Nr. 12
45. Jahrgang
sGründungsjahr 1870)
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Saarbrücken,
den 9. November 1917
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Zeitung zur Unterhaltung und Belehrung für VBerglente.
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Erscheint im Kriege wöchentlich einmal (Freitags). Bestellungen nehmen die Geschäftsstelle in Saarbrücken 3, Futterstraße 5/7, alle Postanstalten, sowie auf den biestgen
Gruben und den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten entgegen.
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Anzeigen⸗Aufträge für den — nehmen entgegen: Die Schriftleitung in Saarbrücken 1 und die Geschäftsstelle, Saarbrücken 8. Futterstraäße 6/2. jowie
fämtliche Beraboten. Anzeigenvreis: Die fünfnospolteno Qloinschriftaeile Dder deren Raum 20 Pfa. ausmärtige Ameigen 25 Wfa.
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Pie Rriegsereignisse.
Unerhörtes ist im Verlaufe einer knappen Woche
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Weltgeschichte nachblättern, nirgends, aber auch
nirgends treffen wir auf Ereignisse, die den kriege—
rischen Begebenheiten gleichen und gleich kämen,
die unserer Offensive gegen Italien inne—
wohnt. Was beweist sie? Einmal in geradezu
überwältigender Weise das auf Leben und Tod
eingestellte Treuverhältnis zwischen dem
deutschen Reiche und der Donaumonarchie,
das von unseren Feinden oft schon als brüchig
verkündet worden ist. Ein Treuverhältnis, wie es
gleichfalls zu keiner Zeit und zwischen keinen
anderen Völkern in ähnlicher Weise bestanden hat.
Und diese Offensive beweist zum anderen, daß die
Schlagkraft der Mittelmächte heute, beim
Beginn des zweiten Viertels des vierten Kriegs⸗
jahres noch genau so ungebrochen ist wie im
ersten Viertel des ersten Kriegsjahres. Daß
der Siegeswille und das Siegenkönnen
von unseren Fahnen, trotz aller Schwere der
Monate, trotz der Fülle der Opfer aller Art
nicht zu trennen ist, ob täglich schier auch noch
neue Gegner gegen uns aufstehen. Und diese
Offensive beweist zum dritten, daß das Gesetz
des Handelns in diesem ganzen großen Komplex
der Bewegung von uns den anderen vorge—
schrieben wird; daß wir abwehren, wo wir ab—
wehren und angreifen, wo wir angreifen wollen.
Daß wir, je nach Notwendigkeit, den einen Kriegs⸗
schauplatz still legen, um einen anderen aufzutun.
Daß wir die Herren der Stunde und die Be—
stimmer der Zukunft und ihrer Möglichkeiten sind.
Trotz der Welt von Feinden! Und die Offensive
gegen Italien beweist endlich auch, daß unsere
Friedensbereitschaft keinem Gefühl der Ohnmacht
entsprungen ist. Daß wir nicht darum ein Ende
machen wollten, weil wir ein Ende machen müßten,
sondern, daß wir aus dem Gefühl der Überlegen⸗
heit heraus vor die anderen hingetreten sind:
„Hier ist unsere Hand! Schlagt ein und gebt
unseren und euren Völkern den Frieden, damit
wieder Ruhe wird, das Blutvergießen aufhört
und die Erde unter den Werken segensreicher Arbeit
wieder neue Saaten tragen kann, damit neue
Ernten reifen.“ Drüben die haben solche Reden
für Rattenfängerweisen gehalten, und haben ge—
lacht, gespottet, gedroht. FJetzt wissen sie, daß ihr
Lachen eine Torheit, ihr Spott eine Kurzsichtigkeit
und ihr Drohen ohne jede Auswirkung gewesen
ist. Wir haben im Ypernbogen gegen die
ganze englische Armee Stand gehalten.
Wir haben an der Aisne allen französischen
Durchbruchsversuchen getrotzt. Wir haben
Rußland lahm delegt. Häben Riga qde—
nommen und mit der Zertrümmerung des Jakob—
tädter Brückenkopfes an der Duüͤna die Ober⸗
zand wie nach der Niederzwingung von Oesel und
Dagö die unbestrittene Vorherrschaft in der Ostsee.
Und nun haben wir zum Hauptschlag aus—
Jgeholt, haben die von der Entente immer als
Nebenfront behandelte italienische Kampflinie
zur Hauptfront gemacht. Hermann Stegemann,
dessen Berner „Bund“-Betrachtungen mit zu den
besten Orientierungen über die jeweilige Lage
zehören, hat, in sicherem Erkennen der Äbsichten
inserer obersten Heeresleitung, in diesen Tagen
Aso geurteilt: Betrachtet man die europäischen
Fronten als strategische Einheit — und anders
ann man sie garnicht beurteilen! — und die
dampfhandlungen, die sich von Riga bis Tuleea,
Monastir und Valona, Zillen und am Isonzo, bei
Trient und an der ganzen Westfront bis Nieuport
ich abspielen, als eine große Panoramaschlaͤcht,
die von den auf den inneren Linien stehenden
MNittelmächten und von der auf den äußeren
dinien stehenden Entente seit August 1916 ununter⸗
brochen durchgeführt wird, so erscheint der Durch—
bruch am, Isonzo als eine Durch—
brechung des Zentrums der Entente,
nachdem vorher der Ostflügel der Entente gelähmt
vorden ist, während der deutsche Westflügel
dauernd in Verteidigung kämpft. Der Durch⸗
bruch am Isonzo ist daher viel mehr
als eine Niederlage der italienischen
Armee und kann, wenn er vollends ausreift und
darüber hinaus politisch ausgestaltet wird, das
verwickelte Problem des Weltkrieges
einer europäischen Lösung näher
bringen, ehe die diplomatische Füh—
rung des Krieges seitens der Entente
pöllig an Amerikaübergeht.
