Full text: Der Bergmannsfreund (18)

XVIII. Jahrgang. 
Xr. I. 
Eagarbrüͤcden, F 
den 6. Jannar 1888 
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gm 
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Wochenhlatt zur Unterhaltung und Belehrung für Bergleute. 
Erscheint jeden Freitag. Bestellungen nehmen die Expedition in Saarbrücken, alle Postanstalten, sowie auf den hiesigen Gruben und 
den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten entgegen. 
Preis für das Vierteljahr bei der Erpeditien 830 Mpfg., durch die Poͤstanstalten oder durch die besondern Boten bezogen 40 Mufs. 
Der Abonnemenispreis ist im Laufe des ersten Monats zu berichtigen. 
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Ueber Aufsindung von Quellen.*) Seele tief, und er begann sosort damit, die Bodenverhält⸗ 
Von Conrad Herrmann—. nifse seiner neuen Heimat zu studieren, um sich zu erklaͤren, 
warum denn die Kalksteinformation, welche dort in beson— 
derer Ausbildung hervortritt, wasserärmer sein könne, als 
andere Gesteins- und Erdmassen, da doch auf dieselbe eben— 
'oviel Regen niederfiel, als auf die quellenreichen Striche 
iniger Nachbardepartements. Um den Verbleib der mete— 
drischen Wasser zu erforschen, wanderte er nach allen Rich— 
ungen umher und stieg endlich zu den drei größeren Flüs— 
en Lot, Calle und Dordogne hinab. Hier sah er so zahl— 
eiche und mächtige Quellen den Ufern zueilen, daß er 
iberzeugt sein durfte, daß sie kein Produkt der nähern Um— 
zebung seien. Ueberzeugt, daß diese Wässer gerade zum 
zroßen Teil aus den wasserarmen Plateaus stammten, 
uchte er von der Mündung aus ihrem unterirdischen Laufe 
rückwärts nach dem Plateau zu folgen, was freilich wegen 
einiger Eigenheiten des Terrains die größten Schwierig- 
keiten bot. Viel leichter wurde ihm die Verfolgung eines, 
venn auch verborgenen Quellenlaufes von seiner Mündung 
in die Höhe, nach dem östlichen Teile des Departements, 
vo Urgestein die Formation bildete. Die genaue Beobach— 
lung des Terrains auf diesen Wanderungen, gesteigert 
durch den Eifer, etwas aus demselben zu erkennen, hatten 
bdei Paramelle eine Feinheit der Empfindung für Terraiu— 
modulotionen zu Wege gebracht, wie sie dem erfahrensten 
Feldmesser kaum innewohnt. Nach neunjährigen unermüd— 
ichen Studien war er dahin gelangt, den Lauf, die Tiefe 
ind die Wassermenge fast jeder unterirdischen Quelle an der 
DOberfläche zu erkennen, und im Jahre 1827 wandte er 
ich in einem Promemoria an den Generalrat des Depar— 
ements und erbot sich, wenn die Regierung einige Geld— 
nmittel zur Durchführung des Unternehmens bewilligen wolle, 
dem Lande Quellen zu verschaffen. Die Behörde ergriff 
zlücklicherweise die dargebotene Hand und stellte ihm die 
Summe von einigen hundert Franken zur Verfügung. Je— 
»och die Gemeinden des Landes waren so sehr von der 
Unmöglichkeit, ihrem Lande Quellen zu verschaffen, über⸗ 
zeugt, daß, durch die unzähligen nutzlosen Grabungen ent⸗ 
nutigt, nur fünf sich zu einem neuen Versuche bereit er⸗ 
lärten. Obgleich nun Paramelle seine Wissenschaft keines⸗ 
vegs für untrüglich hielt oder ausgab, so führten doch 
chon diese ersten Versuche zu so gleichmäßig glücklichen Re— 
ultaten, daß sein Ruhm sich blitzschnell verbreitete. Von 
illen Seiten gelangten ietzt Anfraägen und Aufforderungen 
Die Wissenschaft der Quellenaussuchung war schon in 
den ältesten Zeiten gekannt und geübt, wie aus den vielen 
agenhaften Ueberlieferungen, welche auf uns gekommen sind, 
hervorgeht. Moses, welchen Plinius geradezu mit den 
ägyptischen Zauberern zusammenstellt, hat wohl auch diese 
Kunst, wie so manches andere in seinem Kultus, nirgends 
anders her, als aus den ägyptischen Geheimlehren. Der 
aälteste griechische Quellenfinder ist Danaos, welcher aus 
Aegypten eingewandert, dem dürstenden Argos fünfzig Quel⸗ 
en öffnet. Kein Volk des Altertums war nach Ottfried 
Peüller im Wasseraufspüren und Quellenhervorlocken ge— 
chickter, als die auch sonst naturkundigen Etrusker. Ihre 
Quellenmeister, die Aquilegen, waren sehr berühmt und ge— 
achtet, genossen auch desondere Vorrechte. Es scheint so— 
zar, als wenn sich ihre Wissenschaft auf das reellste Fun⸗ 
dament, ein genaues Studium der Gesteinsschichten und 
der äußern Unebenheiten des Bodens gesetzt habe. Denn 
don ihnen stammen ohne Zweifel die richtigen Anschau— 
angen, welche einzelne iömische Naturforscher über verbor⸗ 
gene Quellenläufe äußern. Sencca sagt von dem Laufe 
ind der Richtung der unterirdischen Adern: „Was du über 
der Erde siehst, das gilt auch für die Tiefe.“ Wir werden 
ehen, daß auf diesen beiden Sätzen hauptsächlich die neuere 
Wissenschaft von der Quellenaufsuchung beruht. Darum 
assen wir auch alle älteren erwiesenen und unerwiesenen 
Behauptungen auf sich beruhen und wenden wir uns jetzt 
zu der glänzendsten Erscheinung auf dem Gebiete der Quellen⸗ 
wissenschaft, zu Paramelle, dem Wohlthäter des wasser⸗ 
urmen Frankreichs. Seine Erscheinung interessiert um so 
nehr, als sie von allem Mystischen fern geblieben ist, wo— 
zu bei seinen unglaublichen Erfolaen wahrhaft Veranlassung 
jenug lag. 
Paramelle war 1818 in dem kleinen Kirchspiel daint- 
Jean l'Espinasse zum Pfarrer ernannt worden und hatte 
in dem sfüdöstlichen Teil desselben Gelegenheit, die Wasser— 
not dieser Gegenden, wo sich oft auf Flächen von 40 
Quadratkilometern kein Bach findet, zu studieren. Das be⸗ 
auernswerte Los der Bewohner ergriff seine echt christliche 
*) Nach Ernst Krause, Ottfried Müller und Voramells Quellenkunde 
herseßkt van Bernbord Coita Leivpzie 18k0
	        
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