Title:
Interkommunale Zusammenarbeit im Saar-Lor-Lux-Raum
Creator:
Schulz, Christian
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-34832
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-36112
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sehr viel eher für eine partnerschaftliche grenzüberschreitende Bearbeitung als politisch proble¬ 
matischere Bereiche. Die Verhandlungen über eine gemeinsame Erschließung und Vermarktung von 
Gewerbeflächen (Stichwort: Aufteilung der Gewerbesteuern) oder das Übereinkommen in Fragen des 
Umweltschutzes gestalten sich naturgemäß schwieriger als beispielsweise die Entwicklung einer von 
mehreren Gemeinden getragenen Marketingstrategie zur Belebung des Fremdenverkehrs oder die ge¬ 
meinsame Ausrichtung kultureller Veranstaltungen. Prinzipiell spiegelt sich hier dieselbe Problematik 
wider, die auch aus der interkommunalen Kooperation im nationalen Rahmen hinlänglich bekannt ist 
(vgl. BOURJOL 1993; MABILEAU 1996). 
Die Gewichtung der in den Fallbeispielen Vorgefundenen Kooperationsbereiche berücksichtigt primär 
Kriterien wie das politische Konfliktpotential des jeweiligen Sektors, die Verbindlichkeit, die sachliche 
wie zeitliche Reichweite der Kooperation sowie die finanzielle Dimension der Projekte. Zur qualitativen 
Klassifizierung soll im weiteren eine dreistufige Einteilung Verwendung finden, die mit den Attributen 
weich, mittelhart und hart arbeitet. 
Eher weiche Formen der Kooperation stellen demnach, wie schon erwähnt, die Bereiche Tourismus 
sowie Kultur, Bildung und Sport dar. In der Regel schwieriger gestaltet sich die Abstimmung in den 
Bereichen Ver- und Entsorgung, Verkehrsinfrastruktur und ÖPNV, was primär auf die meist hohe Fi¬ 
nanzwirksamkeit der Maßnahmen (z.B. Bau einer Kläranlage oder einer Brücke) in diesem Bereich 
zurückzuführen ist. Sie werden hier als mittelhart bezeichnet, da sie normalerweise nicht das Konflikt¬ 
potential und damit nicht den politischen Abstimmungsbedarf implizieren, wie die harten Formen der 
Kooperation, so beispielsweise die Erschließung von Gewerbeflächen, die gemeinsame Siedlungsent¬ 
wicklungsplanung oder verschiedene Maßnahmen im Bereich des grenzüberschreitenden Umweltschut¬ 
zes (s. Tab. 9). 
Tab. 9: Qualitative Klassifizierung der Kooperationsbereiche 
Form der Kooperation 
Themen 
weich 
• Tourismus 
• Kultur, Bildung, Sport 
mittelhart 
• Ver- und Entsorgung 
• Verkehrsinffastruktur/ÖPNV 
hart 
• Gewerbeflächen/Wirtschaftsförderung 
• Siedlungsentwicklung 
• Umwelt- u. Naturschutz 
Die vorgestellte Klassifizierung muß sich den Vorwurf gefallen lassen, sehr pauschalisierend vorzu¬ 
gehen und damit in Einzelfällen arbiträr bzw. nicht immer nachvollziehbar zu wirken. Sie darf deshalb 
auch nicht als definitive, sondern muß als tendenzielle Bewertung verstanden werden, deren Kategorien 
offen bleiben und Ausnahmen zulassen. So kann etwa der hier als weich eingestufte Bildungssektor in 
vielen Fällen sehr wohl auch zu den harten, weil sehr umstrittenen Kooperationsbereichen zählen. Erin¬ 
nert sei in diesem Zusammenhang an die französischen zentralistischen Souveränitätsinteressen im Zu¬ 
sammenhang mit der Lehrplangestaltung und hier insbesondere Fragen des (Fremd-)Sprachen¬ 
unterrichts. Die sogenannte Voie spécifique mosellane, die im Departement Moselle angesichts seiner 
Grenzlage und seiner in Teilen germanophonen Sprachtradition die Möglichkeit eröffnet, in Kindergär¬ 
ten und Grundschulen das Erlernen der deutschen Sprache besonders zu fördern, hat eine lange politi¬ 
sche Vorgeschichte (s. PRÉFECTURE DE LA RÉGION LORRAINE 1994:36ff.). Demgegenüber kann durch¬ 
aus der Fall eintreten, daß sich Projekte im Bereich des Umweltschutzes, beispielsweise die Ausweisung 
eines grenzüberschreitenden Naturschutzgebietes in einem dünnbesiedelten Raum, aus einem gemeinsa¬ 
men Interesse resultieren und als politisch und finanziell unproblematisch herausstellen, weshalb sie sich
        

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