Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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Masse einige Schritte vorwärts, und wenn das Kanonenfeuer noch 
10 Minuten angehalten Hütte, so würden alle Franzosen jenseits 
der Saar geschossen worden, unb was die Brücke nicht passiren 
konnte, durch den Fluß gebadet sein, was nebst der Cavallerie auch 
viele einzelne Trupps Infanterie bereits gethan hatten. Aber auf 
einmal verstummten die Kanonen aller Orten, die Deutschen machten 
auf den Anhöhen Halt, die weiter vorgedrungenen kehrten dahin 
zurück, und nun gelangs den französischen Offiziers die Infanterie, 
welche in St. Johann fest stack, zurück zu halten und sie zu be¬ 
wegen nach den Preußen wenigstens wieder mit Einem Auge zu 
sehen. Damit war die Hoffnung zu unsrer Erlösung wenigstens 
für heute verschwunden. Der Nachmittag wurde mit unschädlichem 
Kanoniren von beiden Seiten zugebracht, und die Franzosen be¬ 
glückwünschten sich. daß sie durch die Deutschen nicht von der Saar 
abgeschnitten worden waren. Sie schrieben ihre schleunige Retirade 
und geringen Widerstaud bei St. Ingbert der sichern Erwartung 
zu, in welcher sie gestanden hatten, daß ein deutsches Corps von 
Duttweiler aus vordringen, ihnen den Paß bei Monplaisir ab¬ 
schneiden und sie alle in die Pfanne hauen oder gefangen nehmen 
würde. Dieses war so leicht thunlich, und sie erwarteten es so 
gewiß, daß sie sich alsbald in Vermuthungen verloren, warum solches 
nicht geschehen sein möchte.*) Uebrigens waren uns den Rest des 
Tags und die Nacht die gemeinen Soldaten nicht zur Last. Sie 
blieben unterm Gewehr auf den Straßen stehen, waren im höchsten 
Grad gutmüthig, keiner dachte ans Plündern, einen Trunk Wasser 
forderten sie um Gotteswillen an den Fenstern, keiner verlangte in 
ein Haus einzudringen. Nur die höhern Offiziers kamen in die 
Häuser und nahmen mit vielem Dank mit dem wenigen, was wir 
ihnen geben konnten und was wir ihnen wegen ihrem guten Be¬ 
tragen herzlich gerne gaben, vorlieb, da sie ausgehungert waren und 
in keinem Wirthshaus nichts fanden. 
*) Nach dem allgemeinen Gerücht, der Aussage der preußischen Deserteurs 
und dem Zeugnis eines sächsischen Offiziers in einem in einer deutschen Monats¬ 
schrift eingerückten Schreiben soll es auch in Kalkreuths Plan gewesen, der 
General aber, dem die Ausführung übertragen war, zu spät aus und an¬ 
gerückt sein. Anm. des Berf.
	        

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