Full text: Der Bergmannsfreund (18)

XVIII. Zahrgang. 
Nr. 19. 
Her — 
Saarbrücken, 
den 11. Mai 1888. 
—8 
Wochenblatt zur Unterhaltung und Belehrung für Vergleute. 
— —— X 
Erscheint jeden Freitag. Bestellungen nehmen die Expedition in Saarbrücken, alle Postanstalten, sowie auf den hiestgen Gruben und 
den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten entgegen. 
Preis für das Vierteljahr bei der Expedition 80 Mpfg., durch die Postanstalten oder durg die besondern Boten bezogen 40 Mpfg. 
Der Abonnementspreis ist im Laufe des erften Moncks zu berichtigen. 
Amtliches. 
Der Militairanwärter Friedrich Lenge ist zum Portier 
bei der Bergwerksdirektion beftellt worden. 
Das Berchtesgadener Salzbergwerk. 
Mitteilung von F. Schenk. 
Unter den Salzbergwerken Südbaierns und des Salz⸗ 
ammergutes ift wohl das Berchtesgadener-Werk das be— 
uchteste und in der That auch besuchenswerteste, einmal 
eines Reichtums an Steinsalz, dessen schimmerndes Farben⸗ 
piel der unterirdischen Wanderung die Einförmigkeit be⸗ 
nimmt, dann seiner leichten Zugänglichkeit und der Kürze 
der Zeit wegen, welche die Begehung des den Besuchern 
zugänglichen Teiles erfordert, — bei raschem Ausschreiten 
dreiviertel Stunden — so daß kaum ein Tourist, welcher 
Berchtesgaden besucht, dieselbe unterläßt; Fahrkünste durch 
tiefe Schächte, Auf⸗ und Abfahren auf seigeren Fahrten, 
oder mit Hilfe der Wallbaͤume des Gestänges, sumpfige 
Stellen oder unfreiwillige Douche-Bäder, Unbequemlichkeiten, 
welche den Besuchern in anderen, zumal in Kohlen⸗ und 
Erzbergwerken erwarten, kommen hier gar nicht vor und es 
geschieht in der That nur pro forma daß die 9—10000 
ährlichen Besucher und Besucherinnen im Grubengebäude 
Krappenkleidung mit Fahrleder erhalten; nur für solche, 
deren Körperlänge das Mittelmaß überschreitet, empfiehlt 
sich der derbe Filzhut, um nicht in zu uͤnmittelbare Be— 
rührung mit dem Gestein oder der Zimmerung zu kommen. 
Um sich ein Bild von den verschiedenen Manipulati— 
onen zu machen, welchen der bergmännische Betrieb er— 
fordert, versuchen wir eine Darftellung desselben, gestützt 
auf Bergmeister F. Hailer's u. A. Veroͤffentlichung in der 
Preußischen Zeitschrifi für Berg⸗, Hütten- und Salinenwesen, 
dann auf eigene Anschauung und Mitteilungen eines prak⸗ 
ischen Bergmannes. 
Der Salzbergbau. 
Das Sauz, dieses uns bis jetzt wenigstens unentbehr⸗ 
iiche Genußmiltel, wird bekanntlich im Binnenlande je naͤch 
seinem Vorkommen auf verschiedene Weise gewonnen. Es 
ommt entweder als Steinsalz in mehr oder weniger reinem 
Zustande vor und wird durch bergmännischen Abbuu zu Tage 
zefördert, oder es wird durch Abdampfen von Soole gewonnen. 
Soole nennt man bis zu einem gewissen Grade mit 
Salzteilen gesättigtes Süßwasser; sie wird teils auf natür— 
lichem, teils auf künstlichem Wege gewonnen, im ersteren 
Falle sind es Quellen, welche die in der Erde ruhen— 
den Salzlager auslaugen und schon salzhaltig hervor— 
brechen, im anderen Falle leitet der Bergmann süßes 
Wasser künstlich in den Salzstock und laugt das 
jalzhaltige Gebirge aus (Sinkwerksbetrieb). Dort also ist 
seine Aufgabe die, das salzhaltige Quellwasser zu fassen, ihm 
durch Tieferbohren jenen Grad von Salzgehalt zu ver— 
schaffen, den es haben muß, um „sudwürdig“ zu sein, und 
das füße Quellwasser (Wildwasser) ferne zu halten. Frei— 
ich sind nur wenige Quellen sogleich sudwürdig, viele er— 
fordern kostspielige Gradirwerke, d. h. hochaufgeschichtete 
Lagen von Reisig, durch welche die Sodle herabträufelt und 
dadurch reicher an Salzgehalt wird, indem die Wasserteil⸗ 
chen an der Luft zum Teil verdunsten. Solche Quellsoole 
hat unter den Salzwerken der Alpen nur Reichenhall. 
Anders der Bergmann, der in der Tiefe der Erde 
seinen gefährlichsten Feind, das Wasser, sich nutzbar, zum 
Bundesgenossen macht. Es ist ein scheinbar außerordent 
lich einfacher und von der Natur vorgezeichneter Prozeß, 
das süße Wasser einzuführen und als Soole wieder abzu⸗ 
afsen, — und doch ist es wieder eine ganze Reihe von 
Hindernissen, gegen welche der menschliche Scharfsiun an— 
sukämpfen hat und welche er nach vielhundertjähriger Er⸗ 
'ahrung und mit weiser Benutzung der Naturkräfte selbst 
überwunden hat. 
In Berchtesgaden ist sowohl Steinsalz — als Aus— 
augungsbetrieb (Sinkwerke) ini Gange; das Steinsalz 
omint nicht in solcher Reinheit vor, wie z. B. in Wieliczka 
»der in Staßfurt und wird nur als Viehsalz, sogenannier 
„Leibstein“ verkauft; seitdem das Salzmonopol' in Bayern 
aufgehört hat und Viehsalz in Folge des Zollvereinigungs- 
Vertrages nur in denaturiertem Zusiand (mit anderen Sub— 
ttanzen vermengt) in den Handel kommen darf, hat sich 
dieser Betrieb außerordentlich gehoben, zum Teil aus dem 
Brunde, weil die Landwirte gegen das denaturierte Viehsalz 
eingenommen sind; aus obengenannter Ursache wird in 
Berchtesgaden auch das Steinsalz, gleich dem Haselgebirge 
leinem Gemenge von Salz, Thon, Anhydrit und Gyps) 
ausgelaugt, d. h. durch Sinkwerke betrieben; doch wird nur 
ein verhältnismäßig geringer Teil der gewonnenen Soole 
auf den Pfannen Berchtesgadens selbst versotten, weit mehr 
wird mittelst Röhrenleitungen über Berg und Thal nach
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.