Full text: Der Bergmannsfreund (18)

XVIII. Jahrgang. 
Nr. 16. 
Saarbrücken, 
den 20. April 1888. 
er gmanng, 
M 
—8 
Wochenblatt zur Unterhaltung und Belehrung für Bergleute. 
— — 
Erscheint jeden Freitag. Bestellungen nehmen die Erxpedition in Saarbrücken, alle Postanstalten, sowie auf den hiestgen Gruben und 
den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten entgegen. 
Preis für das Vierteljahr bei der Expedition 30 Mpfg., durch die Postanstalten oder durch die besondern Boten bezogen 40 Mpfg. 
Der Abonnementspreis ist im Laufe des ersten Monats zu berichtigen. 
— 
Amtliches. 
*8 Obersteiger der Grube Gerhard, Karl Becker ist ge⸗ 
torben. 
Der Bergschüler Georg Dorst ist auf Grube Von der 
»eydt als Steiger angestellt worden. 
Der Kobaltbergbau bei Querbach in Schlesien. 
In geringer Entfernung von Giehren liegt morgen— 
värts, in einer Thalsenkung am Fuße des Krummen Tan— 
enberges ziemlich lang hingestreckt, das Dorf Querbach. 
Zahlreiche Berghalden verkünden nachfolgenden Geschlech— 
ern, daß hier dereinst nicht unbedeutender Berabau um— 
gjing. Es galt dort aus dem krystallinischen Schiefergebirge 
es nördlichen Kemnitzkamm-Gehänges wertvolle Kobalterze 
zu gewinnen. 
Kobalt, das niemals gediegen, sondern meist mit Ar— 
en und Schwefel verbunden vorkommt, ist als eigentüm— 
iches Metall erst seit dem Jahre 1738 bekannt geworden. 
Die Erze, welche beim Verschmelzen nach Arsen und Schwefel 
iechend, ein anderes, als das bekannte und von den 
Schmelzern erwartete Metall lieferten, wurden seit dem 15. 
Jahrhundett „Kobolte“ genannt, weil die Bergleute in 
olchen Fällen Neckereien der Berggeister (Kobolde) ver— 
nuteten. Daß man mit Kobalterzen Glasmassen blau 
irben könne, war übrigens im 18. Jahrhundert bereits 
ekannt. In Sachsen wurden schon 1521 die Halden bei 
z„chneeberg nach den anderwärts noch mißachteten Kobolten!) 
urchsucht, und am 5. September 1688 Fründete Veit Hans 
⸗ch norr aus Schneeberg in Nieder-Pfaͤnnenstiel (Sachsen) 
in eigenes Werk, in welchem die erzgebirgischen Kobalterze 
mblauer Farbe verarbeitet wurden. Das gewonnene 
zrodukt, Safflor oder Smalte?) genannt, wurde seitdem 
'on dort durch holländische Kaufleute nach Japan und 
china zur Porzellanmalerei vertriebhen. Bald verwandte 
aan das Kobaliblau auch bei der Wäsche, in der Fürberei 
ür Zeugstoffe und Papier und namentlich beim Stärken 
) Lehmann, Chronik von Schneeberg J1, 124. 198. — Im 16. 
sahrhundert hatte Christoph Schürer die blaufarbende Wirkung der 
wanerze des Erzgebirges entdeckt. 
2 Smalte ist ein durch Kobaltoxydul intensid blau gefärbtes Glas, 
elches durch Zusammenschmelzen abgerösteter Kobalterze mit Quarz und 
Zotasche gewonnen und, gemabhlen. in den Handel ebencht vg 
der Leinwand im schlesischen Gebirge wo man, wie von 
Bequelin mitteilts), auf 100 Schock Leinen gewöhnlich 
100 bis 120 Pfund weiße und 30 bis 40 Pfund blaue 
Stärke, d. h. Smalte, rechnete, welche letztere aus dem be— 
nachbarten Kursachsen“‘) bezogen werden mußte. Wir haben 
früher gelesen“), welchen Wert Friedrich der Große auf die Er— 
zaltung der Leinenfabrikati on als einer der hauptsächlichsten 
Erwerbsquellen Schlesiens legte und wie sehr er darauf 
dedacht war, die ausländ ische Konkurrenz besonders auf 
diesem Gebiete durch Herabminderung der Fabrikationskosten 
möglichst abzulenken. Hierbei kam der sehr hohe Preis der 
Smaltes) um somehr inbetracht, als für dieses Färbemittel 
aAlljährlich sehr beträchtliche Geldsummen in das Ausland 
zesendet werden mußten. Wie der Minister von Derschau 
aus Anlaß einer Minister-Zusammenkunft beim Könige am 
l. Juni 1770 mitteilt, brachte Friedrich die Angelegenheit 
selbst zur Sprache?). Die mehrfach erwähnte, zur Unter— 
uchung der schlesischen Gebirge abgesandte Immediat-Kom— 
mission hatte in ihrem Berichte vom 10. November 1769 
darauf hingewiesen, daß auf dem von Preller zu Schreiber— 
zau betriebenen Bergwerke „Die Hülfe Gottes“ Kobolt-Erze 
drächen, so „ein Fuß mächtig in einem regulär stehenden 
Bange ständen und mit drei Sanden ordinäre Eschel?) 
4äben. und daß der Gang mit Abteufung eines Schachtes 
8) Vergl. Jahrbücher f. d. preuß. Monarchie 1799, Band 1 6. 131. 
4) Kursachsen war so sehr bestrebt, sich die Herrschaft auf dem Markte 
ür blaue Farbe zu sichern, daß die Regierung die Ausfuhr von Kobalt— 
erzen unter Androhung hoher Strafen verbot. Minder reiche Erze aber, 
die zur Farbebereitung nicht recht tauglich erschienen, wurden, damit sie 
aur ja nicht in's Ausland gelangten, verstürzt. Für die besseren Erze 
jatte sich die Regierung das Vorkaufsrecht vertragsmäßig gesichert. Die 
Zrivat-Blaufarbenwerke erhielten ihren Erzbedarf nach Maßgabe eines be— 
onderen Abkommens von der Regierung. Der Blaufarbenhandel geschah 
iuf gemeinschaftliche Rechnung; der Kurfürst erhielt als Besitzer eines 
Doppelwerkes 2 Teile, die übrigen 3 Privatwerke jedes 1 Teil. Zu Schnee⸗ 
»erg, Leipzig und Dresden bestanden Verkaufsläger. (Vergl. Kapff, 
Beiträge zur Geschichte des Kobalts ꝛc. Breslau 1791, S. 8, 76, 79.) 
5) Bergmannsfreund 1886 S. 123, Anmerkung. 
6) Wie wir unter Ab ichnitt VII dieses Aufsatzes mitteilten, erbot fich 
ie Königliche Porzellan-Manufaktur zu Berlin im Jahre 1872, für gute 
Kobalte 60 oder gar 100 Thlr. für den Zentner zu zahlen. 
7) Siehe Preuß: Friedrich d. Gr. J, 381. Es heißt dort: „Schließ- 
ich erwähnten S. M. verschiedenes vom schlesischen Bergban, von der 
Beförderung des Steinkohlentransportes und dem Gebrauche dieser Kohlen 
bei Bleichereien, Ziegeleien und Kalkbrennereien auch soblte man die 
dobaltbergwerke vorzüglich zu betreiben suchen u. s. w“ 
39 Eschel — feinstes Vulßper.
	        
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