Title:
Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken
Creator:
Dasbach, Georg Friedrich
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-7200
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-7812
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falls der Sache erinnern müsse. Ferner glaubt der Herr Pr äs., 
Widersprüche zu entdecken in den Antworten der Eheleute auf die Frage, 
ob sie Geh-Versuche mit dem Kinde gemacht hätten. Der Mann 
sagt, sie seien gemacht worden, aber das Kind habe nicht gehen können; 
die Frau sagt: „Ich wollte den Versuch machen, aber das Kind wollte 
es nicht zulassen, wegen der Schmerzen, welche ihm durch diese Versuche 
verursacht wurden." Auch der Zeuge Gatzen behauptet, diese beiden 
Aussagen seien ihm bei früherer Vernehmung der Eheleute als sich 
widersprechend erschienen. 
Derselbe Zeuge findet es auch sehr verdächtig, das; die Eheleute ihm 
nichts davon gesagt, das; das Kind einen Buckel bekommn; und erst der 
Arzt denselben crniittelt habe. 
Der Vater Dörr sagt, an der Quelle hätten sie 2V- Sgr hin¬ 
gelegt; die Mutter sagt, sie habe einige Pfennige hingelegt. 
Der Präs. kündigt an, er werde einen Zeugen vorführen, rvelcher 
aussage, daß sie einen Thaler hingelegt hätten. 
Betreffs des Hauptpunktes sagen die Eltern ganz übereinstim¬ 
mend : „Wir haben das Kind na h Marpingen getragei;; nachdem es 
aber auf der Gnadenstelle gewesen war, hat das Kind sich ganz allein hin¬ 
gestellt, die Arme ausgestreckt und gerufen: „Hurrah, die Mutter 
Gottes hat in ich gesund gemacht!" Die Eltern geben zu, daß 
das Kind heute eine andere Krankheit — wie es scheint, die Masern — hat. 
Als Sachverständiger wird vernommen Dr. Ab rahm, genannt 
Adolf Bähr, prakt. Arzt in Tholey. Er erklärt: Ich fand, daß die 
Beine abgemagert waren; der Höcker, den ich entdeckte, ist durch Ver¬ 
krümmung der Wirbelsäule entstanden; in den meisten Fällen solcher 
Krankheit können die Kinder, mit den Händen auf die Kniee gestützt, 
gehen. Die Beine wären stark genug gewesen, um das Kind zu tragen; 
denn die Tragfähigkeit der W-rbelsäule ist nur vermindert, nicht aber 
aufgehoben. Ter Sachverständige erklärt dann wörtlich: „Wahr¬ 
scheinlich hätte das Kind gehen können, wenn je Versuche mit ihm 
angestellt worden wären; daß das Kind in Mp. gehen konnte, kam 
daher, weil dort der erste Versuch mit ihm gemacht wor¬ 
den i st; in Folge der geistigen Aufregung des Kindes sind dieBeine 
so gestärkt worden, daß sie es tragen konnten." 
Verth. Simons: „Das Kind hat gerade vom März bis Oktober 
1875 nicht immer im Bette gelegen, wohl aber beständig vom Oktober 
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