Full text: Der Bergmannsfreund (18)

XVIII. Jahrgang. 
NXr. 47. 
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man 
9 
Mer 
Saarbrücken, 
den 23. November 1888. 
—8 
Wochenblatt zur Unterhaltung und Belehrung für Bergleute. 
— — 
Erscheint jeden Freitag. Bestellungen nehmen die Erxpeditivn in Saarbrücken, alle Postanstalten, sowie auf den hiestgen Gruben und 
den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten entgegen. 
Preis für das Vierteljahr bei der Erxpedilidn 30 Mpfg., durch die Postanstalten oder durch die besondern Boten bezogen 40 Mpig. 
Der Abonnementsvpreis ist im Laufe des ersten Monatis au berichtigen. 
Amtliches. 
Dem Obersteiger auf dem Staatsbergwerk Von der Heydt, 
Johann Diessinger, ist der Kronenorden IV. Klasse Allerhöchst 
berliehen worden. 
Ueber die Pflege kleiner Kinder im gesunden und 
kranken Zustande. 
Nachdruck verboten. 
wäre dies gewiß um vieles besser und vielleicht auch mo— 
ralischer als manches andere. 
Von allen übrigen Vorgängen bei der Entwickelung 
des kindlichen Körpers spielt das sogenannte Zahnen eine 
wichtige Rolle; nicht am wenigsten deshalb, weil dieser Vor⸗ 
gang mit vielen sagenhaften und oft unverständigen Vor⸗ 
stellungen von Laien und unaufmerksamen Beobachtern um⸗ 
geben worden ist. 
Das was man im gewöhnlichen Leben das „Zahnen“ 
nennt, ist nichts anderes, als der Durchbruch der Zähne 
darch das Zahnfleisch. Diese finden sich bei dem neuge— 
»orenen Kinde in ihren „Zahnfächern“ bereits vor und 
verden nur von dem Zahnfleische bedeckt, welches sie all⸗ 
mählig wachsend zu einer bestimmten Zeit durchbrechen. — 
Es giebt wohl keine junge (und auch erfahrenere) Mutter, 
velche nicht dem Durchbruch der ersten Zähne mit großer 
Besorgnis und Aengstlichkeit entgegensieht; denn die Nach— 
cichten von schwerem Erkranken der Kinder infolge „des 
Zahnens“, von Krämpfen, von „über die Brust Zahnen“ 
sc. oder gar von plötzlichen Todesfällen erfüllen ihre Phan— 
lasie mit Schrecken. 
Wenn man aber bedenkt, daß der Zahndurchbruch ein 
ganz natürlicher Vorgang ist, so muß man sich doch sagen, 
daß die Sache nicht halb so schlimm ist, als man glaubt. 
Ganz gewiß macht das Zahnen die Kinder nur in ganz 
seltnen Fällen wirklich krank. Kräftige gesunde Kinder be— 
kommen ihre Zähne spielend leicht und häufig wird eine 
Mutter trotz aufmerksamster Beobachtung des Kindes vom 
Erscheinen des ersten Zahnes vollständig überrascht. 
Trotzdem kommt es aber vor, daß das Durchbrechen 
der Zähne manche abnorme Erscheinung hervorruft. Indem 
der Zahn wie eine aus dem Keime entstehende Pflanze 
emporstrebt, durchbricht er das darüber liegende nervenreiche 
Zahnfleisch; hierdurch entstehen zuweilen wohl Schmerzen, 
velche sonst geduldige Kinder unruhig und mißlaunig machen, 
'o daß sie besonders im Schlafe häufig gestört sind. Ja, 
»esonders empfindliche Kinder können wohl auch leichte 
Fiebererscheinungen darbieten, so daß Kopf und Hände heiß 
verden und letztere häufig dem vom Speichel überfließenden 
Munde zugeführt werden. Daß Krämpfe oder andere 
chwere Erkrankungen infolge des Zahnens entftehen, dürfte 
vohl in hohem Grade selten sein. 
Freilich können ja Kinder während der Zahnperiode 
anderweitig erkranken, doch dies immer jenem Vorgange 
Fortsetzung.) 
Es ist allgemein bekannt, daß die meisten Sterbefälle 
in das erste Lebensjahr des Menschen fallen. Dies erklärt 
sich daraus, daß das neugeborene Kind bezüglich seines 
körperlichen Organismus noch unfertig und unausgebildet 
sein Leben beginnt. Nur wenige seiner Organe vermögen 
hren vollständigen Dienst zu leisten. Die Beine sind zwar 
borhanden, allein das Kind kann nicht gehen; die Sinnes- 
orgaäne sind ihrer Form nach ausgebildet, leisten aber noch 
keinen Dienst; das Gehirn besteht, doch sind die geistigen 
Thätigkeiten noch unbemerkbar u. s. w. Dem ersten Lebens⸗ 
jahre ist es vorbehalten, die schlummernde Organthätigkeit 
zu wecken und im Dienste ihrer gesunden und kräftigen 
Entwickelung zu entfalten. Darum ist das erste Lebens— 
ahr das gefährlichste, aber auch das wichtigste für den 
nenschlichen Körper. Es wird hier der Grundstein gelegt 
'ür den ganzen Körperbau; ist dieser solide und auf festem 
Fundamente errichtet, so wird die spätere Entwickelung des 
Individuums eine dementsprechende sein: Wie der Körper 
uus dem ersten Lebensjahre hervorgegangen ist, so ist er 
inter sonst normalen Verhältnissen im ganzen Verlaufe 
seines späteren Daseins. — Darum wäre es Pflicht einer 
jeden Mutter, oder derjenigen, die es werden will, daß sie 
sich mit dem Entwickelungsgang des Kindes und mit der 
lichtigen Pflege desselben recht genau bekannt mache. 
Leider hat manche junge Mutter alles Mögliche gelernt, 
sie hat sich bekannt gemacht mit dem Laufe der Sterne und 
den Geheimnissen der Zahlen, sie hat gelehrte Sprachen 
und deren Litteratur in ihren Wissensschatz aufgenommen: 
doch bezüglich der Vorgänge, welche ihr eigenes Wesen be— 
treffen, ist sie unwissend wie ein Kind. Allein was be— 
deuten alle jene Kenntnisse gegenüber den Nachteilen, die 
daraus erwachsen, daß sie jene hohe Wissenschaft einer 
Dutter nicht kennt? Freilich bei unserer sogenannten Ci— 
dilisation ist es nicht schicklich, daß diese Wissenschaft zur 
rechten Zeit und am rechten Ort gelehrt wird, und doch
	        
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