Title:
Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken
Creator:
Dasbach, Georg Friedrich
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-7200
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-8053
halten habe, erlogen seien, sagte ich ihr: „Du brauchst dich nun gar 
nicht zu fürchten; sage mir es noch einmal, baß wirklich Alles erlogen 
war." — Sie wiederholte nun, daß Alles unwahr und erlogen sei. Ich 
fugte ihr: „Nun hast Du endlich einuial die Wahrheit gesagt; warum 
hast Du das nicht eher gethan?" Sie begann nun eine Erörterung, die 
mir sehr interessant war, sie sagte: „Wahr ist, daß ich am 3. Juli et¬ 
was gesehen habe, ich sah einen weißen Schein und dieser hatte die Ge- 
sialt einer sitzenden Frau; nun war ich betroffen und lief mit den an¬ 
deren Kindern nach Hau? und erzählte diese Erscheinung; am zweiten 
Tage kam ich gegen 5 Uhr in den Wald, sah aber Nichts; gegen 7 und 
8 Uhr sah ich einen weißen Schein, etwas größer, wie Tags vorher, 
— ich fragte das Kind, wie groß er gewesen sei; sie sagte, so groß wie 
der Stuhl, woraus Sie sitzen." — I ch : „War es eine menschliche Gestalt?:" 
— Sie: „Nein." — Ich: „Sprach etwas aus dem Schein?' — Sie: 
„Nein," ich stellte aber Fragen an den Schein und hörte auch Etwas." 
— Ich: „Aber wie konntest Du erwarten, daß der Schein, der keine 
menschliche Gestalt hatte, Dir Antwort geben würde?" — Sie: „Ich 
glaubte, wenn ich fragte, würde sich die Gestalt zeigen wie vorher." 
Zeuge sagt ferner, sie habe ihm schließlich auch zugegeben, sie habe ge¬ 
glaubt, es müsse so sein, und dann gab sie auch zu, sie habe gefragt, 
damit die Leute es hören sollten. Auf die Frage, „Wüschen 
wer binnt Ihr?,, habe sie - die Antwort gehört: „Unbe¬ 
fleckt!" Auf die Frage „was ist euer Begehr?" habe der Schein ge¬ 
antwortet : „Beten und fromm"; auf die Frage: „Sollen wir eine Ka¬ 
pelle bauen?" sei geantwortet worden: „Ja"; sie habe weiter gefragt: 
„aus welcher Quelle getrunken werden solle," — habe sie die Silbe 
„owe"! vernommen, woraus sie geschlossen habe, daß das die obere 
Quelle sein solle. Am dritten Tage habe sie nur einen Schein gesehen. 
Am dritten Tage sei ein Kranker gekommen und habe seine Hand auf 
den Fuß der Erscheinung gelegt. Auf wiederholte Frage des Zeugen 
habe Kunz eingestanden, „der Fuß sei nicht dagewesen; sie habe dies 
nur gethan, weil sie glaubte, es solle und müsse so sein." Zeuge fahrt 
fort: „Ich habe sie noch später 7 oder 8mal und im Institut 2mal 
getroffen, aber niemals mit ihr gesprochen." Sie gab auch noch zu, 
Ne habe Rosenkränze von den Leuten abgenommen, eine Weile in der 
Tasche gehalten und sie nachher zurückgegeben und gesagt, sie hätte sie 
an die Muttergottes angerührt. Ich fragte sie noch, warum sie mich
        

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