Title:
Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken
Creator:
Dasbach, Georg Friedrich
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-7200
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-7862
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Zeuain: „Ja, die Leist und die Hubertus haben mir dies gesagt, 
und ich fragte: „„Was habt Ihr zum Herrn Pastor gesagt?"" Sie 
antworteten, sie hätten ihm gesagt, daß sie Etwas gesehen hatten. Da¬ 
raus sagte ich, sie hätten doch dem Herrn Pastor die Wahrheit sagen 
sollen, und sie antworteten: „„Ja, wenn wir jetzt nach Hause kommen, 
so wollen wir es ihm sagen."" 
Präs.: „Zeugin, JhreAussage ist von der allergrößten 
Bedeutung!" 
Zeugin: „Es ist so wahr." 
Präs.: Es ergbee sich aus der Natur der Dinge, daß man zur 
Vorsteherin eines Institutes nur eine geeignete Persönlichkeit wähle. 
Er konstatirt dann aus dem Leumundszeugnis; der Frau Riemer, daß 
di: vollste Garantie für ihre Glaubwürdigkeit vorhanden sei.) — „Ist es 
nun so wahr, wie Sie sagten?" 
Zeugin: „Es ist so wahr, die Kinder haben das wiederholt zu 
mir gesagt, und als sie fortgingen, ermahnte ich sie: „„Kinder, saget 
dem Herrn Pastor doch die Wahrheit."" Und sie sagten: „„Ja."" 
Präs.: „Wir gehen weiter; wir haben von dem Untersuchungs¬ 
richter gehört, daß die Kinder später Andeutungen gemacht, sie seien zu 
ihren Lügen veranlaßt worden durch ein 12jühriges Mädchen aus dem 
Eulenwalde, das im Unterdorfe diene. Das veranlaßte den Untersuch¬ 
ungsrichter, den Referendar Dr. Strauß nach Marpingen zu senden, 
um diesen Punkt zu untersuchen; er hat seine Reise am 29. November 
1876 angetreten. Dr. Strauß hat das Kind abgeholt und brachte es 
den andern Abend wieder zurück. Was fiel vor?" 
Zeugin: „Dr. Straus; erzahl'e mil: als er der Mutter mitge¬ 
theilt, das Kind habe widerrufen, habe diese gesagt: „Wenn Dli das 
gesagt hast, dann bist Du me n Kind nicht mehr, dann brauchst Du mir 
nie mehr vor bte Augen zu kommen." Darauf habe das Mädchen seiner 
Mutter erwidert: „Ich habe es nur widerrufen, damit ich fort¬ 
kommen köilne." (Am Tische der Vertheidigung füllt die Bemerkung: 
„Heimweh!") — Das Mädchen unterhielt sich gleich nach der Rückkehr 
mit den beiden anderen, und als ich sie nachher fragte, was sie ihnen 
gesagt habe, erwiderten sie, Kunz habe ihnen gesagt, sie sollten wieder 
so sagen wie früher, sie thäte es auch. — Darauf sagte ich zur Gretchen': 
„„Du bist doch ein schlechtes Mädchen, ivie kannst Du so lügen?"" 
Darauf habe ich sie zur Thüre hinausgewiesen."
        

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