Title:
Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich
Creator:
Horstmann, Philipp Bernhard
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-2855
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-3440
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aufgetragen war, als Menschenfreund alle diejenigen cassirte, welche 
etwas gefährliches für die Schreiber enthielten, statt solche zur Be¬ 
hörde einzuschicken. Neuerlich wurde dieses Geschäft einem andern 
übertragen, welcher solches zweckmäßiger betrieb, und ein armer 
Geistlicher aus unserm Lande, Pfarrer Rebenack von Carlsbrunn, 
empfand die Wirkung davon auf eine schreckliche Art. 
Dieser hatte einen Erbschastsprozeß jenseit Rheins in Runkel 
und schrieb deswegen an seinen Sachwalter in Limburg, welchem 
er einen Stammbaum überschickte, sich auch dabei auf eine freilich 
ziemlich unbesonnene Weise über jene von den sechszehen Wurm- 
serischen Husaren in Homburg angestellte Hasenjagd lustig machte. 
Vermuthlich machte der Name der Stadt Limburg, welche als ein 
repaire des emigres bei den Republikanern in gar ungeneigtem 
Andenken sieht, den Brief-Inquisitor aufmerksam, er öffnete den 
Brief, fand einen Plan von dem Lager, welches die Franzosen 
seit einiger Zeit bei Forbach bezogen haben, ahnete Verrätherei 
und schickte in aller Eile den Brief, den er nicht lesen konnte, 
samt dem Corpas delicti ins Hauptquartier nach Forbach. Schnell 
wurde da die Grensd’armerie nationale aufgeboten den verrüthe- 
rischen Pfarrer noch in der Nacht abzuholen, dies geschah, und er 
wurde in ein Gefängnis geworfen. Bei dem von der Municipa¬ 
lität lmd einigen militärischen Beisitzern veranstalteten Verhör de- 
monstrirte der unglückliche Gefangene zwar, daß die Einlage seines 
Briefes kein Plan des Forbacher Lagers sondern ein Stammbaum 
sei, daß die krummen Linien, die Zirkel, die Dreiecke keine halben 
Monde, Horn und Spitzwerke und Kanonen bedeuteten, sondern 
seine lieben Onkels, Tauten und Vettern, und daß das doppelte 
Kreuz nicht die Forbacher Cappelle, sondern den seligen Erblasser, 
weiland Sr. Wohlehrwürdeu Hrn Pfarrer Stangasser in Schup¬ 
pach vorstelle, daß endlich, was für eine Bemerkung der Vorposten 
des Lagers angesehen werden wolle, er selbst mit seinen lieben 
Brüdern und Schwestern sei. Da die Inquisitoren zum Glück 
was ich lieber will, ein Beweis, wie sehr jetzt in Frankreich Schandthaten selbst 
dem ehrlichen Mann durch die allgewaltige Furcht vor der Guillotine abge¬ 
drungen werden. 
Anmerk, des Vers.
        

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