Title:
Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken
Creator:
Dasbach, Georg Friedrich
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-7200
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-8034
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das wahr ist, so kann sie mein Kind rti.fit sein; aber es kann nicht so 
sein!"" Nachdem es mir (dem Zeugen) gelungen, sie zu beruhigen, sagte 
ich, sie solle es aus d e m M u n d e i h r e s K i n d e s s e l b st vernehmen. 
Ich rief das Kind und bat es, der Mutter zu erzählen, was es mir er¬ 
zählt habe. Da barg es sich an dem Kleide der Mutter und wollte kein 
Wort sprechen. Ich fragte sie dann über die einzelnen Punkte, welche 
sie mir Tags vorher eingestanden hatte, aus. Auf jede meiner Fragen 
nickte sie ganz deutlich, wurde aber dabei von der Mutter in heftiger 
Weise von Schmerzensausrufen und Lamentationen unterbrochen. Die 
Mutter war kaum fähig, zu sprechen. Ich habe niemals einen solchen 
Ausdruck des Schmerzes gesehen. Dann sagte sie zuin Kinde: „„Ich 
will jetztnichtsmehr von Dir wissen; wenn Du mich und 
alle Welt so belo gen hast, bist Du mir freind!" Nach einigen 
Sekunden habe sie sich noch einmal an ihre Tochter gewandt und ge¬ 
fragt : „Ist daswirklich wahr, wasDu de m Doktor gesagt 
hast?" Und dieses kleine Mädchen hat darauf gesagt 
„Nein, es ist nicht wahr!" D.-rZeuge schildert, wie er durch diese 
Wendung ganz deprimirt worden sei; die Mutter habe jede seiner Fragen 
wiederholt unb das Kind habe jede mit „Nein!" beantwortet. 
Er habe seinem Unw.llen Luft machen wollen, aber weiter nichts gesagt, 
als: „Ich sehe jetzt, daß man Dir (der M. Kunz) nichts mehr glauben kann. 
Darauf sei er mit Mutier und Tochter in den Wald gegangen, um die 
Oertlichkeit zu besehen. Ohne die geringste Scheu zu verrathen, habe 
die kleine Kunz das alte Lied von Neuem erzählt. Er habe es ohne 
Einwaitd angehört und dann zu dem Kinde gesagt: „So, jetzt muß ich 
mit dir nach dem Eulenwalde gehen, wo das Mädchen war." Da habe 
ihm das Kind „mit einer Art impertinenten Aplomb" geantwortet: 
„„Da brauchen Sie auch noch hinzugehen, das war ja 
Alles gelogen!"" Er sei nun mit dem Kinde nach Saarbrücken zu¬ 
rückgekehrt. Auf der Station in Reden habe er noch einmal die Glaub¬ 
würdigkeit des Kindes prüfen wollen und deßhalb zu dem Mädchen ge¬ 
sagt: „Es ist ja möglich, daß du etwas gesehen hast; wenn dir die Mut¬ 
ter Gottes nochmals erscheint, bitte ich dich, folgende drei Fragen an 
sie zu richten: 1. Ob die Miltter Gottes den Fragenden kenn!; 2. Ob 
die Mutter Gottes ein Faktum aus meinem Leben, welches ich allein 
kennen kann, dir sagen wolle; und 3. Wie ich mich weiterhin in dieser 
Untersuchung verhalten, und was ich thun soll?
        

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