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rvyerband
Munalkliche Milkeilungen
an die Mitglieder der Evangelischen Arbeitervereine
Herausgegeben vom Vorsthenden des Bagtterbandes.
Nr. 1.
Haarbrücken, den 22.*
1910.
Arbeiter.
In ferner Zeit, in fernem Lande,
Da hielt man die Arbeit für eine Schande,
Für ein Geschäft gewöhnlichster Art,
Niederen Sklaven aufgespart.
Dergleichen Ansicht spukt noch heute
Bei einer gewissen Sorte Leute,
Die gleich dem Volt der antiken Welt
Die Arbeit für etwas Gemeines hält
Bei einer „Nation der Denker und Dichter“.
ihn kurz bezeichnen, unser Saarverband, 34 Vereine
und im ganzen 6445 Mitglieder; ob wir in diesem
Jahre die 7000 erreichen, ist mehr als zweifelhaft;
2 neue Vereine sind inzwischen beigetreten,
1Walter hat uns leider verlassen. Unser Verband
erstreckt sich auf das ganze Saargebiet bis über
Neunkirchen hinaus und die Vereine, die ihm an—
zehören, sind recht verschiedenartig, schon was die
Größe angeht. Zum Teil sind es recht stattliche
Vereine; der alte Dudweiler Verein zählte im
letzten Sommer über 700 Mitglieder, obwohl sich
hHerrensohr von ihm getrennt und einen eigenen
zlühenden Verein gegründet hat, doch ist er, glaube
ich, schon überholt von einem jugendlichen Sproß
in unserm Verband, dem Neunkirchener Verein.
Auch die Vereine in der Großstadt weisen jeder für
iich und gar erst alle zusammen eine stattliche Zahl
auf und manche andere draußen stehen ihnen nicht
biel nach. Daneben kleine Vereine, einzelne, die
noch nicht 50, eine ganze Reihe, die keine 100 Mit—
zlieder zählen, aber sie sind wahrhaftig nicht weniger
wert, sie haben manchmal keine leichte Stellung,
liegen zum Teil recht einsam und abgelegen, z. B.
Züsch, jenseits von Hermeskeil, Uchtelfangen,
Wahlschied, Naßweiler, das mitten in Lothringen
gelegen ist. Es ist für solche kleine Vereine über—
zaupt nicht leicht zu arbeiten und ganz besonders
schwierig mit unserem Verband in Fühlung zu
bleiben. Trotz dieser weiten Entfernungen hat
der Verband in den letzten Jahren recht gut
zusammengehalten. Unsere Vertreterversamm—
lungen waren immer zahlreich besucht und
gar nicht nur von den Vereinen, die in der aller—
nächsten Nähe liegen. Wir haben uns oft gefreut
und mancher Fremde, der uns als Gast besuchte,
hat sich darüber laut gewundert, wie viele Männer
aus den verschiedensten Gegenden und Ortschaften
des Saargebiets versammelt waren. Natürlich
gibt es auch manchmal Unstimmigkeiten; die eine
oder andere Gegend, der eine oder andere Verein
fühlte sich vielleicht einmal benachteiligt; aber die
ehrliche Aussprache und das gegenseitige Vertrauen
half fast immer über solche Schwierigkeiten hinweg.
Das GEefühl des Zusammenhangs, der ehrliche
Wille, zuiammenzuhalten und gemeinsam zu
arbeiten, ist in den letzten Jahren fast überall mit
wenigen Ausnahmen gewachsen.
Wie haß ich doch dergleichen Gelichter,
Das mit hochmütigem Gesicht
Herabblickt auf die „niedere Schicht!“
Arbeiter sein — wir alle müssen's.
Arbeiter sein — wir alle wissen's,
Daß nur die Arbeit aus Not und Nacht
Das deutsche Volk ans Licht gebracht,
Daß nur ein rastloses Schaffen und Sinnen
Uns eine Zukunft kann gewinnen,
Und daß nur der die Wahrheit bucht,
Der unser Volk bei der Arbeit sucht.
Arbeit — zwar ist sie verschieden geraten,
Trägt jeder seinen besonderen Spaten:
Des einen Grabscheit die Erde durchsticht,
Der andre sein Werk gen Himmel richt;
Der eine die Arme sich müd muß renken,
Der andre wird müd vom bloßen Denken;
Doch wie auch verschieden der einzelne Fall.
Arbeiter, Arbeiter sind sie all!
Unser Verband.
Wahrscheinlich wissen nur wenige von unsern
Mitgliedern etwas genaueres über unsern Saar—
nerband. Nur die, welche häufiger oder regel—
mäßig an unseren großen Vertreterversammlungen
teilgenommen haben, lernten dabei die verschiede—
nen Vereine kennen, nahmen am Leben und am
Arbeiten des Verbandes teil.
Vielleicht bringen wir bald in unserer Zeitung
eine genaue Übersicht der sämtlichen Vereine; und
nach und nach werden wir berichten über die ein—
zelnen Einrichtungen des Verbandes, über unsere
Pläne und Arbeiten. Üüber die älteste Einrichtung,
die Auskunftsstelle, handelt ein besonderer Aufsatz
dieser Nummer. Hier beschränke ich mich auf wenige
Zahlen und einige allgemeine Bemerkungen.
Im vorigen Sommer zählte der Verband evan—
gelischer Arbeiternoreine a. d. Saar oder, wie wir
Eine andere Schwierigkeit liegt in der
eigenartigen Zusammensetzung unserer Vereine;
sie nennen sich Arbeitervereine; aber keiner
besteht allein aus Lohn- oder Handarbeitern
und mehrere haben sogar einen starken Pro—