Full text: Der Bergmannsfreund (18)

XVIII. Jahrgang. 
Xr. 2. 
—X gma ungq Lebn 
Saarbrücken, 
den 12. Januar 1888. 
—8* 
1 
Wochenblatt zur Unterhaltung und Belehrung für Vergleute. 
— — 7— 
Erscheint jeden Freitag. Bestellungen nehmen die Expedition in Saarbrücken, alle Postanstalten, sowie auf den hiesigen Gruben und 
den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten entgegen. 
Preis für das Vierteljahr bei der Exrpedilivn 30 Mofg. daurch die Postanstalten oder durch die besondern Boten bezogen 40 Mpfg. 
Der Abonnementspreis ist im Laufe des ersten Monais zu berichtigen. 
Amtliches. 
Der Bergassessor R. Rem ist mit der Hülfsleistung im 
Handelsbureau der Bergwerksdirektion betraut worden. 
Zu Steigern der staatlichen Steinkohlengrube Gerhard 
ind ernannt: der Bergschüler Heinrich Flegel und der Berg⸗ 
nann Georg Große. 
An Stelle des in Ruhestand versetzten Knappschaftsältesten 
Johann Thiel von Altenwald ist der Bergmann Christian 
Moßmann ebendaher gewählt und bestätigt worden. 
Bekanntmachung. 
Semäß Artikel 12 des V. Nachtrages zum Knapp— 
schaftsstatut vom 26. Juli 1872 hat der Knappschaftsvorstand 
n seiner Sitzung vom 7. Dezember d. J. die monatlichen 
Beiträge zur Krankenkasse des Saarbrücker Knapp- 
schaftsvereins für das Jahr 1888 unter Hinzuziehung 
des gewählten Ausschusses von 9 Knappschaftsältesten in 
gleicher Höhe wie für das Jahr 1887 und zwar: 
a. für die Beamten aff...... 50 Pfg., 
b. „ „ erwachsenen Arbeiter J. Klasse auf 1,20 4, 
e. „„erwachsenen II., 80 Pfg., 
d. iugendlichen auf. .. 40 5, 
estgesetzt. 
Saarbrücken, den 8. Dezember 1887. 
Der Vorstand 
des Saabrücker Knappschaftsvereins. 
Die Trichinen⸗Krankheit. 
Rom Dr. P. Miemeher. 
Ueber die Trichinen ist schon so viel gesprochen, vorge— 
tragen und geschrieben worden, daß so mancher diesen 
Namen nur noch mit Ueberdruß hört oder liest. Seit vollends 
die Witzblätter und die Witz-Tradition sich des Stoffes be— 
nachtigt haben, hört man die Trichinen schon in die Kate— 
gorie der „Meidingers“ werfen. Trotzdem haben die We— 
nigsten — davon kann sich der Arzt im Verkehre täglich 
überzeugen — eine richtige und vollständige Anschauung 
oon dem, worauf es hauptsächlich ankommt. Giebt es doch 
sogar Leute, welche die Sache mehr für eine solche des per⸗ 
sönlichen Dafürhaltens erklären. an die man nach Belieben 
zlauben möge oder nicht! — Andere wiederum sind der— 
naßen eingeschüchtert, daß sie nicht nur kein Schweinefleisch, 
sondern am liebsten gar kein Fleisch mehr essen wollen, und 
so manche Hausfrau gerät heutzutage in arge Verlegenheit, 
wenn fie im Falle unerwarteten Besuches, ohne des Gastes 
dermalige Eßprincipien zu kennen, rasch etwas Schinken, 
Tervelatwurst und dgs. holen läßt und arglos vorsetzt. 
Ppat man sich endlich wieder in Ruhe gewiegt, weil die 
Zeitungen lange keine „Trichin en-Geschichle“ mehr gebracht 
haben, so taucht plötzlich die Kunde von einem neuen Aus— 
bruch da und dort auf, die Aufregung steigt auf's Neue 
und wird genährt durch die obrigkeitlichen Bekauntmachungen, 
die defensiven Schreibereien der in ihrem Erwerbe bedbrohten 
Fleischer u. dgl. In Anbetracht alles dessen erscheint es 
vohl noch an der Zeit, daß der Gegenstand in einem Blatte, 
welches vollstümliche Tendenzen verfolgt, selbststaändig zur 
Erörterung komme. 
Die Trichinen-Krankheit ist keineswegs eine „neue“ 
Krankheit; schon seit Jahren hat man z. B. in Meagde— 
burg wiederholt eigentümliche Epidemieen kleinsten Maß— 
tabes beobachtet, welche bei ganz kräftigen Individuen mit 
dem ganzen Gefolge der unten aufzuzählenden Krankheits— 
erscheinungen auftraten. Die ursächlichen Verhältnisse blie— 
den allerdings rätselhaft und war man, da die Kranken 
glücklicherweise alle genasen, nicht in der Lage, durch Unter— 
suchungen an der Leiche das Dunkel aufzuklären. Diese Ge⸗ 
egenheit bot sich zum ersten male vor 28 Jahren, und 
zwar in Dresden, wo es sich denn herausstellte, daß die 
Krankheit durch Vorhandensein von Trichinen im Körper 
hervorgerufen werde. Diese Thatsache wurde sodann auch 
an derlei Genesenen festgestellt, indem man ihnen am Armeé 
zin kleines Stiück Muskel herausnahm und eingekapselte 
Trichinen darin vorfand. Die Trichine selbst war auch 
leineswegs eine medizinische Neuigkeit, denn man kannte iht 
zelegentliches Vorkommen bereits seit den 80er Jahren. 
Banz neuen Datums sind dagegen die Entdeckungen in Be— 
zug auf die Wanderung, welche dieses Tier in unserem 
Körper vollzieht, wie denn auch allerdings erst in der neue— 
sten Zeit die Krankheit in größerem Maßstabe aufgetreten 
ist und allgemeines Interesse gewonnen hat. Der Grund 
dieser auffauenden Erscheinung ist höchst wahrscheinlich in 
der jetzt geänderten Verarbeitung des Schweinefleisches, 
welche früher weit bedächtiger und umständlicher vorge— 
iommen wurde. zu souchen is. unten): auch ist die Ver—
	        
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