Full text: Der Bergmannsfreund (18)

CVEBI. Jahrgang. 
Xr. 6. 
Ho guanngꝑ, —E 
Saarbrücken, 
den 10. Februar 1888. 
— X 
Wochenblatt zur Unterhaltung und Belehrung für Vergleute. 
— 
Erscheint jeden Freitag. Bestellungen nehmen die Expeditivn in Saarbrücken, alle Postanstalten, sowie auf den hiestgen Gruben und 
den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten entgegen. 
Preis für das Vierteljahr bei der Expeditivn 80 Mpfg. durch die Postanstalten oder durch die besondern Boten bezogen 40 Mpfg. 
Der Abonnementspreis ist im Laufe des ersten Monals zu berichtigen. 
Amtliches. 
Der seitherige technische Hülfsarbeiter der Grube Heinitz, 
ergassessor Men zel ist zum Berginspektor dieser Gruͤbe er 
innt worden. 
Ueberwiesen sind als technische Hülfsarbeiter: die Berg⸗ 
essoren Remy, der Grube Heinitz, Stein, der Bergwerks⸗ 
rektion zu Saarbrücken. 
Der Bergmann Jakob Meyer ist als Grubenwächter der 
ube Friedrichsthal angestellt worden. 
Der Zinnerzbergbau zu Giehren in Schlesien. 
Giehren, liegt wenige Kilometer östlich von Ullers— 
und jüdöstlich von Friedeberg am Queis im Kreise 
wenberg des Regierungs-Bezirks Liegnitz, in einer Thal— 
kung zwischen dem Kesselberge auf der einen, dem Mühl⸗ 
dem Pliesberge auf der anderen (ostlichen), sowie dem 
hen Berge auf der dritten (südlichen) Seite. In einer 
ugenausdehnung von ungefähr 4 Kilometern bauten in 
Umgebung des Dorfes 'als die bedeutendslen Gruben; 
„Reiche Trost,“ der „Hundsrücken“ und der „St. Jo⸗ 
nnes“ westlich von Giehren an dem nördlichen Gehänge 
3 Kesselberges bis nach Krobsdorf. Auf der östlichen 
ite von Giehren lagen dagegen die Gruben Altväter,“ 
onig David,“ „St. Bartholomäus“ und die „Görlitzer 
he“ (später „Morgenröte“ genannt). 
Ueber den alten Zinnbergbau zu „Gyrn und Greuffel— 
reichen die Nachrichten bis in den Anfang des 16. 
arhunderts zurück. Der Hundsrücker Gang soll schon 
2 gebaut worden sein. Da der Grundherr, ein Vor—⸗ 
des Grafen Schaffgotsch, Hans Schaffgotsch, den dor— 
in Bergbau unter Kufwand beträchtlicher Geldmittel zu— 
aufgenommen und besördert hatte, so wurde ihm im 
are 1578 durch Kaiserliche Verfügung der Zehnt auf 
euszeit, seinen Erben außerdem noch weiter auf 5 Jahre 
sem.) Diese Zehntbefreiung lief im Jahre 1089 66. 
Grundherrschasi hatte Bergleute aus Joachimsthal her⸗ 
zezogen und diesen die „Bergfreiheit Greuffelthal“ ober— 
b Giehren zum Wohnsitze angewiesen. Die Bergleute 
iten die Zechen als Eigenlöhner und verschmolzen ihre 
ze auf einer von der Grundherrschaft erbauten Hütte. 
3 Hüttenzins erhielt die lehztere die Schlacken und das 
Steinbeck, Geschichte des schlesisch,Rerabaues 1 242 
Hüttengekrätz, und als Zehnt für den Zentner Zinn einen 
Thaler. Unreine Verschmelzung der gewonnenen Erze und 
Uebervorteilung durch Geldmänner (Verleger), welche „den 
armen Gesellen“ die Betriebsgelder vorschoössen, beschränkten 
die Ausbeute nur allzusehr. Als die oberen Mitlel ver— 
hauen waren und die tieferen Baue durch Wasser belästigt 
wurden, deren man nicht Herr zu werden vermochte, zogen 
von den Bergleuten viele von dannen. Den zurückbleiben 
den wurde der Bergbanbetrieb auf allerlei Weise erschwert 
und verleidet. Er kam in Verfall, ebenso die Pochwerke 
1591). Die Wiederaufnahme des Grubenbetriebes ist einem 
Bürger Nürnbergs, Beyer, zu verdanken. Derselbe erhielt 
1616 von Hans Ulrich Schaffgotsch ein Bergbauprivilegium 
ür die Grube „Himmlisch Heer“ (sonst „Kupferzeche“ ge⸗ 
naunt) bei Greiffenthal auf 8 Jahre. Ihm war die Erbaͤu— 
ung von Schmelzhütten, Pochwerken und anderen Betriebs— 
zebäuden gestattet worden. Der Länder und Völker ver— 
vüstende 80jährige Krieg schadete auch dem Giehrener Zinn⸗ 
derghau. Um die Mitte des Krieges soll der „St. Johan— 
nes,“ im Jahre 1680 der nach ihm begonnene „Reiche 
Trost“ zum Erliegen gekommen sein, weil don den bamali— 
zen Künsten die Wasser nicht mehr gehalten werden konn— 
ten. Von der „Görlitzer Zeche“ versichert Volkmar (1760) 
von einem Bergwerk in Giehren: „Vor dem 30jährigen 
triege haben es Görlitzer gebaut und daraus solche Reich⸗ 
lümer gezogen, daß die größten Prachten ihrer Peterskirche 
noch daher stammen sollen. Jetzt liegt es fast wüste, nicht 
uus Mangel der Erze, sondern aus Mangel eines tüchtigen 
Stollens die Wasser abzuleiten.“ Auch andere der dortigen 
Gruben wurden um jene Zeit aus gleichen Ursachen auf⸗ 
ässig. Der „Hundsrücken“ kam wegen ungenügender Aus— 
»eute 1627 zum Erliegen; er wurde 1660 3war wieder ge⸗ 
wältigt, ruhte aber seit 1668, weil er in der ganzen Zeit 
don 1660- 1668 noch nicht voll 190 Thaler Uedberschuß 
zebracht hatte. Diese Ruhe dauerte ohne nennenswerte 
Unterbrechungen bis 1727, in welchem Jahre Anton von 
Schaffgotsch beschloß, ihm durch Treibung eines Stollens 
wieder aufzuhelfen. Dieser wurde 1729 angesetzt, 1732 
aber wieder eingestellt, weill man das Grubengebäude besser 
durch eine Kunst zu gewältigen hoffte. Diese Hoffnung er— 
wies sich jedoch sehr bald als eitel: bei trockener Jahres⸗ 
zeit fehlten der Kunst die Aufschlagwasser und bei nasser 
die Kräfte, um die vermehrten Grubenwasser zu Sumpfe 
zu halten. Die dadurch oftmals herbeigefübrten Unte,
	        
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