Full text: Der Bergmannsfreund (18)

XVIII. Jahrgaug. 
Xr. Iꝰ. 
Saarbrücken, 
den 27. April 1888. 
—8 
Wochenblatt zur Unterhaltung und Belehrung für Bergleute. 
X 
Erscheint jeden Freitag. Bestellungen nehmen die Expedition in Saarbrücken, alle Postanstalten, sowie auf den hiestgen Gruben und 
den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten entgegen. 
Preis für das Vierteljahr bei der Expedition 830 Mpfg., durch die Postanstalten oder durch die besondern Boten bezogen 40 Mpfg. 
Der Abonnementspreis ist im Laufe des ersten Monats zu berichtigen. 
Der Kobaltbergbau bei Querbach in Schlesien. 
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(Fortsetzung.) 
Die Darstellung blauer Farbe aus Kobalterzen hatte 
der Minister und Oberberghauptmann Waitz Frhr. v. Eschen 
zu einem besonderen Gegenstande seiner Untersuchungen ge⸗ 
nacht. Als der König von dem Gelingen der Versuche 
Nachricht erhielt, schrieb er dem Minister hocherfreut: „Da 
dieses eine so nützliche Entdeckung für das Land ist, und 
vir solche lediglich eurem Fleiß zuzuschreiben haben, so 
danke Ich euch um so mehr dafür.“ Boͤt sich damit doch 
die Möglichkeit das bisherige monopolartige Uebergewicht 
des sächsischen Blaufarbenhandels zu brechen. Friedrich be— 
gann den Kampf ohne Verzug. Er ließ die aus dem Aus— 
ande eingeführte blaue Farbe durch das Zolldepartement 
Minister Frhr. v. d. Horst) übersichtlich zusammenstellen 
und, fertigte diese Uebersicht dem Minister v. Waitz mit der 
Weisung zu, dem nachgewiesenen Inlandsbedarfe entsprechend, 
mit der Anlegung von Blaufarbenwerken vorzugehen (14. 
September 1774). So entstand inmitten der hauptsächtich— 
sten Gewinnungspunkte von Kobalterzen in kurzer Zeit das 
Blaufarbenwerk zu Querbach. Waltz ließ die duf dem 
Rothenburgischen Kupferschieferbergwerke bei Gollwitß ehe— 
nals auf die Halde gestürzten Kobalterze wieder ausklauben 
und in Querbach mit verarbeiten*).Ein Gleiches fand 
*) Die Kobalterzförderung auf dem zum Rothenburger Werke gehörigen 
Rothenweller Revier bei Gerbstädt erhielt in Gemäßheit des Privilegiums 
omn 23. September 1777 das Blaufarbenwerk der Kammerratin Freifrau 
Wartz von Eschen zu Hafferode bei Wernigerode, zu einem nach dem 
virklichen Werte bemessenen Preife. In der Annahme, daß der schlesische 
dobaltbergbau nicht das gange Land mit blauer Farbe versorgen könne, 
jatte nämlich Friedrich U. durch die KabeOrdre vom 6. August 1775 
ie Anlage einer zweiten Blaufarbenfabrit, und zwar im Mansfeld'schen 
»er Hohenstein'schen (unweit Ihlefeld und auf der langen Wand bei Wie— 
ersdors brachen ebenfalls Kobalierze) angeregt, deren Aufgabe es sein 
ollte, alle Provinzen a n ßer Schlesien mit blauer Farbe zu ver— 
orgen, damit nicht noch fernerhin so viel, fremde Hobohde ins Land 
u kommen brauchten. Ver Konig rechnete durch die Verdrängung der 
ruslündischen blauen Farbe mindestens 100 000 Thlr zu gunsten der 
Haupt⸗ Balance des Commorcue u gewinnen (Kab.Ordre v. 12. Sepibr. 
775). Da der Minister v. Wain die erforderlichen Kobalterze für ein 
olches Blaufarbenwerk zu gewinnen hoffen durfte, so wurde das oben er⸗ 
vähnte Privilegium sür Hasserode, wol man den im Tonschiefer streichen⸗ 
»en Dumkulergang auf Kobalt zu betreiben wieder begonnen haͤtte, der 
Familie des Ministers Waitz v. Eschen erteilt, und zwar — wie ts im 
Lingange des Privilegiums heißt — um die Verdienste dieses Ministertz 
vu belohnen. Bei Hasserade war ausweislich des Palentes vom 12. Juni 
anscheinend auch mit den bei Schreiberhau gewonnenen 
Kobalten statt. 
Von den Fortschritten in der Blaufarbenbereitung 
hielt der Minister den König nat ürlich fortgesetzt auf dem 
Laufenden. „Mein lieber Etats-Minister Frhr. Waitz von 
Cschen,“ schrieb dieser aus Anlaß einer solchen Anzeige am 
9. Januar 1775 zurück, „Ohngeachtet Ich von dem mir 
mit eurem Bericht vom 8. d. eingesandten Farben-Glase 
zus Mangel hinlänglicher Kenntniß zu urtheilen nicht im 
Stande bin; So ist Mir gleichwohl solches ein anderweites 
angenehmes Merkmahl von eurem Fleiß und Eifer zu Be— 
sörderung der Blau-Farbenwerke und überhaupt des Berg⸗ 
haues in Meinem Lande, wovor Ich euch demnach unter 
Bezeigung Meiner Zufriedenheit davon, hierdurch zu danken 
nicht unterlassen wollen, indem Ich bin ꝛc. Friedrich.“ 
Diese Danksagung des Königs wiederholte sich am 15. 
September, als die bei der Berliner Porzellanmanufaktur 
angestellten Proben ergeben hatten, „daß unsere entdeckte 
Kobolde ebenso gut und vielleicht noch besser wie die 
Sächsischen find.“ 
Nach des Königs Berechnung (Kab.Ordre v. 6. August 
1775) wurde allein in der Provinz Schlesien für 70 000 Thlr., 
in den übrigen Provinzen aber außerdem für 120 bis 
130000 Thlr. blaue Farbe gebraucht. Schlesien war, wie 
auch die Grafschaft Mark, damals noch eine „separirte“ 
Provinz, die ganz für sich abgesondert verwaltet wurde und 
durch Zollschranken von dem übrigen Staatsgebiet (den 
arrondirten Provinzien) abgesperrt war. Als aber von Waitz 
am 28. August 1776 berichten konnte, daß das Querbacher 
Werk sich andauernd gut entwickele und die dort gewonnene 
Farbe der ausländischen gleich sei, begannen zu Nutz und 
Frommen des vaterländischen Bergbaues die ersten Schritte 
ur Wegräumung der aus Rücksichten des Zolles unud der 
Regie im Inlande errichteten Schlagbäume. Am 6. Septr. 
1776 befahl Friedrich II. der General-Accise- und Zoll⸗— 
Administration, daß die schlesische „aus einländischen Pro- 
Inkten fabricirte Farbe, wenn solche mit glaubwürdigen 
— D0 
unden worden. Denn um jene Zeit hatten die Gewerken des Wernigerodischen 
Bergwerls“ vorgestellt, daß sie auch ein „Cobbolt-Bergwerk hätten, welches 
u Machung der blauen Farbe, Arseniei und Wißmuths sie anjeto auf⸗ 
unehmen und solches zur völligen Perfektion zu bringen vorhätten.“ 
Auch zu Braunlage, im Blankenburgischen und zu Andreasberg am Ober— 
zarz hatte man ehedem schon Kobalterze gebrochen (v. Heinit, Abhand⸗ 
ma ꝛ 1786. 91
	        
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