Das ist's, was die Neunmalklugen in London
und Paris nicht wahr haben wollen, sie selber
ind am Isonzo mitgetroffen und mitgeschlagen.
And wenn sie mit Geschützen, Munition und
Truppen über die Alpen streben, dann schützen sie
etzten Endes nur sich selber. Schützen sich selber,
aber — schwächen sich auch selber“ Denn
hre Reserven sind nicht mehr derart, daß sie ihre
ampfstellungen zwischen Meer und Jura groß
chwächen können, ohne Rückschläge auf den von
hnen immer noch als Entscheidungskampfraum
estgehaltenen Positionen befürchten zu müssen.
Zudem ist es aber noch mehr als fraglich, ob eine
englisch-französische Hilse den Italienern noch viel
aützen kann. Als Udine unter dem Griff der
Below'schen Divisionen gefallen war, hatte Cadorna,
am sechsten Tage nach dem Beginn der Offensive
schon, am 29. Oktober, sein Hauptquartier ver—
soren. Und mit diesem Hauptquartier war dem
talicnischen FSecre das Hirn genommen. .Hunderte
von Offizieren, Beamten und Schreibern, unge⸗
zählte Bagage, Fernsprecher⸗ und Funkentelegraphie⸗
ormationen muͤssen“, so führten die deutschen
riegsnachrichten dieser Tage aus, „abbauen, es
dauert viele Stunden, vielleicht Tage, bis der
zanze große Betrieb am neuen Ort wieder einge—
richtet ist“.
Am Wochenende waren schon 200000 It alien er
und 1800 Geschütze in unsrer Hand.
Was das heißt, mag eine andere Zahl besagen,
die der bekannte Militärschriftsteller Major a. D.
F. Moraht in der Deutschen Tageszeitung zu
einer Zeit als Gesamtverlust unsrer Gegner er⸗
rechnet hatte, als die Gefangenenziffer erst 180000
Mann betrug. Danach schätzte er den
vollen Abgang auf der Gegenseite auf
300000 Mann! Das bedeutet, daß in einer
kurzen Woche zwei italienische Armeen
sast völlig gufgerieben worden sind.
dlammerte sich die Cadorna'sche Hoffnung selbst nach
dem Fall von Udine, das als Eisenbahnknotenpunkt
ür alle militärischen Transporte von Norden, Süden
oder Westen von nicht abzuschätzender Bedeutung
war, noch an die Möglichkeit, am Tagliamento
Stand halten zu können, so wurde auch diese
letzte Hoffnung zunichte, als die Schlacht bei
Latisana zu einem Sedan für seine Truppen
geworden war. Deutsche und österreichisch-un⸗
garische Divisionen, die sich westlich von Udine dem
Tagliamento näherten, wurden von Norden ange—
etzt; österreichisch ungarische Verbände stießen gleich⸗
zeitig längs der Lagunen gegen Latisana vor. So
wurde in einem edlen, unermüdlich-vordrängenden
Wetteifer beider Gruppen 60000 Italienern jene
Katastrophe bereitet, über die Cadorna selber in
einer Studie: Da Weissenburg a Sedan nel 1870*
vornehmend in der „Revista Militare Italiana“
im Jahre 1912 geschrieben hatte: „Eine schreckliche
Lehre für jene Länder, in denen ein uwerständiger
Befühlsausbruch der Massen die Oberhand über
ꝛine schwache Regierung gewinnt und das dynastische
Interesse sich nicht im Einklang befindet mit dem
der Nation.“ Demnach wäre, an seinen eigenen
Worten gemessen, Latisanag nur eine Quittung für
den „unverständigen Gefühlsausbruch der Massen“,
——
galt, einem dreißig Jahre andauernden Bündnis⸗
derhältnis gegenüber Treue zu beweisen und Treue
zu bewahren, „eine schwache Regierung“, zu einem
Sidbruch verleitet hat! Darum ist ja aber auch bei
uns und bei unseren Verbündeten die Freude in
diesen Tagen so groß und so nachwirkend und die
Fenugtuung über die Niederlage des Gegners so
ehrlich weil hier die Weltgeschichte sich
ediglich wieder einmal als das Weltgericht
erweist. Und diese Freude und diese Genugtuung
efreien und beflügeln darum auch die Feder des