Title:
Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich
Creator:
Horstmann, Philipp Bernhard
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-2855
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-5476
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aus welchen Classen von Menschen gegenwärtig die französischen 
Armeen zusammengesetzt sind. Leute aus allen möglichen Ständen, 
Gerichtspersonen, Sachwalter, Notarien, Kaufleute, Fabrikanten, 
Banquiers u. s. w., bei welchen man Erziehung unb mildere Sitten, 
als der Soldatenstand sonst erzeugt, voraussetzen darf. Hierzu 
kommt noch, daß die meisten derselben wider Willen, theils aus 
wirklichem Zwang, theils wegen ihrer persönlichen Sicherheit, theils 
zur Sicherheit ihres eignen und des Vermögens ihrer Familien 
den Soldatenstand ergriffen haben; daß Tausende unter ihnen 
bereits erlittenes Unglück, gänzlicher Umsturz ihres Glücksstandes, 
der Tod, oft der schmachvolle Tod ihrer Freunde, ihrer Brüder, 
ihrer Eltern tief gebeugt und ihr Herz zur Mitempfindung der 
Leiden ihrer Nebenmenschen gestimmt haben. Ich versichere Sie, 
mein Freund, ich habe oft auf einige Zeit eigenes Elend vergessen, 
das ihrige beklagt und meine Thränen mit den ihrigen vermischt. 
Wer hätte sich auch des Mitleids enthalten können, wenn man so, 
wie mir geschah, einen seiner ehemaligen Jugendfreunde in dem 
elendesten Zustande, zerrissenen Kleidern, voller Ungeziefer, ausge¬ 
hungert, schon wochenlang unter freiem Himmel campirend antraf 
und dabei witßte, daß er die ehrenvolle Stelle eines Advocat 
général bei einem Parlament bekleidet hatte, Besitzer eines Ver¬ 
mögens von 60 000 Livres jährlicher Einkünfte war und dereinstiger 
Erbe eines noch dreimal größern werden sollte, der dies, eine 
zärtlichgeliebte Gattin und 4 Kinder verlassen mußte um alle Ge¬ 
fahren und Mühseligkeiten des Kriegs §u ertragen. 
Wem würden seine Thränen nicht geflossen sein bei der Er¬ 
zählung eines Lyoners, welcher auf die Nachricht von der Einnahme 
seiner Vaterstadt und den Grenelseeuen, welche in solcher aufgeführt 
wurden, von der Armee dahin eilte, in der Hoffnung seine Eltern, 
Brüder, Verwandten und Freunde zu umarmen und vielleicht durch 
seine Verdienste ums Vaterland, durch seine Wunden, die er für 
solches erhalten und wodurch er sich einen ehrenvollen militärischen 
Rang erworben hatte, einem oder dem andern derselben nützlich zu 
sein, und bei seiner Ankunft fand, daß seine 70 jährige Mutter 
in ihrem Hause ermordet, sein 82 jähriger Vater und 2 Brüder 
den Tag vorher unter dem Mordeisen der Guillotine, gefallen und
        

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