Großßrosseln. Auch unser Ort gedenkt seiner toten Helden
und will in der Errichtung eines Kriegerdenkmals
gegen andere Orte unseres deutschen Vaterlandes nicht zurück—
stehen. Hart an der deutschen Grenze soll das Ehrenmal errichtet
werden, das der nachfolgenden Generation verkünden soll, daß
Rofseler Mäünner und Jünglinge für ihr Vaterland gestorben sind.
Am 18. und 19. Juli fand in zwei großen Sälen unseres Ortes ein
großer Volksbasar mit vielen Programmnummern statt, dessen
ier restlos in die Kasse zur Errichtung eines Kriegerdenkmals
jeßt
Schaffhausen. Am 189. Juli ereignete sich auf hiesiger Grube
Hostenbach ein tödlicher Unfall. der Sieiger Lorenz wurde
hon cinem Lokomotivzug mit leeren Wagen dermaßen stark ge⸗
drückt. daß er seinen zugezogenen Verletzungen alsbald erlag.
Der Belroffene ist Ernaͤhrer einer vielköpfigen Familie.
Nalbach. Am 13. Juli stürzte der Arbeiter Kratz aus
Düppenweiler in den Steinbruch der Chamotte- und Dinaswerke
am' Litremont ab und erlitt einen schweren Schädelbruch. Er
würde im Krankenhaus Dillingen untergebracht, wo er seinen Ver⸗
lehungen etlegen ist. — Vom Unglück schwer getroffen wurde hier
in' den ketzten sechs Jahren die Familie Franz Theobald⸗
Ruffay. VIn dieser Zeit sind den Eltern ihre vier erwachsenen
Zinder um Aiter von 23, 20. 17 und 13 Jahren — z3wei Söhne
und zwei Töchter — gestorben.
Saarlouis. Ein französischer Offizier fuhr als Be—
gleiter eines höheren französischen Militärs zum Bahnhof.
Wahrend dieser im Diensigebaͤude weilte, machte sich der Offizier
an dem elektrischen Anlasser des Motors zu schaffen. der ansprang
und den Wagen in Bewegung setzte. Da der Offiziet nicht fahren
lonnte, gondelte das Auto kreuz und quer über den Bahnhofsplaktz,
fuhr schließlich gegenüber dem Hotel Zimmer auf den Bürgersteig
und stürzte, nachdem es noch einen Baum umgerissen, die Boschung
des Rodener Sportplatzes hinunter. Dabei wurde das Auto schwer
beschädigt. dem Fahrer, der nicht fahren konnte, schadete die Ex⸗
kurfion nichts. — Ein Landjäger wollte am Bahnhof einen be⸗
tannlen Rodener Taugenichts verhaften. Plötzlich überfielen ihn
die berüchtigten Gebrüder Fries, entrissen ihm den
Arrestanten, der entfliehen konnte und bedrängten den Beamten
derart, daß'er zur Waffe greifen und mehrere Schüsse auf sie ab⸗
geben mußte, die allerdings fehlgingen. Erst durch das ——
weier zur Hilfe herbeigeeilter anderer Landjäger gelang es, die
Angreifer zu überwältigen und auch den Flüchtling wieder dinafest
zu machen.
Merzig. Die Bluttat zu Merzig, der die 38jährige Elise
Becker zum Opfer gefallen ist, hat nunmeht ihre Aufklärung ge—
funden Die Becker hat nicht durch Selbstmord, sondern durch
Mörderhand ihr Leben lassen müssen. Als Mörder konnte, wie
die Saarzeitung“ berichtet, das Verbrecherindividuum Joseph
Köpp, Mechaniker, geboren am 26. August 1900 zu Duisburg
zuleßte wohnhaft zu Diedenhofen, festgestellt werden. Der
Mörtder gehörte seinerzeit dem Separatistengesindel
im Rheinltand an und hat sich dort verschiedener ver⸗
brecherischer Schandtäaten schuldig gemacht. Als die
Separatistenherrlichkeit“ ihr Ende erreicht hatte, flüchtete Köpp
nach Diedenhofen, um unter den Fittichen der Franzosen den ver—
sprochenen Schutz zu genießen. Er beglückte dann das Saargebiet
wo er sehr bald hinter Gefängnismauern saß, um eine längere
Freiheiisstrafe zu verbüßen. Aus dem Gefängnis ist er aus—
gebroͤchen und hat dann die Mordtat verübt. Zweifelsohne dürfte
das Motiv zur Tat Diebstahlsabsicht gewesen sein, auch ein ab—
gewehrter Vergewaltigungsakt an dem Mädchen kann als Motiv
mit in Frage gezogen werden. Der Mörder ist noch nicht gefaßt.
