Title:
Die Wüstungen des Saarlandes
Creator:
Staerk, Dieter
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-205131
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-205244
A. Einleitung 
Die Wüstungsforsdiung beschäftigt sich mit verschwundenen Städten, Dör¬ 
fern und Höfen, aber zugleich auch mit den dazugehörigen Wirtschafts¬ 
flächen (Fluren). Lange Zeit beschränkte man sich auf die Behandlung von 
totalen Ortswüstungen. Die Forschung der letzten Jahre hat nun auch par¬ 
tielle und temporäre Vorgänge und Erscheinungen in die Betrachtung ein¬ 
bezogen. Die Volksüberlieferung sah die Ursache des Siedlungsunterganges 
im Dreißigjährigen Krieg oder Bauernkrieg, überhaupt im Kriegs- und 
Fehdewesen. Doch auf Grund archäologischer und schriftlicher Quellen läßt 
sich eindeutig nachweisen, daß es sich um länger währende negative Sied¬ 
lungsperioden handelte, und daß der Siedlungsrückgang vor 1500 (bzw. 
1450) seinen Höhepunkt längst überschritten hatte. 
Diese Arbeit behandelt die Ortswüstungen des Saarlandes (Gruppen- und 
selbständige Einzelsiedlungen) von der Zeit der Landnahme bis etwa zum 
Beginn des 19. Jahrhunderts. Zuerst stellte die Anlage eines Siedlungs¬ 
namens- bzw. Wüstungsverzeichnisses eine wichtige Aufgabe dar. Dabei 
mußte im Einzelfall untersucht werden, ob die Wüstung als sicher, unsicher 
oder unwahrscheinlich zu gelten hat. So war es auch erforderlich, einige 
Namen aus dem saarländischen Wüstungskatalog zu streichen, da es sich 
hierbei um „Scheinwüstungen" oder falsche Interpretationen in früheren 
Verzeichnissen handelte. Die kritische Durchsicht schriftlicher Quellen und 
die Berücksichtigung der vielfältigen Traditionen und Relikte bildeten eine 
sichere Grundlage. Da bisher eine Wüstungskarte fehlte, galt es zunächst, 
die einzelnen verlassenen Wohnstätten zu lokalisieren und zu kartieren. 
Die Belege wurden Urkunden, historischen Karten, Bannbeschreibungen, 
Weistümern, Bannbüchern, Gemeindeatlanten, dem Urkataster, archäolo¬ 
gischen Fundberichten, Sagen- und Volksüberlieferungen entnommen. Die¬ 
ses Material gestattete vielfach auch eine Antwort auf die Frage, ob ein 
eigener Bann bekannt war und was in der Folgezeit damit geschah. Nach¬ 
dem die genaue Lage der ehemaligen Siedlungen ermittelt worden war, 
konnte nun eine Analyse der Siedlungsverbreitung und -dichte im saar¬ 
ländischen Raum in historischer Zeit angestrebt werden. Diese quantitative 
Kennzeichnung lenkte sodann den Blick auf ein Hauptanliegen der 
Wüstungsforschung: die Aufhellung des Siedlungsganges. Die Zeiten der 
Gründung, des Bestehens, des Wüstfallens und einer möglichen Neubesied¬ 
lung geben Aufschluß für die Bevölkerungsentwicklung allgemein. Dies ist 
aber nur der Fall, wenn der Vorgang auch unter Berücksichtigung partieller 
und temporärer Erscheinungen betrachtet wird. 
Nach Klärung der zeitlichen Stellung und Schichtung stellte sich die proble¬ 
matische Frage nach den Gründen und Ursachen des Wüstfallens, die un¬ 
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