Title:
Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich
Creator:
Horstmann, Philipp Bernhard
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-2855
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-5147
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weisen, und daß sich die ganze Gemeinde durch Unterschrift erbot 
die Falschheit der Anklage und die Unschuld des Meyers eidlich zu 
erhärten. Diese Petition wurde von allen Gemeindsgliedern unter¬ 
schrieben, von solchen und des Meyers Frau und Familie dem 
Repräsentanten übergeben, welcher aber dieselbe ohne sie zu lesen 
ihnen vor die Füße warf und die Snpplicanten ohne sie anzu¬ 
hören ungestüm sortwies, fortwies, ohne sie zu fragen, wer sie 
seien, was sie verlangten oder für wen sie bitten wollten. 
Gestern Nachmittag ließ der für Schrecken, Angst und Kälte 
kranke Meyer den Hofrath Wilkens zu sich berufen, eröffnete ihm 
seine Gesundheitsumstände und bat ihn um Hülfe. Dieser sah 
sogleich ein, daß seine Krankheit eine Folge des Schreckens, der in 
dem Gefängnis ausgestandenen Kälte und des Lagers auf bloßer 
Erde sei, und als er ihm dieses bemerkte, so bat ihn derselbe sich 
bei dem Repräsentanten für ihn zu verwenden, daß er entweder 
gegen Caution, welche die ganze Gemeinde, so hoch sie immer sein 
möchte, für ihn leisten wollte, losgelassen, oder wenn dieses nicht 
statt fünde, die Verfügung getroffen werden möchte, daß er in ein 
leidliches Zimmer in der Stadt mit hinlänglicher Wache auf seine 
Kosten gebracht würde. 
Durch das flehentliche Bitten des Meyers und durch Menschen¬ 
liebe bewogen übernahm der Hofrath Wilkens dieses unangenehme 
und hükliche Geschäft und hoffte einen guten Ausgang davon, um 
so mehr, da er den Repräsentanten bei einer besondern Gelegenheit 
persönlich kennen gelernt, dieser damals gar menschenfreundliche 
Gesinnungen ausgehängt hatte und überhaupt das Gesuch nichts 
enthielt, das nicht verwilligt werden konnte. 
Hofrath Wilkens begab sich darauf zu dem Repräsentanten 
und eröffnete ihm sein Gesuch, war aber nicht wenig betreten, als 
sich derselbe weder eines Befehls zur Verhaftung noch des Ver¬ 
hafteten noch seines Verbrechens erinnerte und erst nach einigem 
Nachsinnen über solche seinen Secretär befragte. Dieser antwortete 
mit Mienen und Ausdrücken, welche anzeigten, daß er die Sache 
für höchst unbedeutend und die Denuncianten für Nichtswürdige 
hielt, er nannte sie immer mit dem verächtlichen Ausdruck Melgues 
gens ohne ihnen den Ehrennamen Citoyens zu geben und ließ
        

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