Full text: 1935-1936 (0001)

Kreuzgang bei der Auqustinerkirche 
Foto: Holzer 
Landauer Volkstum im Wardel der Zeiten 
Sine kurze Streife Wilhelm Wüst 
Beinahe 600 Jahre trug Landau die Zwangsjacke seiner Festungsmauern und 
Wälle, hielt Bauern, Handwerker und Krämer (nicht Kaufleute!l) im Zaum 
und engte ihr Leben ein. Fremd blieb den Landauern der Zug in die Weite 
und jeder Sprung in die nachbarliche Umgebung stand unter dem Druck des 
drohenden Torschlusses. So blieb ihre Welt klein und ihr Sinn wurde eng. 
Allerdings sicherte die reiche Umgebung den Handwerkern und Krämern guten 
Gewinn und sie wurden Geldherren, wenn auch im kleinen. Vorsichtig legte der 
„betuchte“ Bürger seinen Ueberschuß in Grundstücken auch außerhalb des Stadt— 
bannes an, schrieb daneben gern Schuldbriefe, warum nicht, und bald zappelten 
die Bäuerlein in der Hand ihrer städtischen Zinsherren. So wurden reger Er— 
werbssinn und größte Sparsamkeit, hart an Geiz grenzend, die Züge des echten 
„Landachers“ und sie blieben es auch. Wie lautet die Einladungsformel Lan— 
dauer Gastfreundschaft? „Vetter, warum so spät? Grad vor äner Vertelstunn 
hammer Kaffee getrunke. Ehr hetten gut mithawe könne, 's hett noch gelangt!“ 
Ja, so gern will er geben, ob man nun um 3 Uhr, 4 Uhr oder um 5 Uhr 
kommt. Dabei wird er, um ganz echt zu sein, beim Sprechen die „r“ etwas in 
der Kehle schnurren lassen und die „ei“ ein wenig dunkel färben. 
Später, als die Umklammerung fiel und so das Feld zur wirtschaftlichen Betä— 
tigung allenthalben freilegte, da waren die Unseren sechon flügellahm geworden 
und nicht fähig, männlich zu wetten und zu wagen und mußten zusehen, wie 
9
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.