliche Festungsstadt etwas Neues ist, obwohl die mittelalter¬ 
lichen Städte gemeinhin ummauert, also auch Festungen waren, gilt es vorab zu klä¬ 
ren. 
Es geht dabei um einen Teilaspekt der Frage, ob und wie sich mittelalterliches und 
frühneuzeitliches Städtewesen voneinander unterscheiden; sie ist nicht leicht zu be¬ 
antworten1. Mittelalterliches und frühneuzeitliches Städtewesen gleiten ineinander 
über. Im Gegensatz zur Epochenscheide zwischen Antike und Frühmittelalter trennen 
keine Völkerwanderung, keine ethnischen Umgruppierungen größten Ausmaßes, kein 
Verfall zahlreicher Städte, ja der urbanen Lebensformen selbst, kein zivilisatorischer 
Niedergang diese Zeitalter. Die spätmittelalterlichen Städte sind zugleich Brennpunkte 
der die Neuzeit einleitenden geistigen Strömungen Renaissance, Humanismus, Refor¬ 
mation. Der Buchdruck ist eine stadtgeborene Erfindung. Die Städte legen sich die 
neuen Feuerwaffen, die Geschütze zu, — aber dennoch: die Präponderanz des moder¬ 
nen Staates ist unverkennbares Signum der frühen Neuzeit. Mit Berufsbeamtentum 
und stehendem Berufsheer ausgerüstet, beansprucht der Staat das Monopol der legi¬ 
timen Gewaltanwendung und absolute Souveränität; zentralistisch organisiert mit 
einer in einheitlichem Delegationszusammenhang stehenden Bürokratie reduziert er 
die städtischen Freiheiten und setzt sich in Politik und Wirtschaft immer ausschlie߬ 
licher durch. 
Auf unser Thema der frühneuzeitlichen Festungsstadt angewandt, heißt dies: sie ist 
nicht nur Ergebnis der neuen durch die Ausnutzung der treibenden Kraft des Schie߬ 
pulvers revolutionierten Kriegsweise, sondern wird ein Instrument dieses modernen 
Staates, seiner Politik und Kriegführung; sie unterscheidet sich nicht nur technisch 
sondern auch strukturell und funktional von der ummauerten mittelalterlichen Stadt. 
Um das genau herauszufinden, werden wir uns immer wieder folgende Fragen stellen 
müssen: Warum wurden Städte befestigt? Wurden nahezu alle Städte befestigt oder 
nur einige ausgewählte Städte? Wen sollen die Stadtmauern schützen? Welche Funk¬ 
tion haben die Festungen? Wer errichtet, unterhält und verteidigt sie? Welche Auswir¬ 
kung hat die Befestigung auf die Verhältnisse in der Stadt? Steht jede Festung für sich 
allein, oder ist sie Glied eines Festungssystems? 
Die Wandlung von der spätmittelalterlichen zur frühneuzeitlichen Stadt und die 
Ausbildung des modernen Staates vollziehen sich nicht abrupt. Es gibt Übergänge, 
innerhalb Europas Phasenverschiebungen und eine sehr unterschiedliche Intensität in 
der Modernität. Das Heilige römische Reich deutscher Nation wurde kein moderner 
‘Edith Ennen, Die Stadt zwischen Mittelalter und Neuzeit, in: Gesammelte Abhandlungen 
zum europäischen Städtewesen und zur rheinischen Geschichte, Bonn 1977, S. 198—209. 
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