Full text: Landesherr und Landesverwaltung

schloß Pettersheim an einer Lungenentzündung starb224. Die Sicherung des 
bayerisch-pfälzischen Erbes war nicht gelungen; die beiden Kurfürsten, die der 
pfalz-zweibrückische Herzog beerben wollte, überlebten ihn. Christian hinter¬ 
ließ seinem Nachfolger eine schwierige politische Erbschaft und beträchtliche 
Schulden, denn kurz vor seinem Tod hatte er eine Anleihe von 700 000 livres in 
Genua aufgenommen225. 
III Die Regierung Karl II. Augusts (1775-1795) 
Da Christians Söhne aus der Ehe mit der Gräfin von Forbach nicht erbberechtigt 
waren226, wurde Karl II. August Nachfolger seines Onkels als Herzog von Pfalz- 
Zweibrücken. Christian IV. hatte sich bereits frühzeitig um die Erziehung 
seines Neffen und Nachfolgers gekümmert; dies wurde ihm bei dessen schwieri¬ 
ger Veranlagung nicht leicht gemacht227. Der markanteste Charakterzug von 
Karl August scheint ein abgründiges Mißtrauen gegen jedermann gewesen zu 
sein. Seine Persönlichkeit ist nur schwer faßbar: Neben Kleinlichkeit und 
Despotismus standen Gutmütigkeit und Großmut228. So ist es, wie Männlich 
schreibt, sehr schwierig, die Züge einer so beweglichen Physiognomie festzuhalten, 
und der Biograph, der Karl Augusts Lebensbild darstellen wird, kann es schön oder 
häßlich gestalten, je nach seiner Auffassung, ohne von der Wahrheit abzu¬ 
weichen229. 
1. Die führenden Beamten in den Kollegien 
Nach dem Regierungsantritt Karl II. Augusts kam es zu vielen personellen Ver¬ 
änderungen im Hofstaat230 und in den Kollegien, von denen auch die beiden 
Günstlinge Christians, Stahl und Wernher, betroffen waren231. Geheimrat Stahl 
erhielt in den ersten Regierungstagen Karls die Entlassung; Regierungsrat 
224 BayHStA München Fürstensachen, Nr. 1256, fol. 17-18. Siehe dazu auch v. böhm, Die 
letzten Lebensjahre und der Tod Christians IV., S. 423 f. 
225 Siehe dazu ebda., S. 244. 
226 Siehe dazu adalbert prinz von Bayern, Der Herzog und die Tänzerin, S. 98 ff. 
227 Siehe dazu v. männlich, Lebenserinnerungen, S. 381 f; Schmidt, Geschichte der Er¬ 
ziehung der Pfälzischen Wittelsbacher, S. 408 ff; V. böhm, Karl III. August, S. 902,- 
adalbert prinz von Bayern, Max I. Joseph, S. 22, 58. 
228 Zu Karl II. August siehe u.a. mittelberger, Hofenfels, S. 8,- baumann, Karl August II. 
von Pfalz-Zweibrücken; weber, Zur Charakteristik des Herzogs Karl II. August. Siehe 
auch das Urteil v. gagerns, Mein Antheil an der Politik, Bd. I, S. 15 f. 
229 v. männlich, Lebenserinnerungen, S. 340. 
230 Die bisher von Christian in der Hofhaltung beschäftigten Elsässer und Franzosen 
wurden größtenteils entlassen. Siehe dazu Fragmente zur Geschichte des pfaiz-zwei- 
brückischen Hauses. Nomenclatur der Franzosen, die am Hofe oder in der Gunst und 
Freundschaft Herzog Christians sich am meisten ausgezeichnet haben (GHA München 
KA 466 1/2, §57). 
231 Der französische Gesandte am Zweibrücker Hof, Sainte Foy, berichtete sehr ausführ¬ 
lich an den Außenminister Vergennes über die Ereignisse am Zweibrücker Hof von 
Ende Oktober 1775 bis Anfang März 1776 (AAE Paris Corr. Pol. Palatinat-Deuxponts, 
170
	        

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