Title:
Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt
Creator:
Herrmann, Hans-Walter
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-187100
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-188846
Istvän N. Kiss 
Die ökonomische und soziale Basis der Verteidigung gegen die 
Türken in Ungarn, 16—17, Jahrhundert. 
Historischer Hintergrund 
Unser Hauptthema — die Herausbildung der Festungs- und Garnisonsstadt, als 
Stadttyp — gibt ein gut bestimmtes und klares Ziel ab, dies scheint aber, ohne die 
ökonomisch-soziale Entwicklung des 16.—17. Jahrhunderts analysieren zu mögen, 
kaum durchführbar zu sein. Wie es gut bekannt ist, haben die schnelle und nötige 
Modernisierung der Festungsbautechnik nur der wissenschaftlich-technische Auf¬ 
schwung der Renaissance und die Entwicklung der Anwendung des Schießpulvers 
bzw. Feuerwaffen in Westeuropa erlaubt. Weiterhin soll der eigenartige Umstand 
betont werden, daß auch solche Staaten, die wirtschaftlich-technisch rückständig blie¬ 
ben, bestimmte kriegstechnische Errungenschaften, so z. B. die der Artillerie, anzueig¬ 
nen und anzuwenden im vollsten Maße fähig waren. Das war auch der Fall im Reich 
der Sultane, da die Türken trotz ihrer stark zurückgebliebenen wirtschaftlichen und 
gesellschaftlichen Struktur bei der Anwendung der Batterien und der Belagerungs¬ 
technik fast das gleiche Niveau, wie in Europa, aufweisen konnten, natürlich mit der 
Hilfe der gut bezahlten, vorwiegend italienischen Fachleute. Das türkische Heer er¬ 
wies sich, trotz der Verschiedenheit seiner Kriegskunst von dem europäischen, was die 
Artillerie und Belagerungstechnik anbelangt, bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts, 
als sehr wirkungsvoll. 
Der mittelalterliche ungarische Staat kämpfte schon seit dem 14. Jahrhundert 
(1365) gegen die nach Norden vordringenden Türken. Ludwig I., der Anjou-König 
von Ungarn, blockierte noch in der mittleren Linie des Balkans (Bulgarien) den osma- 
nischen Aufmarsch, Kaiser Sigismund (1387—1437) und Matthias Corvinus 
(1458—1490) wehrten die Angriffe der Sultane in den sogenannten „Bänsäg”-en ab. 
Die „Bänsäg”-en waren militärisch organisierte Provinzen, die eine leichte Ähnlichkeit 
mit den alten Markgrafschaften des karolingischen Reiches hatten. Die Burgkette der 
Verteidigung lief durch diese Provinzen in der Mitte mit dem Hauptstütztpunkt Bel¬ 
grad. Als Zeichen der inneren Erschütterung und Schwäche des Ungarischen König¬ 
reichs wurden diese Grenzfestungen in den ersten Dekaden des 16. Jahrhunderts, eine 
nach der anderen, von der türkischen Armee belagert und erobert. In der Schlacht bei 
Mohäcs (1526) ist Ungarn, als unabhängiger Staat, untergegangen. Die westlichen 
und nördlichen Gebiete kamen zusammen mit der ungarischen Krone an das Haus 
Habsburg, der zentrale Teil mit der Hauptstadt Buda wurde von den Türken besetzt 
und in das osmanische Imperium integriert, letzthin wurde aus den östlichen Gebieten 
das Fürstentum Siebenbürgen geschaffen. Es war offiziell unabhängig, stand aber 
unter türkischer Schutzmacht und leistete einen jährlichen Tribut. 
Ohne die kroatischen Komitate südlich der Drau (Drava) und das Fürstentum Sie¬ 
benbürgen im Osten, umfaßte das Königreich Ungarn ein 190 000 km2 großes Gebiet 
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