Full text: Der Bergmannsfreund (18)

XVIII. Jahrgaug. 
Nr. 43. 
Saarbrücken, 
den 26. Okltober 1888. 
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Wochenblatt zur Unterhaltung und Belehrung für Bergleute. 
— — 
Erscheint jeden Freitag. Bestellungen nehmen die Expedition in Saarbrücken, alle Postanstalten, sowie auf den hiesigen Gruben und 
den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten eutgegen. 
Preis für das Vierteljahr bei der Expedition 30 Mpfg., durch die Postanstalten oder durch die besondern Boten bezogen 40 Mufg. 
Der Abonnementsvreis ist im Laufe des ersten Monats zu berichtigen. 
lUeber die Pflege kleiner Kinder im gesunden und 
kranken Zuflande. 
Nahdruck verboten. 
(Fortsetzung.) 
Ueber das Hemdchen und die Windel hinweg kommt 
nun am besten ein langes wollenes Röckchen oder, wenn 
es denn einmal so sein soll, die Wickelschnur, welche aber 
unter keiner Bedingung höher, als bis zur Achselhöhle hin⸗ 
auf gewickelt werden darf. Die Uermchen dürfen niemals 
mit eingewickelt werden. 
Die Wickelschnur wäre am besten ganz ferne zu halten, 
allein da das Skelett des Neugeborenen noch weich ist, so 
muß dafür gesorgt werden, daß bei der Handhabung des⸗ 
selben einer etwaigen Verbiegung der Knochen vorgebeugt 
werde. Hierzu dient die unvermeidliche Wickelschnur. 
Besser würde dieser Vorsicht für das biegsame Skelett 
des Kindes genügt durch ein sogenanntes Steck- oder 
Tragkissen. 
Einer besondern Behandlung erheischt in den ersten 
Lebenstagen noch der Nabelschnurrest. 
Die Nabelschnur enthält die Blutgefäße, mittelst deren 
das Kind, solange es sich im Mutterleibe befindet, genährt 
wird; nach der Geburt verbleibt hiervon am Kinde ein kurzer 
Rest, welcher von der Hebamme, um eine Nachblutung zu 
verhindern, unterbunden wurde. Dieser Nabelschnurrest 
fällt einige Tage nach der Geburt ad und ist vorher mit 
zroßer Sorgfalt zu behandeln, da in demselben leicht Fäul⸗ 
nis und Zersetzung entstehen kann. Um dies zu verhüten, 
geht man am besien auf folgende Weise zu Werke. Ein 
etwa handgroßes reines leinenes Läppchen wird mit einer 
mäßig dicken Schicht reiner, aus der Apotheke bezogener 
Verbandwatte bedeckt und beides zusammen wird unter den 
Nabelschnurrest, direkt auf die Bauchhaut des Kindes gelegt. 
Der Nabelschnurrest wird nur sanft zusammengefaltet und 
das Läppchen samt der Watte darüber zusammengelegt. 
Auf diese Art liegt der Rabelschnurrest reinlich und vor 
Druck geschützt. Ueber das Ganze kommt nunmehr eine 
etwa zwei Ellen lange, 4 Finger bdreite Binde, welche um 
den Bauch des Kindes herumgewickelt wird. Derartige 
Läppchen und Binden hält man vorteilhafterweise je 10-12 
dorrätig, um dem notwendigen Wechsel genügen zu können. 
Sobald sich der Nabelschnurrest von selbst losgestoßen 
hat (zu vermeiden ist das Zerren an demselben), ist der 
beschriebene Verband zwecklos; jedoch thut man gut, um das 
Herausdrängen des Nabels zu ver hindern, einige Wochen 
lang die sogenannte Nabelbinde allein anzulegen. Dieselbe 
darf aber durchaus nicht zu fest geschnürt werden; denn 
man beobachtet häufig, daß durch allzufestes Binden dieser 
Rabelschnur die Verdauung der Säuglinge gestört wird und 
auch die Ursache vor schmerzhaftem Schreien der Kleinen 
abgibt. 
s Um das sogenannte Wundwerden der Säuglinge zu 
verhüten, ist, wie oben schon kurz erwähnt, ein häufiges 
Wechseln der Kleidungsstücke gebbdten. Außerdem thut man 
gut, nach jedesmaligem Baden sämtliche Buchten und Winkel 
des kindlichen Körpers mit dem in jeder Apotheke vorrätigen 
Streupulver (Salicylsäure mit Talcum) zu bepudern. 
Die Bekleidung des Oberkörpers des Kindes besteht 
aus einem weiten Jäckchen, welches je nach der Jahreszeit 
fein oder warm ist. 
Den Kopf des Kindes besonders zu bedecken, ist nicht 
catsam; nur gegen kalten Luftzug oder Sonnenstrahlen 
dient ein leichtes Häubchen aus dünnem durchlöchertem 
Stoffe. 
J noch einmal auf das sogenannte Wickeln der Kinder 
zurückzukommen, so sollte dies nur für den Fall angewandt 
werden, so lange das Kind getragen oder anderweitig ge— 
handhabt wird. Sobald dasselbe in seinem Bettchen hegen 
soll, ist das Wickeln überflüssig: hier sei es nur mit Hemd⸗ 
chen, Jäckchen und Windeln zu bekleiden und mit einer 
leichten wollenen Decke zu bedecken. Auf diese Art wird 
es dem Kinde möglich, daß es sich behaglich dehnen und die 
ihm möglichen Bewegungen der Arme und Beine aus— 
führen kann. 
Schließlich will ich noch erwähnen, daß jedwelche Nadel 
an der kindlichen Bekleidung keine Verwendung finden darf. 
Von großer Wichtigkeit ist das Bett, weiches gewisser⸗ 
maßen auch zu den Bekleidungsgegenständen zu rechnen ist. 
Das Bett soll dem Kinde zum Lager dienen und es gegen 
sälte schützen. — Für das erste Lebensjahr genügt ein lang- 
licher ovaler Korb. Eine ziemlich fest gestopfte Spreu- oder 
Strohmatratze, worüber ein Gummituch gelegt wird, ist die 
beste Unterlage. Das Kind, dessen Kopf durch ein kleines 
Kissen unterstützt ist, wird mit einer wollenen Decke oder 
einem leichten Federkissen bedeckt. — Durchaus zu verwerfen 
ist das so beliebte Wiegen der Kinder. Es ist dies eine 
Quälerei für die Umgebung und eine große Schädlichkeit
	        
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