Kreuzgang bei der Auqustinerkirche
Foto: Holzer
Landauer Volkstum im Wardel der Zeiten
Sine kurze Streife Wilhelm Wüst
Beinahe 600 Jahre trug Landau die Zwangsjacke seiner Festungsmauern und
Wälle, hielt Bauern, Handwerker und Krämer (nicht Kaufleute!l) im Zaum
und engte ihr Leben ein. Fremd blieb den Landauern der Zug in die Weite
und jeder Sprung in die nachbarliche Umgebung stand unter dem Druck des
drohenden Torschlusses. So blieb ihre Welt klein und ihr Sinn wurde eng.
Allerdings sicherte die reiche Umgebung den Handwerkern und Krämern guten
Gewinn und sie wurden Geldherren, wenn auch im kleinen. Vorsichtig legte der
„betuchte“ Bürger seinen Ueberschuß in Grundstücken auch außerhalb des Stadt—
bannes an, schrieb daneben gern Schuldbriefe, warum nicht, und bald zappelten
die Bäuerlein in der Hand ihrer städtischen Zinsherren. So wurden reger Er—
werbssinn und größte Sparsamkeit, hart an Geiz grenzend, die Züge des echten
„Landachers“ und sie blieben es auch. Wie lautet die Einladungsformel Lan—
dauer Gastfreundschaft? „Vetter, warum so spät? Grad vor äner Vertelstunn
hammer Kaffee getrunke. Ehr hetten gut mithawe könne, 's hett noch gelangt!“
Ja, so gern will er geben, ob man nun um 3 Uhr, 4 Uhr oder um 5 Uhr
kommt. Dabei wird er, um ganz echt zu sein, beim Sprechen die „r“ etwas in
der Kehle schnurren lassen und die „ei“ ein wenig dunkel färben.
Später, als die Umklammerung fiel und so das Feld zur wirtschaftlichen Betä—
tigung allenthalben freilegte, da waren die Unseren sechon flügellahm geworden
und nicht fähig, männlich zu wetten und zu wagen und mußten zusehen, wie
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