Full text: Der Bergmannsfreund (18)

SVIII. Jahrgang. 
NXNr. 39. 
Saarbrücken 
den 28. September 1888. 
Ho gmanug, — 
—8* 
zu 
Wochenblatt zur Unterhaltung und Belehrung für Bergleute. 
— — Ma 
Erscheint jeden Freitag. Bestellungen nehmen die Expedition in Saarbrücken, alle Postanstalten, sowie auf den hiestgen Gruben und 
den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten entgegen. 
Preis für das Vierteljahr bei der Erpedilion 80 Mopfg., durch die Postanstalten oder durch die besondern Boten bezogen 40 Mofg. 
Der Abonnementsvpreis ist im Laufe des ersten Monats zu berichtigen. 
Amtliches. 
Der Bergschüler Wilhelm Becker ist als Steiger des 
taatlichen Steinkohlenbergwerks Reden angestellt worden. 
Der Tagesteiger Rudolph Dißmann von dem staatl. 
Steinkohlenbergwerk Gerhard ist gestorben. 
Feuer, Wasser, Luft und Erde. 
Die vier „Elemente“, Grundbestandteile alles Bestehen— 
den, nannte man diese vier sonst wohl. Mit wie wenig 
Recht, hat die Naturforschung seit langem dargethan. Es 
ommt uns ein Lächeln an, wenn wir, mit den neuen Vor—⸗ 
ktellungen von den Elementen ausgerüstet, uns vergegen— 
värtigen, daß beispielsweise das Feuer ein Element sein soll. 
Heut verstehen wir unter Feuer einen chemischen Prozeß, 
hei dem Licht und Wärme enlwickelt wird. Dieser Prozeß 
desteht in den meisten Fällen darin, daß sich der in der 
atmosphärischen Luft befindliche Sauerstoff mit dem Kohlen— 
toff oder mit Kohlenstoff und Wasserstoff verbindet. So 
stes bei der Beleuchtung und Heizung unserer Wohnungen. 
Die in unsern Lampen und Gasleitungen zu Leucht-— 
wecken verwendeten Stoffe sind Verbindungen des Kohlen⸗ 
toffs mit dem Wasserstoff, „Kohlenwasserstoffer. Am all—⸗ 
zemeinsten angewendet ist wohl das Petroleum oder Stein⸗ 
zl, das, schon im grauen Altertum bekannt, erst nachdem 
man in Pennsylvanien unerschöpfliche Quellen desselben er— 
hohrte und geiernt hat, es zu reinigen, in die Reihe der 
Leüchtstoffe aufgenommen worden ist. Dampft man es ein, 
sjo krystallisiert aus dem Rückftande eine weiße Masse, das 
Paraffin, das aber auch aus Braunkohlen gewonnen wird. 
das noblere Stearin hat seinen Ursprung in dem Fett der 
Rinder und Schafe, dem Talg. Es ist ausnahmsweise 
nicht ein reiner Kohlenwasserstoff, sondern enthält einen 
zeringen Prozentsatz Sauerstoff. — Unser Leuchtgas ist 
'in Gemenge aus leichtem und schwerem Kohlenwasserstoff⸗ 
zas. Ersteres ist das berüchtigte Grubengas, dessen Mischung 
nit atmosphärischer Luft unter heftiger Detonation explodiert 
schlagende Weiter) und jährlich Hunderten von armen 
Hergleuten das Leben raubt. Letzteres erhält man, wenn 
man Spiritus mit Schwefelsäure erhitzt. Es riecht äther⸗ 
artig und brennt mit stark leuchtender Flamme. Je mehr 
das Leuchtgas von diesem Gase enthält, um so größer ist 
seine Leuchikraft. Es ist fast genau so schwer, als die 
atmosphärische Luft, während das leichte Kohlenwasserstoff- 
gas eiwa halb so schwer ist. Je größer also der Gehalt 
an leichtem Kohlenwasserstoffgas ist, um so besser eignet 
es sich für die Füllung von Luftballons. 
Unsere Heizmaterialien: Holz, Torf, Braun- und Stein⸗ 
kohlen bestehen außer aus dem in reichlichstem Maße gegen⸗ 
wärtigen Kohlenstoff auch aus Wasser- und etwas Sauer— 
stoff. Wie bei den Leuchtstoffen ist es der lebhafte Sauer— 
stoffzutritt, der das ‚Feuer“ unterhält. Hier wie dort sind 
die Produkte Kohlensaäure und Wasser. Nichts ist leichter, 
als fich von der Gegenwart des in einer Lampe gebildeten 
Wassers zu überzeugen. Man halte eine stark abgekühlte 
Slasglocke in einiger Höhe über den Zylinder und bald 
wird die Glocke wie angehaucht erscheinen. Dieser Vorgang 
erinnert lebhaft an den Atmungsprozeß, bei dem unseren 
Lungen auch Wasser und Kohlensäure entströmen. Die 
Begenwart der letzteren erkennt man sehr leicht, indem man 
hurch eine Glasröhre in ein Glas mit Kalkwasser — klares 
Wasser, das über gelöschtem Kalke gestanden hat bläst. 
Dasselbe färbt sich bald trübe und wird milchig. 
Die Vebhaftigkeit des Feuers ist von der Menge des 
zuströmenden Sauerstoffs abhängig, daher die seit alter 
Zeit fortdauernden Versuche, der Lichtflamme und den 
Heizvorrichtungen möglichst große Sauerstoffmengen zuzu—⸗ 
ühren. Diesen Versuchen verdanken wir die Erfindung 
der Argand'schen Lampen (Lampen mit doppeltem Luftzuge). 
Als abgeschlossen dürsen sie keineswegs angesehen werden, 
so lange noch ein großer Teil des Kohlenstoffs der Heiz⸗ 
materialien als Ruß und Qualm seinen Weg in und durch 
zie Feueresse findet. Bei den Leuchtvorrichtungen sind wir 
dagegen wohl nahezu an der Grenze der möglichsten Ver— 
hrennung angelangt. 
Das Wosser ein „Element!“ So kindlich die Vorstellung 
uns erscheinen mag, so lag es doch gar nicht so fern ohne 
unsere Vorstellung von den Urstoffen das Wasser einen 
Urstoff zu nennen. Mindestens muß es auch von uns noch 
als eine Grundbedingung alles Lebens augesehen werden. 
Unser Planet würde ohne dasselbe eine trostlose Oede sein. 
Denn nicht nur die Wassertiere und Wasserpflanzen sind 
in ihrer Existenz an das Wasser gebunden, auch was sonst 
Lebendiges existiert, kann nicht bestehen ohne den Besitz 
des Wassers in flüssigem oder luftförmigen Zustand. Unsere 
atmsphärische Lust muß, wenn sie nicht lebenfeindlich 
wirken soll, immer eiwas Wasserdampf enthalten. — Für
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.