Title:
Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken
Creator:
Dasbach, Georg Friedrich
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-7200
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-8254
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Prä s.: „Als Euer Kind krank war, da sind sie gekommen. Ihr 
habt früher gesagt, am 11. sei dies gewesen. Haben sie Euch etwas von 
'Eurem Kinde gesagt?" 
Zeugin: „Nein." 
Es irird nun aus den Broschüren von D i ck e (5. 54) und Thöines 
-verlesen, die Kinder heilten am 11. Sept. ein Vorgesicht gehabt, in welchem 
ihnen ein Engel mitgetheilt habe, Jakob Schnur lein Sohn der Zeugnis 
werde sterben. 
Präs.: „Die Geschichten, welche Ihr gehört habt, wurden Euch 
schon früher mitgetheilt; hat jemals sich Jemand bei Ihnen darüber 
-erkundigt?" 
Zeugin weih von Nichts. 
Der Präsident verliest die Aussage der Zeugin, welche sie in 
der Voruntersuchung a>n 2. Febr. 1878 gemacht hat. Die Angabe der 
Tage stimmen mit ihren heutigen Aussagen überein; ferner ist darin ge¬ 
sagt, dast die Frau diese Erzählung über ihr Kind zum ersten Mal ver¬ 
nehme, die 3 Kinder hätten ihr nichts davon mitgetheilt Am letzten 
Tage habe sie Herrn Pastor Neur. gebeten, zu ihr zü kommen; derselbe 
sei aber nicht gekommen. — Präs, fragt die Zeugin nochmals, ob sie 
auch die Wahrheit gesagt. — Zeugin: „Ja." 
Präs, zu Kaplan Dicke: In seinein Berichte stehe, daß das Kind 
am 11. noch ganz gesund gewesen; nun sei aber durch die Zeugin kon- 
statirt, daß das Kind am 9. schon krank war. Wunderbar wäre es ge¬ 
wesen, wenn von dem gesunden Kinde gesagt worden sei, daß es 
sterben würde; wenn aber ein einjähriges Kind krank sei, so liege 
die Vermuthung nahe, daß es rvohl sterben werde; dann sei es nicht 
schwer, zu prophezeien; er sei also im Gewissen verpflichtet gewesen, zu 
untersuchen, ob die Kinder bei dem Kinde waren, als es krank mar. 
Kaplan Dicke: „So lange ich Zweifel habe, forsche ich nach; so¬ 
bald ich aber die U e b e r z,e u g u it g b e r Gewißheit erlangt, 
forsche ich nicht mehr; die Thatsachen habe ich in der .Germania' gefun¬ 
den und' h be sie in gutem Glauben mitgetheilt." 
Präs.: „Aber Sie haben richt bei der Frau Erkundigungen ein- 
-gezogen!" 
Dicke: „Ich habe das Schriftchen von Cramer benutzt, Cramer 
hat b-i Neur. gewohnt und sagt, er habe die Sache als Augen- und 
O h r e n z e u g e vernommen."
        

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