Title:
Interkommunale Zusammenarbeit im Saar-Lor-Lux-Raum
Creator:
Schulz, Christian
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-34832
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-36268
141 
11 Zusammenfassungen 
11.1 Zus ammenfassung 
Der Saar-Lor-Lux-Raum ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl grenzüberschreitender Kooperati¬ 
onsformen. Die Partnerschaft verschiedenster Institutionen, wie Parlamente, Regierungen, Kammern 
und Verbände, sowie die Zusammenarbeit von regionalen Gebietskörperschaften haben auch unter¬ 
schiedliche Zuschnitte dieses künstlichen Raumgebildes hervorgebracht. Die herrschende Verwirrung 
bezüglich seiner uneinheitlichen Abgrenzung sowie seine Größe führen seitens der betroffenen Bevölke¬ 
rung zu Problemen, diese „Regionalisierung“ als notwendige Entwicklung wahrzunehmen bzw. sich mit 
diesem Raum zu identifizieren. Gleichzeitig haben sich auf der lokalen Ebene mehrere Untereinheiten 
von Saar-Lor-Lux etabliert, in denen kommunale Gebietskörperschaften bemüht sind, ihre grenzüber¬ 
schreitenden Kontakte zu verbessern und zunehmend zu institutionalisieren. 
Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach5 welchen Beitrag zum europäischen Integrationsprozeß 
diese Formen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Vergleich zu übergeordneten Ebenen zu 
leisten im Stande sind. Dabei wird das in der europäischen Raumordnungsdiskussion zunehmend an 
Bedeutung gewinnende Leitbild der Städtenetze zugrundegelegt, dessen grenzüberschreitende Anwend¬ 
barkeit anhand dreier konkreter Fallbeispiele diskutiert wird. Mit der Agglomération Transfrontalière 
du Pôle Européen de Développement Longwy-Rodange-Athus (PED), dem Europäischen Tal der 
Obermosel sowie dem Saar-Rosselle-Raum wurden drei Gebiete des Saar-Lor-Lux-Raumes gewählt, in 
denen die interkommunale grenzüberschreitende Zusammenarbeit eine relativ starke Institutionalisierung 
erfahren hat. Die Kooperation in diesen Räumen ist in den letzten Jahren in einen sehr dynamischen 
Entwicklungsprozeß getreten, der maßgeblich durch die Gemeinschaftsinitiative INTERREG II sowie 
durch Verbesserungen im nationalen und internationalen Recht begünstigt wurde. 
Eine deskriptive Analyse der Aktivitäten in den drei Teilräumen ist Grundlage einer weitergehenden 
Untersuchung der Vorteile und Hemmnisse der Kooperation. Letztere wurden insbesondere im Rahmen 
einer Befragung lokaler Akteure im Grenzraum ermittelt. Dabei ergeben sich sehr unterschiedliche 
Rahmenbedingungen für die grenzüberschreitende Kooperation, die sehr stark von deren bisheriger Insti¬ 
tutionalisierung abhängen. Entscheidend wirkt hierbei auch die hauptamtliche Unterstützung der politi¬ 
schen Aktivitäten, wie sie im Falle des PED durch das Observatoire de l'Urbanisme in Longwy, im 
Falle des Saar-Rosselle-Raumes durch das Kooperationsbüro beim Stadtverband Saarbrücken gewähr¬ 
leistet scheint. Hier zeichnen sich Strukturen ab, die einen dauerhaften Bestand der Kooperation erwar 
ten lassen und trotz des möglichen Wechsels politischer Akteure eine gewisse Kontinuität versprechen. 
Diese Entwicklung geht einher mit der zunehmenden thematischen Diversifizierung der Kooperationsbe¬ 
reiche. Zunehmend werden auch „harte“ Themen, wie Fragen der Siedlungsentwicklung, des technischen 
Umweltschutzes oder des gemeinsamen Betriebs von Einrichtungen, zum Gegenstand grenzüberschrei¬ 
tend-interkommunaler Vorhaben. Trotz aller strukturellen, juristischen und administrativen Hindernisse 
profitieren die beteiligten Stellen im grenznahen Raum dabei oftmals von der Existenz gemeinsamer 
(Umgangs-)Sprachen und kultureller Gemeinsamkeiten. Zudem zeichnet sich eine relativ große Akzep¬ 
tanz der grenzüberschreitenden Bemühungen durch die lokale Bevölkerung ab, da sich die Ergebnisse in 
der Regel auch positiv in ihrer eigenen Lebenswelt niederschlagen (z.B. Verbesserung des grenzüber¬ 
schreitenden Personennahverkehrs). 
Formen und Inhalte der lokalen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zeigen vielfach typische 
Charakteristika der Städtevemetzung: ihre Freiwilligkeit, die Komplementarität der Partner sowie die 
Schaffung unkonventioneller, aus den nationalen Verwaltungshierarchien ausscherender Instititutionen 
spiegeln deren grundlegende Motivation wider, durch die Nutzung von Synergieeffekten eine stärkere 
Stellung im regionalen, nationalen oder gar internationalen Raumgefüge zu erlangen. Dabei wird im 
vorliegenden Falle gleichzeitig ein wertvoller Beitrag zur Überwindung der EU-Binnengrenzen geleistet, 
der die derart zusammenwachsenden Räume zu Kernzonen des europäischen Integrationsprozesses 
macht. Sie sind Beispiel für eine „bottom-up“-EntWicklung, die die innere Kohäsion Europas tragfähi¬ 
ger macht und das gegenseitige Verständnis der Bevölkerung in den Grenzräumen verbessern hilft.
        

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