Title:
Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich
Creator:
Horstmann, Philipp Bernhard
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-2855
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-5114
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scheu zeigen unsre Geberden, und wir sind in eine Art von Un¬ 
empfindlichkeit hingesunken, welche näher an Nichtsein als an Leben 
grenzt. Selbst Ihr Freund, der bisher seinem Vorsatz sich durch 
nichts, was von den Franzosen verhängt wurde, beugen zu lassen 
mit Standhaftigkeit treu blieb, ward eine Stunde lang aus seinem 
Gleise geworfen und einer Empfindung zum Raub, die desto 
stärker war, je mehrere Leidenschaften dabei mitwirkten. Also 
hängen nicht wie bisher unsre Güter allein, nein auch unser Leben, 
von dem Wink eines Schurken ab? Also kann ein meineidiger 
Bube mich aufs Blutgerüste bringen, mich durch einen blutigen 
Tod von meinen Freunden trennen, diese Gattin zur Wittwe, diese 
geliebten Kinder, deren Erhaltung mit der meinigen beinahe un¬ 
zertrennlich verbunden ist, zu Waisen machen und sie dem Ver¬ 
derben weihen? kann, was noch schrecklicher ist, mich dem Hohn 
blutdürstiger Bösewichter blos stellen, meine Unschuld ihr Gespött 
und mein^ Verurtheilung und Hinrichtung ihnen Lustspiel und 
Augenweide sein lassen? 
Und so weit, mein Bester, ist es jetzt mit uns gekommen. 
Vor einigen Stunden starben zween unsrer Mitbürger, Jacob Loh¬ 
müller und Nickel Huppert, unter dem Mordeisen der Guillotine, 
starben nicht wegen begangenen Verbrechen, deren sie überwiesen 
oder nur verdächtigt waren, nein! starben unschuldig, wie Sie, 
der Sie niemals Republikaner gesehen haben, heute sterben 
würden. 
Ich will Ihnen die ganze traurige Geschichte dieses Justiz¬ 
mordes hier ausführlich mittheilen und auf solche Art, wie es 
niemand anders thun kann, da außer mir nur noch ein deutscher 
Mann lebt, der von dem ganzen Vorfall genau unterrichtet ist.*) 
*) Der F. N. S. Hofrath und medicinae Doctor Wilkens in Saar¬ 
brücken, da der Gram über das Unglück seiner Freunde und Mitbürger, den 
eignen Verlust eines großen Theils seines Vermögens, der Schrecken bei dem 
Ehrmännischen Justizmorde und die Anstrengung, die er bei den vielen ge¬ 
fährlichen Krankheiten bei seinen Patienten anwenden mußte, seinem thätigen 
Leben ein Ende gemacht haben, so kann ihm die Bekanntmachung desjenigen, 
was er mir anvertraut hat und aus besondern Ursachen anvertrauen mußte, 
nicht nachtheilig sein.
        

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