Title:
Die Wüstungen des Saarlandes
Creator:
Staerk, Dieter
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-205131
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-205690
VII. Ursachen und Gründe 
I. Kriegstheorie 
Die Volkssage sucht zumeist den Untergang einer Siedlung mit einer mora¬ 
lischen Schuld der ehemaligen Bewohner zu begründen. Im Ostertal bei 
dem Dorf Saal hat nach dem Bericht von Johannes Hoffmann (1585—1588) 
ein Kloster (vermutlich ein Wirtschaftshof von Wörschweiler) bestanden, 
welches untergangen und in Abgrund versunken ist von wegen des gott¬ 
losen und seellosen Lebens, so sie im selben Closter geführt19°. Diese Erklä¬ 
rung der Sage ist ein Wandermotiv. Außerdem wird von der allgemeinen, 
volkstümlichen Auffassung und Überlieferung der Dreißigjährige Krieg 
als der große „Siedlungsverderber" angesehen. Gewiß haben diese schweren 
kriegerischen Auseinandersetzungen verheerende und katastrophale Folgen 
für unser Gebiet gehabt101. In dem Bericht von 1648 über die Beschaffenheit 
der Grafschaft Saarbrücken wurde zusammenfassend festgestellt: Aus diesem 
Verzeichnis erscheint, daß hiebevor die Anzahl der Einwohner der Graf¬ 
schaft Saarbrücken, ohne die Vogtei Herbitzheim, welche Lothringen in 
Händen, gewesen 1162 Untertanen (also Familien- oder Haushaltsvorstände) 
und sich jetzt nicht mehr nicht befunden dann 188, welche alle sich schwerlich 
ernähren, und das Brot mit der Hawes gewinnen müsse190 192. Zur Frühjahrs¬ 
saat kann in der gesamten Grafschaft nur mit 14 Pflügen geackert werden. 
Sehr wenige Kühe, Schweine und Ziegen gibt es noch. Schafe werden keine 
mehr gehalten. Im Amt Ottweiler sind fast alle Dörfer verbrannt. Die weni¬ 
gen übriggebliebenen Siedlungen sind verlassen und öde. Zwar beginnen 
an einigen Ortschaften vereinzelte Aufbauarbeiten, jedoch sind kaum 
siebzig Personen in diesem Amt zu finden. Ähnlich sieht es im Amt Hom¬ 
burg aus: Das Tal zu Hohenburg ist ganz abgebrannt193. Schon am 7. Dezem¬ 
190 StA Koblenz Abt. 24 Nr. 533, S. 347 f. 
191 H. Diehl, Versuch über den 30jährigen Krieg in unserer Heimat, in: Unsere 
Saar 1930/31, 5. Jg. Nr. 3, 4 und 6. — P. C. Heintz, Das Herzogtum Pfalz- 
Zweibrüdcen im Dreißigjährigen Kriege, Zweibrücken 1810, 2. Aufl. 1891. — 
A. Jacob, Eine Aufnahme des Amtes Schaumburg nach dem 30jährigen 
Kriege, in: ZG Saarg, 10/11, 1960/61, S. 91—98. — Ders., Der 30jährige Krieg 
und seine Folgen für den unteren Saargau, in: 3. Jahresber. d. V. f. Heimatkunde 
im Kr. Merzig 1934, S. 55—74. — Ders., Stadt und Herrschaft Berus unter der 
Geißel des 30jährigen Krieges, in: Trierische Heimat, 7. Jg. 1930/31, Nr. 4, 5, 
S. 52—54, Nr. 5, S. 67. — Ders., Wirtschaftliche Lage einiger Saargemeinden 
nach dem 30jährigen Kriege, Trierische Heimat, 5. Jg. 1928/29 Nr. 10, S. 149— 
151. — E. Knaps, Die Folgen des 30jährigen Krieges im kurtrierischen Amt 
Blieskastel, in: Unsere Saar, 5. Jg. 1930/31 Nr. 3, S. 47—50. — J. C. Lager, 
Eine statistische Aufnahme der volkswirtschaftlichen Zustände im Amt Saar¬ 
burg vor und nach dem 30jährigen Krieg, in: Trier. Archiv 11, 1907, S. 42 ff, 
192 HStA Wiesbaden Abt. 131 III b, Nr. 5 Fase. I, fol. 49. 
193 Ebda, fol. 53. 
56
        

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