Title:
Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich
Creator:
Horstmann, Philipp Bernhard
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-2855
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-5342
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die Tiger zahm zu machen, er hatte sogar durch veranstaltete Concerte 
versucht den Teufel Ehrmanns, der aber weit hartnäckiger als 
Sauls Teufel war, auszutreiben oder wenigstens zu bändigen. 
Ehrmann hatte ihn schon während seinem Aufenthalt durch tausend 
Kränkungen und Verfolgungen à la républicaine gedrückt, wovon 
die schändlichste und die den ehrlichen Mann wohl am meisten 
verwunden mußte, die war, daß Ehrmann dessen Kinder von 10 
bis 12 Jahren durch Verhöre, Drohungen und Arrest zu zwingen 
suchte Geheimnisse ihres Vaters zu verrathen und ihn wegen An¬ 
hänglichkeit an den Fürsten, Correspondenz mit demselben und Ab¬ 
neigung gegen die Franzosen anzuklagen. Und nun der Abschied. 
Als Ehrmann müßte ich freilich sagen, hob er an, daß die 
Einwohner von Saarbrücken sehr viel, ja alles mögliche für die 
Republik gethan haben. Als Ehrmann müßte ich sagen, daß mein 
Hauswirth sehr viel und mehr als verlangt werden konnte, an mir 
gethan hat. Da ich aber Republikaner und Repräsentant des 
fr. Volks bin, so muß ich sagen, daß ihr nichts weiter und noch 
lange nicht so viel gethan habt als ihr schuldig wäret, und daß 
man euch keinen Dank schuldig ist. Bon jour! 
Geschah es um Gott für Ehrmanns Abreise zu danken oder 
aus einer andern Ursache, genug unsre geistlichen Herren entsagten 
ihrer 3 monatlichen Ruhe und hielten zum erstenmal heute wieder 
öffentlichen Gottesdienst, mit welchem sie alle Sonn- und Feiertage 
fortfahren wollen. Da die Wache der hiesigen Garnison, welche 
aus einigen Compagnien von dem ehemaligen Regiment royal 
Suédois besteht, um 9 Uhr aufzieht und zusammen getrommelt 
wird, so bedienen wir uns dieses Zeichens statt dem vormaligen 
Geläute um in die Kirche zu gehen. 
Das Christkindchen hat uns heute eine beträchtliche Anzahl 
verwundeter Republikaner bescheert, und wir bescheerten diesen Lein¬ 
wand, Betttücher und Hemden zu Bandagen. Wir wurden öffentlich 
dazu aufgefordert; aber denken Sie sich unser Erstaunen, da seit 
drei Monaten sich jede Bekanntmachung des Ausrufers mit dem 
Refrain beiTodesstrafe geendet hatte, als wir jetzt hörten, daß wir 
aus Menschenliebe diese Lieferung machen sollten. Leben Sie wohl.
        

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