Dreißbach (Kreis Merzig) Schikanen der französi—
schen Zollbehörde. Die französischen Zollbeamten trafen
bor zwei Wochen unerwartet in unserem Orte ein und verboten
den Fährbetrieb mit der Begründung, es werde Schmuggel ver⸗
mutet. Durch diese Maßnahme sind hier viele Familien in ihret
kargen Existenz sehr geschädigt worden. Die Maßnahme selbst
bleibt höchst unverständlich, da die Einwohner bisber ungestört
diesem Nebenerwerb nachgehen konnten.
Meitlach. Ein verhängnisvolles Ende nahm eine
Neckerei zwischen drei Anglern aus Merzig, die oberhalb des Stau⸗
werkes ihrem Sport huldigten. Um den auf dem linken Saarufer
angelnden Kollegen zu necken, wurden diesem seitens seiner Ge—
nossen von dem gegenüberliegenden Ufer Revolvergrüße in den
Angelbereich geschickt, um ihm die Fische zu verjagen. Eine Kugel
prallte auf dem Wasser ab und traf den Angler, der mit einem
Bauchschuß zu Boden sank. Die Kollegen brachten den Verletzten
in das hiesige Krankenhaus. Es mußte unter Zuziehung eines
auswärtigen Facharztes sofort eine schwierige Operation vor—
genommen werden.
Mimbach. Bei einem Ausfluge nach Walsheim wurde die
tan ee 7 ge Ipre alt, aus Ingbert, von
i itzschlag betroffen. Der hinzugezogene Arzt konnte nur
noch den Tod festitellen.
Ormesheim. Spurlos verschwunden ist das 20jährige Dienst—
nädchen Luise Röder. Das Mädchen wurde von seiner Dienst—
herrschaft nach Saarbrücken geschickt, von wo es nicht wieder zu—
rückkehrte.
Vom Höcherberg. Vertretern der Gemeinden Oberbexbach⸗
Frankenholz. Mittelbexbach und Höchen, die in Sachen der Ein⸗
richtung einer Postautoverbindung zwischen Waldmohr und Bahn⸗
hof Bexbach bei der Pfalzregierung Ende des Vorjahres vorsteilig
vurden, wurde damals die Erfüllung der vorgetragenen Wünsche
mit Wirkung von frühestens 1. April 1926 in Aussicht gestellt.
Nun traf dieser Tage die Nachricht ein, die Reichspost wolle
1b 1. September d. Is. auf der Strecke Waldmohr —Frankenholz—
ßahnhof Bexbach und zurück ein Postauto verkehren lassen, nach—
dem sich scheinbar ein Einverständnis zwischen ihr und der Saar⸗
regierung erzielen ließ.
Unwetter im Saargebiet.
Ueber Saarbrücken und Umgegend sind am 15. Juli den
gjanzen Nachmittag über schwere, anhaltende Gewitter hinweg—
jezogen. Der Fernsprechverkehr erfuhr infolge Zerstörungen zahl⸗
teicher Leitungen empfindliche Unterbrechungen, insbesondere der
— nach dem Westen, wo ebenfalls heftige Gewitter
obten.
