Full text: Der Bergmannsfreund (18)

xvui. FJahrgang. 
Nr. 23 
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Saarbrücken, 
den 9. Juni 1888. 
Wochenblatt zur Unterhaltung und Belehrung für BVergleute. 
A 
— — 
Erscheint jeden Freitag. Bestellungen nehmen die Expedition in Saarbrücken, alle Postanstalten, sowie auf den hiesigen Gruben und 
den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten entgegen. 
Preis für das Vierteljahr bei der Expedilion 30 Mpfg. durch die Postanstalten oder durch die besondern Boten bezogen 40 Mpfs. 
Der Abonnementspreis ist im Laufe des ersten Monats zu berichtigen. 
Zu Berginspektoren sind ernannt die Bergassessoren: 
altheuner bei der Berginspektion zu Reden, 
Windmöller, „ „Friedrichsthal, 
Funcke F „Ensdorf, 
Richter und Graßmann bei der Bergwerksdirektion zu 
Saarbrücken. 
Amtliches. 
geräten u. s. w. Alles dies lag bunt durch⸗- und über⸗ 
einander geworfen, teils umhüllt mit großen Mengen ver—⸗ 
dohlten Getreides, unmittelbar auf dem geschwärzten, fest— 
zestampften, lehmigen Boden der Höhle, 2—583 mhoch, 
bedeckt mit riesigen Kalkblöcken und auf diesen geschütteten 
Sand und Schotter. 
Als die Blöcke hinweggeräumt wurden, fand sich unter 
denselben nicht nur der Brandplatz mit den Skeletten und 
Schätzen, sondern im fernsten Hintergrund der Vorhalle 
ein über 20 qm großer Platz, der mit Gegenständen ande— 
rer Gattung bedeckt war. Unter großen Mengen Asche 
und Kohle lagen solche Objekte, die in dieser Menge nur 
in einer Werkstätte für Metallwaaren angetroffen 
werden können. Hier lag aufeinander gehäuftes, vielfach 
jerschnittenes und zerbrochenes Bronzeblech, zusammengenietete 
zroße Bronzeplatten, bronzene Kesselhandhaben, Haufen von 
unförmlichen Stücken halb geschmiedeten Eisens, riesige Häm— 
mer, Eisenbarren, schwere eiserne Stemmeisen und Kelle, Feuer— 
zeuge, Ambos, eiserne Sicheln, Schlüssel, Hacken, Nägel und 
Desser, ferner geschmiedete Bronzestäbe und Gußformen. 
Alles dies war wie der ganze Opferplatz überschüttet mit 
verkohltem Getreide, bestehend aus Weizen, Gerste, Korn, 
Hirse. Aus dem Charakter dieser Fundobjekte, den Lager⸗ 
ingsverhältnifsen derselben und aus dem zur weiteren Be— 
arbeitung angehäuften vorrätigen Rohmaterial läßt sich mit 
Bewißheit auf eine Schmiedewerkstätte schließen, wo bängere 
Zeit hindurch nicht nur Eisen, sondern auch Bronze ge— 
chmiedet und anderweitig verarbeitet wurde. 
Die Werkzeuge, insbesondere die 6—7 x&g schweren 
vuchtigen Eisen Hümmer — von den Bergleuten Schlägel, 
Fäustel genannt —, von welchen 8 Stück gefunden wurden, 
seigen alle Spuren eines langen Gebrauchs und mehr oder 
veniger starke Abnutzung. So ist ein Hammer in Folge 
des Gebrauchs mitten entzwei gebrochen. Die kleinen Hand— 
jämmer haben breit geschlagene Enden mit eingebogenen, 
zackig ausgefranstem Rand, und an der Feuerzange ist der 
zine Arm durch den Gebrauch abgebrochen. Und nicht nur 
an den Spuren eines langen Gebrauchs der Handwerkszeuge, 
ondern auch an den unsertigen Gegenständen, deren Bear— 
»eitung mitten in der Arbeit unterbrochen ist, läßt sich 
erkennen, daß hier lange Zeit gearbeitet wurde. So verrät 
ein 8 Kg schwerer eiserner Keil seine Unfertigkeit dadurch, 
daß das eine Ende zwar schon in eine Spitze ausgehämmert 
ist. das andere aber erst im Beginn der Bearbeitung sich 
Vorgeschichtliche Schmiede und Gußwerlstätten für 
Eisen und Bronze. 
Von F. Schenk. 
Werfen wir einen Blick in die Werkstätten der vorge⸗ 
chichtlichen Eisen- und Bronzekünstler. Einen der schön— 
sten derartigen Funde machte Wankel in der Byciskäla-Höhle. 
Dort deckte er neben der Begräbnisstätte eines vorhistorischen 
Herrschers, die größte bis jetzt bekannte Schmiedewerkstätte 
der Vorzeit auf. 
Die Höhle liegt in der nächsten Nachbarschaft der von 
demselben Forscher aufgefundenen vrähistorischen Eisen⸗ 
chmelzen. 
Die Eingänge in die Höhle finden sich in der unter 
dem Namen Josephsthal bekannten Schlucht. Die Vor—⸗ 
halle der Höhle bildet einen großen, imposanten Dom, 
der durch von oben spärlich einfallendes Tageslicht däm— 
merig erleuchtet wird. Von hier aus öffnet sich die lange 
durch Funde aus der Renntier- und Mammuthzeit inter— 
ressante Grotte. In der Vorhalle hat Wankel vor einigen 
Jahren das große Höhlengrab eines Häuptlings aufgeschlossen. 
Aus den Resten ergiebt sich, daß der letztere auf einem 
hölzernen, mit Eisen beschlagenen und durch ornamentirte 
Bronzebleche gezierten Wagen auf einem hier errichteten 
Scheiterhaufen verbrannt wurde und daß ihm seine Weiber, 
Knechte und Pferde mit in's Grab folgen mußten. Rings 
um den großen Brandplatz des Scheiterhaufens lagen über 
dreißig Skelette jugendlicher Frauen und einiger kräftiger 
Männer in allen möglichen Lagen, teils ganz, teils zerstückt 
und mit abgehauenen Händen und gespaltenem Kopfe, ver⸗ 
mischt mit zerstückten Pferden, einzeln liegenden oder zu 
Haufen zusammengetragenen Gold- und Bronze-Schmuck⸗ 
sachen, Armbändern, Glasperlen, Bernsteinperlen und Bronze⸗ 
gehängen, mit Haufen von Gefäßscherben, ganzen Gefäßen, 
Bronzekesseln und gerippten Cysten. mit Bein- und Eisen—
	        
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