An einzelnen Unwettermeldungen verzeichnen wir folgende:
In Jägersfreude schlug der Blitz in die Gruben—
wohnungen der Bergleute Peter Zapp und Johann Legrom. In
heiden Fällen wurde größerer Sachschaden angerichtet. Menschen⸗
seben sind glücklicherweise nicht zu beklagen. Ein besonders
'aunischer Blißß stürzte sich auf das Wahrzeichen von Jägersfreude,
auf den zur Erinnerung stehengebliebenen großen Schornstein des
rüheren Blechhammers, lief an dem Schornstein mehrere Male
ruf und ab und sprang zum Schluß in eine größere Wasserpfütze,
zie sich in der Nähe befand. Die Steine flogen bis in die Zimmer
der Anwohner „Im Werk“. Auch in diesem Falle wurden glück—
icherweise keine Leute verletzt. Ebenso nicht bei dem Einschlag
in die Dienstwohnung des hier in der St. Johannerstraße wohnen⸗
zen französischen Beamtenkontrolleurs. Der Schornstein wurde bis
zuf die Straße geschleudert und die ganze Lichtleitung in dieser
ztraße wurde zerstört. Ferner schlug ein Blitz in das Straßen—
zahngleis und sprang von da in eine nahe Baubude, wo sich ge—
ade 21 Arbeiter zum Mittagessen niedergesetzt hatten. Zwei
Arbeiter wurden vom Blitz getroffen; während der füngere
Arbeiter sich bald erholen konnte, traten bei dem älteren Sprach—
törungen ein. Die beiden Arbeiter mußten nach dem Kranken⸗
haus gebracht werden. — Wie schwer das Unwetier gehaust hat,
ieht man schon daraus, daß einem Beamten, der gerade 60 Zentner
Rußkohlen erhalten hatte, über 20 Zentner weggeschwemmt
wurden. Die ganze Straße lag voller Kohlen. — Hagelkörnet
von der Dicke eines Daumens zerstörten Obst und Frucht.
In Wahlschied schlug der Blitz zweimal ein, einmal im
Anwesen des Bergmanns Altpeter ohne zu zünden, während
hei einem andern Bergmann die Heuvorräte Feuer fingen. Der
Brand war dank sofortiger Hilfe nach kurzer Zeit gelöscht.
Auch in Ludweller richtete das Unwetter größeren
Schaden an. Ein Blitz schlug in das Schützsche Haus in der Nähe
der Apotheke ein, zündete aber nicht, sondern verursachte nur
rinen Riß in der Giebelwand. Schwerer betroffen wurde dagegen
das Haus des Heinrich Schneider, auf dem sogenannten „Hübel“
Hier brannte der Dachstuhl vollständig nieder. Sämtliche land⸗
virtschaftlichen Vorräte fielen den Flammen zum Opfer. Das
tatkräftige Eingreifen verhütete ein weiteres Umsichgreifen der
Flammen. Außerdem wurde ein Mann, der sich auf dem Arbeits⸗
wege am Hahnenkopf befand, vom Blitz erheblich verletzt, lo daß
er zum Arzt gebracht werden mußte. Auch wurde die Strom—
tijeferung des Ortes durch einen Blitzschlag in die Kraftanlage
des Wasserwerkes gestört, so daß Ludweiler am Abend ohne Licht
war. — Der sT7fährige Ludwig Husinger aus Dillingen, der auf
einem Gute in Remlingen bei Freisdorf in Lothringen beschäftigt
var, wurde vom Blitze erschlagen. Er wollte bei dem herauf—
ziehenden Gewitter mit seiner Mitarbeiterin vom Felde, auf dem
iie mit Heumachen beschäftigt waren, nach Hause gehen und trug
eine Heugabel auf der Schulter. Ein Blitzschlag, tötete ihn
vahrend seine Begleiterin nur betäubt wurde. Die Familie
zusinger hal damil in kurzer Zeit drei männliche Familienmit—
zlieder verloren.
In St. Ingbert war das Gewitter von schwerem Hagel und
rinem wolkenbruͤchartigen Regen begleitet. Stellenweise lagen die
Zagelstücke in der Größe von Taubeneiern mehrere Zentimetet
hoch auf der Straße. In den Gärten und Feldern sah es trostlos
ius, alles wurde vom Hagel zerschlagen. In der hinkeren Pfarr⸗
jasse standen die Keller unter Wasser, das Vieh konnte noch knapp
zerettet werden. Ueberall gab es große Ueberschwemmungen. In
der vorderen Blieskasteler Straße sah es auch schrecklich aus, die
janze Straße war ein See, das Wasser stand bls Straßenhöhe ir
zen Kellern. Der Bliß hat mehrere Male eingeschlagen, ohne
zlücklicherweise zu zünden. Der Schaden, den das Gewitter aw
terichtet hat., ist seht bedeutend.